Albanischer Schriftsteller bleibt mit 8,5 Kilo Kokain am Irschenberg liegen

Pannenhelfer als unfreiwilliger Drogenkurier

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Der Albaner hatte 8,5 Kilogramm Kokain im Gepäck.

Irschenberg - Der Anruf kam von der Raststätte Irschenberg (Kreis Miesbach). Ein gebrochen Deutsch sprechender Mann bat um Hilfe, weil sein alter Peugeot den Dienst verweigerte.

Abschleppunternehmer Josef Waldschütz schickte einen Wagen, der das Auto zu einer Werkstatt brachte. „Aber es war so viel kaputt, dass man das Auto nicht gleich reparieren konnte“, berichtet Waldschütz dem Miesbacher Merkur. Der Besitzer des Peugeots, ein Albaner, hatte es eilig: Er musste mit seinem Wagen unbedingt nach Bozen – und das lieber sofort als später. Und so wurde ein Mitarbeiter des Abschleppunternehmers unfreiwillig zum Kokain-Kurier!

„Dabei hat der Mann, der liegengeblieben war, einen so seriösen Eindruck gemacht“, berichtet Waldschütz. Er sei Schriftsteller, erzählte der Mann im Büro von Waldschütz. Und das war nicht gelogen: Es handelte sich um Zyhdi Morava (62), dem Präsidenten des albanischen Schriftstellerverbandes. Ein bekannter Name auf dem Balkan: Die Gebühr für die Überführung des Peugeots nach Bozen bezahlte der Autor von 15 Büchern und mehrerer Gedichtbände schon im Büro. Waldschütz’ Mitarbeiter Falk Seifert (50) packte das Auto auf ein passendes Gefährt und kutschierte Peugeot und Morava in Richtung Süden. Die Fahrt war aber in Sterzing zu Ende. Vermutlich hatte das Überführungskennzeichen am Peugeot die Aufmerksamkeit der Grenzpolizei geweckt. Jedenfalls nahmen die Beamten das Pannen-Auto gründlich unter die Lupe. Als sie die Verkleidung der Türen öffneten, wurden Pfund-Päckchen voller Pulver sichtbar. Insgesamt 17 Pakete zogen die Beamten heraus. Es handelte sich um 8, 5 Kilo Kokain im Wert von rund zwei Millionen Euro!

Die Polizei nahm den Schriftsteller fest, aber auch Falk Seifert. Sein Chef hat dafür Verständnis: „Er ist ja schließlich gefahren.“ Das Drogenauto auf einen Abschleppwagen zu verfrachten, könne schließlich auch ein Trick sein, um der Kontrolle zu entkommen. Von Bozen aus rief Seifert verzweifelt bei Waldschütz an. Der setzte alle Hebel in Bewegung, die Polizei von der Unschuld seines Mitarbeiters zu überzeugen.

Es gelang. Während der Albaner hinter Gitter musste, durfte Seifert zurück nach Hause. Waldschütz: „Es ist unglaublich, wie schnell man in so ein Schlamassel kommt.“ Sein Mitarbeiter war jedenfalls „fix und fertig“ gewesen. Und ist gleich noch mal nach Südtirol gefahren – in den Urlaub.

Quelle: tz

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