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Die Oberpfalz schäumt: Zoigl-Bier im Supermarkt!

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Bier © dpa

Regensburg - Die privaten Brauer in der nördlichen Oberpfalz schäumen. Das Zoigl-Bier, das sie seit fast sechs Jahrhunderten nach strengen Regeln und in alter Brautradition herstellen, tauchte als Aktionsware im Supermarkt auf.

„Das ist Etikettenschwindel“, ärgert sich Thomas Witt, Vorsitzender der Neuhauser Brauer. Er macht sich Sorgen, „dass der Qualitätsbegriff Zoigl weiter verwässert wird“. Und auch der Bürgermeister der Zoigl-Hauptstadt Windischeschenbach, Andreas Meier, ist sauer: „Es wird dabei vorgetäuscht, dass es sich dabei um das Original handeln würde.“

Warum Bier sogar gesund sein kann

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Der Zoigl – das ist ein untergäriges Bier, das in einem sogenannten Kommunbrauhaus entstehen darf. Und jetzt das: Flaschen-Zoigl! „Wir können nicht verhindern, dass jemand Zoigl-Bier in Umlauf bringt“, bedauert dazu der „Kommandant“ der Spaßtruppe Altneihauser Feierwehrkapelln, Norbert Neugirg. Denn der Begriff sei nicht geschützt. Doch die insgesamt 18 Zoigl-Brauer, die heute noch in der gesamten nördlichen Oberpfalz nach geheimen Familienrezepten ihren süffigen Gerstensaft herstellen und in eigenen, gemütlichen Stubn ausschenken, haben ein Eisen im Feuer: Sie haben beim Deutschen Patent- und Markenamt in München einen Antrag gestellt, den Gerstensaft ähnlich wie den Schwarzwälder Schinken oder die Nürnberger Rostbratwurst in die Riege der geografisch geschützten Produkte aufzunehmen. Dieser Antrag wurde allerdings schon vor vier Jahren gestellt. „Gehört haben wir bislang aber noch nichts“, sagt „Kommandant“ Neugirg. Würden die Münchner endlich grünes Licht geben, dann könnten sich die Oberpfälzer die Nachahmer, die auf den immer schneller fahrenden Zoigl-Zug aufgesprungen sind, vom Leib halten.

Das Lieblingsbier der Deutschen

Vor fünf Jahren hatten die Zoigl-Wirte bereits einen ersten Versuch gestartet. Sie kreierten das Logo Echter Zoigl vom Kommunbrauer und sicherten es sich als Wort- und Bildmarke. Neugirg hatte die Idee mit ausgebrütet. An ausgewählten Stubn-Türen in Neuhaus, Windischeschenbach, Falkenberg, Eslarn und Mitterteich hängt dieses Gütesiegel. Wer es haben will, muss Bedingungen erfüllen: Das Bier muss im Kommunbrauhaus hergestellt werden, es darf nur an dem Ort, an dem sich die Braustätte befindet, ausgeschenkt werden, und dort vom Wirt selbst. Der Wirt darf auch niemanden mit dem Zoigl beliefern.

Längst ist das Bier wichtiger Bestandteil des Tourismus in der Region. „Der Zoigl ist ein Alleinstellungsmerkmal für den Oberpfälzer Wald“, betont der Tourismusreferent des Kreises Neustadt, Reinhold Zapf. Das Bier – neben Wandern und Radfahren die Hauptattraktion für die Urlauber. Zapf hat nun die Sorge, dass der Supermarkt-Zoigl alles unterminiert. Um ein weiteres Aufweichen der Bierkultur zu verhindern, will Bürgermeister Andreas Meier Aufklärungsarbeit leisten: „Wir müssen die Unterschiede, die unseren Original-Zoigl ausmachen, aufzeigen.“ So hat der Stadtrat von Windisch­eschenbach beschlossen, sich die Wort- und Marke Hauptstadt des Zoiglbiers schützen zu lassen.

Theo Kurtz

Das Zoigl-Bier

Das Zoigl-Bier ist nicht gefiltert und auch nicht pasteurisiert (Mit Pasteurisieren macht man Bier haltbar). Dewegen wäre es spätestens nach einer sechsmonatigen Lagerung umgekippt. Jeder Zoigl-Brauer hat sein eigenes Rezept: Daraus folgt auch: Kein Zoigl-Bier, das einen hohen Hopfenanteil und damit einen herben Ton besitzt, schmeckt gleich. Den echten Zoigl gibt es übrigens nur auf Verlangen in Flaschen, und wenn, dann nur als Geschenk. Eine Halbe kostet in den Zoigl-Stubn in der Regel 1,70 Euro.

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