Flut zerstört Scharfrichterhaus

Passau: Angst um die Kabarett-Bastion

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Das Passauer Zentrum ist überflutet

Passau - Sie ist eine der wichtigsten Kabarettbühnen der Republik. Doch nach der Jahrtausend-Flut droht dem Passauer Scharfrichterhaus der Untergang.

Eigentümer Matthias Ziegler (43) schließt eine dauerhafte Schließung der Kleinkunst-Bastion an der Donau nicht aus!

Das Scharfrichter ist die Heimstätte der Großen der deutschen Kleinkunst. Das Haus in der Milchgasse entwickelte sich einst mit den jungen Passauern namens Bruno Jonas, Sigi Zimmerschied zur Keimzelle des satirischen Protests. Das Scharfrichterbeil gilt nach wie vor als Sprungbrett für Nachwuchskünstler. Hape Kerkeling war 1983 der erste Preisträger. Es folgten unter anderem Urban Priol, Andreas Giebel, Günter Grünwald, Luise Kinseher.

Spendenkonto: Förderverein Scharfrichterhaus, Konto 240 250 506, BLZ 740 500 00, Sparkasse Passau

Doch diese Bühne gibt es nicht mehr. „Es ist alles hin“, sagt Ziegler. Ihm gehört das historische Gebäude seit 2005, er hat sehr viel Geld und noch mehr Idealismus hineingesteckt. Auch den Gründern aus dem 1977, Walter Landshuter und Edgar Liegl, blutet das Herz. „Ich will nicht um Geld betteln, weil es ja nicht nur uns, sondern die ganze Stadt erwischt hat“, betont Ziegler. Fast alle Lokale und Ateliers entlang der Flüsse sind zerstört, auch das Opernhaus ist geschlossen. Die Passauer Flutbilanz führt 800 Gebäude, 5000 betroffene Bürger. Geschätzter Schaden: 30 Millionen Euro.

Großes Aufräumen in Passau

Großes Aufräumen in Passau

„12,89 Meter“, seufzt Ziegler. „Da waren die 10,81 Meter von 2002 nichts dagegen.“ 80 Zentimeter stand das Wasser im Innenhof. Man muss wissen, dass dieser über dem Lokal liegt! „Ich sage nicht, dass wir tot sind, aber ich weiß auch nicht ob und wie es weitergeht. Ich habe keine Lösung.“

Was ihm aber Mut macht, ist der unglaubliche Zusammenhalt, den die Katastrophe unter den Menschen der Region erzeugt hat. Auch wenn die Zukunft unklar ist, gibt es vor dem Scharfricherhaus am Samstag ab 17 Uhr ein Open-Air-Sommerfest aus. Als Dank für die Helfer. Und als Zeichen, dass das Leben irgendwie weitergehen muss in einer Stadt, deren Kulturlandschaft von der Flut zum großen Teil ausgelöscht worden ist.

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Der Kampf der Kabarettisten

So regieren die Kabarettgrößen auf das drohende Aus des Scharfrichterhauses:

Günter Grünwald meint: „Man sollte Himmel und Hölle – respektive eventuell nur die Hölle (der Himmel hat kein Interesse an Kleinkustbühnen) in Bewegung setzen, dass das Scharfrichterhaus weiterhin bestehen kann.“

Luise Kinseher: „Das Scharfrichterhaus darf nicht aufgeben! Zur Not spielen wir auf einem Biertragerl und das Publikum sitzt auf Plastiksessel.“

Stoiber-Double Wolfgang Krebs: „Ich setze mich dafür ein, dass ich dort weiterhin das blonde Fallbeil geben kann!“

Und Otti Fischer spielte auf die Tage an, als das Scharfrichterhaus noch das Feindbild der örtlichen CSU und des Bischofs war: „Wenn es das Haus nicht mehr geben würde, dann müsste eine gewisse Beunruhigung der Provinz am Hungertuch nagen!“

Kulturmacher Till Hofmann stellt derweil jede Menge Benefizaktionen in seiner Heimatstadt auf die Beine: Am 12. Juli spielen die Sportfreunde Stiller bei seinem Zeltfestival an der Ortspitze (ausverkauft!). Am 17. Juli verlegt er zusammen mit Bayern 2 die Sendung Vereinsheim Schwabing mit Hannes Ringel-stetter und Alfred Dorfer dorthin. Und bereits am 17. Juni ab 20 Uhr organisiert Hofmann ein Helferfest auf dem Kirchenplatz in der Innstadt mit der Combo Moop Mama. „Die Kultur ist Passau muss wieder auf die Beine kommen!“, sagt Hofmann.

Stefan Dorner

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