Papst holt Geheimbund zurück in Kirche

München/Anapolis - Die Lehren des „Engelwerks“ – einer erzkonservativen Gruppe – klingen teils wie aus einem Hollywood-Reißer. Doch die Gläubigen sind laut "Spiegel" inzwischen wieder anerkannt.

Sie glauben, dass Katzen von Dämonen besessen sind – genauso wie Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben. Sie sind überzeugt davon, dass Kinder, die einen Pfarrer nicht ansehen können, mit dem Satan im Bunde stehen: Die Lehren des „Engelwerks“ – einer erzkonservativen Gruppe – sie klingen teils wie aus einem Hollywood-Reißer. Kein Wunder also, dass die Lehren des Ordens 1992 von der vatikanischen Glaubenskongregation verboten wurden. Friedrich Kardinal Wetter verbot sogar schon 1988 jegliche Aktivität des Engelwerks im Erzbistum München und Freising. Aber: Laut Informationen des Spiegel hat der Papst diese Gläubigen seit Längerem wieder anerkannt – und den Geheimbund wieder in die Kirche aufgenommen. Ganz still und leise …

Das Engelwerk – es wurde 1949 gegründet. Die Gemeinschaft verehrt die Visionen der Tirolerin Gabriele Bitterlich, die schon im Alter von vier Jahren angeblich ihren Schutzengel sah (siehe Stichwort). Danach verfasste sie tausende Manuskripte, in denen sie festhielt, wo und besonders in wem der Teufel steckt. Nur eine persönliche Verbindung zu einem Engel mittels der „Schutzengelweihe“ und die Verbindung mit anderen Engeln verspricht ihrer Ansicht nach Rettung. Schnell folgten ihr viele Gläubige.

Die rätselhafte Gemeinschaft – jetzt ist sie also wieder in der katholischen Kirche willkommen. Merkwürdig ist, dass noch gestern beispielsweise auf der Internetseite des Bistums Trier das Engelwerk als „Sondergemeinschaft mit seltsamen Lehren und Praktiken“ bezeichnet wird. Bereits in den 1980er-Jahren begann der Vatikan, die Lehren einzuschränken, bevor er sie 1992 endgültig verbot. Der damalige Vorsitzende der vatikanischen Glaubenskongregation war übrigens der heutige Papst Benedikt XVI.

Wer das „Engelwerk“ ist, wie es funktioniert, das weiß Markus Kocher nur zu genau. Im Jahre 1987 trat er – der heute Pastor der Pfarrei St. Quirin am Tegernsee ist – in das Opus-Sanctorum-Angelorum-Institut in Anapolis (Brasilien) ein: das Zentrum der Gruppe. Danach verbrachte er mehrere Jahre in Brasilien und Rom, bevor er 2009 wieder nach Deutschland zurückkehrte. In dem Spiegel-Artikel wird mit Verwunderung darüber berichtet, dass ein Mann des „Engelwerk“ nun als „normaler“ Pastor arbeitet. Der tz erklärte Kocher: „Ich distanziere mich vom Engelwerk. Ich bin heute ein Prediger des Herzens, der Liebe und des Friedens. Den Teufel brauche ich dazu nicht.“ Er habe bereits vor zwei Jahren die Ordensgemeinschaft verlassen – aus persönlichen Gründen: „In dieser Gemeinschaft stand ich auf der Opferseite, nicht auf der Seite der Aggressoren.“ Wie er Pastor in Tegernsee wurde? Kocher ging zur Erzdiözese München und Freising. Dort erklärte er sein neues Gottesbild und seine Einstellung zu dem Orden. Er bekam einen Platz im Pfarrverband Holzkirchen, wo er fast ein Jahr arbeitete, dann ging es nach Tegernsee. Heute sagt er über den Geheimbund: „Ich will jedem helfen, weil ich den Weg weiß, dort hinauszufinden.“

Warum nimmt die Kirche diesen Geheimorden wieder auf? Ist man so verzweifelt, Mitglieder zu finden? Will die Kirche nur die Menschen zurückgewinnen – ohne ihre abstrusen und oft rassistischen Thesen? Viele Insider bezeichnen dieses Vorhaben als „schlichtweg naiv“. Ein Geheimbund bleibe „einfach immer gefährlich“.

bz

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