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Würzburger Chefarzt warnt vor Klinik-Kollaps - und spricht über Intensivpatienten: „Stimmt mich sehr traurig“

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Von: Verena Möckl

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Coronavirus - Intensivstation
Immer mehr Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus. Die Krankenhäuser arbeiten am Limit. © picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow/Symbolbild

Der Würzburger Chefarzt Matthias Held warnt vor einer Überlastung der Krankenhäuser aufgrund steigender Corona-Zahlen. Doch er hat auch eine erfreuliche Nachricht.

Würzburg - Die Corona-Infektionen* in Deutschland steigen. Dr. Matthias Held befürchtet, dass es bald zu einer Überlastung der Krankenhäuser kommt. Vor diesem Szenario hat der Chefarzt des Klinikums Würzburg Mitte bereits im vergangenen Jahr gewarnt. Im Video-Interview mit t-online spricht Held über den Alltag auf seiner Corona-Intensivstation. Er erklärt anhand eines dramatischen Falls, warum eine Impfung gegen das Coronavirus* so wichtig ist und ob, Ungeimpfte ihre Entscheidung bereuen.

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Steigende Corona-Infektionen: Würzburger Chefarzt warnt vor Überlastung der Krankenhäuser

„Die Sorge, Patienten nicht vollumfänglich versorgen zu können, begleitet uns in Wellen schon seit eineinhalb Jahren“, sagt Held. Vor allem auf den Intensivstationen arbeiten die Ärzte und Pfleger an ihrer Belastbarkeitsgrenze. Durch Omikron befürchtet der Würzburger Klinikarzt, dass es auch bald auf den Normalstationen zu Engpässen in der Versorgung kommen könnte.

„Fast ausschließlich Ungeimpfte liegen auf den Intensivstationen“, berichtet Held. Zwar gebe es auch Einzelfälle von geimpften Patienten, diese lägen aber „oft wesentlich“ kürzer auf der Intensivstation und hätten manchmal eine Verschlechterung ihrer Vorerkrankung.

Falsch informierte Patienten: Chefarzt schildert dramatischen Fall auf Intensivstation

Bereits Anfang Januar hat sich Matthias Held im Fernsehen an die Bevölkerung gewandt und appelliert, sich impfen zu lassen. Er verdeutlichte in seiner Fernsehansprache die Dringlichkeit der Impfung an dem drastischen Fall eines Abszess-Patienten, dem aufgrund falscher Informationen abgeraten wurde, sich impfen zu lassen. „Solch eine Vorerkrankung stellt kein Risiko für eine Impfung dar“, betont Held. Doch aus Verunsicherung wartete der Patient mit der Impfung. Das hatte schwerwiegende Konsequenzen. Nach einer Infektion mit dem Coronavirus erkrankte der Mann so schwer, dass seine Lunge, Leber und Niere versagte. Wie geht es dem Mann jetzt? Hat er die Corona-Infektion überlebt?

Der Würzburger Chefarzt Matthias Held spricht im Interview mit t-online über einen dramatischen Fall eines falsch informierten Patienten.
Der Würzburger Chefarzt Matthias Held spricht im Interview mit t-online über einen dramatischen Fall eines falsch informierten Patienten. © Video-Interview t-online (Screenshot)

„Der Patient wird inzwischen seit zehn Wochen künstlich beatmet“, berichtet Held im Interview mit t-online. Mittlerweile befände sich der Mann auf dem Weg der Besserung. Der Ungeimpfte hat nochmal Glück gehabt. Nur die Hälfte aller Patienten überlebt die künstliche Beatmung.

Chefarzt: „Wir haben auch Patienten, die nach überstandener Infektion das Coronavirus geleugnet haben“

Was macht das mit den Patienten? Bereuen Ungeimpfte ihren Entschluss*, wenn sie intensivmedizinisch behandelt werden müssen? Der Direktor des Würzburger Klinikums erzählt von einer ungeimpften Patientin, die ihren Entschluss bedauert habe. „Sie hat eingesehen, dass das ein Fehler war. Jetzt appelliert sie, sich impfen zu lassen.“ Doch es gebe auch Patienten, die keine Einsicht und Reue zeigen - im Gegenteil. „Wir haben auch Patienten, die nach überstandener Infektion das Coronavirus geleugnet haben“, sagt Held. „Das stimmt sehr traurig und nachdenklich.“

Situation in Nordbayern aktuell noch entspannt

Doch der Chefarzt hat auch erfreuliche Nachrichten. Die Situation in den Kliniken sei in Würzburg* und Nordbayern von den Weihnachtsfeiertagen bis jetzt „eher entspannend“, was ihm zufolge mit den fallenden Fallzahlen im Dezember zusammenhängen könnte. Auf die kommenden Wochen blicke Held dennoch mit Anspannung. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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