Neuer Co-Leiter vorgestellt

Passionsspiele: Muslim soll "mit anderem Blick draufschauen"

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Abdullah Kenan Karaca und Spielleiter Christian Stückl.

Oberammergau - Der neue Co-Leiter der Oberammergauer Passionsspiele, Abdullah Kenan Karaca, soll einen neuen Blick auf das jahrhundertealte Spektakel werfen.

„Es muss jetzt eine neue Generation reinkommen“, sagte Spielleiter Christian Stückl am Dienstag im Oberammergauer Passionstheater bei der Vorstellung seines Leitungsteams. „Natürlich wird er mit einem anderen Blick draufschauen.“

Der 26 Jahre alte Regisseur Karaca ist Muslim und stand als Kind bei den Passionsspielen im Jahr 2000 selbst in Oberammergau auf der Bühne. Sein Ziel als zweiter Spielleiter ist es, „annähernd das Gefühl zu vermitteln, das ich als Kind hatte“.

Der Oberammergauer Gemeinderat hatte Stückl und sein Team am Montagabend nach streckenweise hitziger Diskussion mit 13 zu 5 Stimmen bestätigt. „Ich bewerte das total positiv“, sagte Stückl. „Ich habe noch nie alle Stimmen des Gemeinderates bekommen.“ Als er zum ersten Mal Leiter der Passionsspiele 1990 bestimmt wurde, sei er mit 9 zu 8 Stimmen gewählt worden.

Selbsternannte Traditionalisten fürchten seit Jahrzehnten um den christlichen Kern. „Seit 1977 gibt es hier bei uns die Diskussion: „Ist das Theater oder Gottesdienst““, sagte Stückl, der das nicht verstehen kann. Solche Fragen stelle man bei der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach ja auch nicht. „Aber da gibt es im Gemeinderat immer ein paar, die meinen, es muss so bleiben wie es ist.“ Die Passion sei eine christliche Geschichte und solle das auch bleiben. „Und wir erzählen sie mit den Mitteln des Theaters.“

Dass die Personalie Karaca für vergleichsweise wenig Wirbel sorgte, habe ihn gleichzeitig überrascht und gefreut. „Ein bisschen mehr Gegenwind hatte ich schon erwartet, aber ich bin froh, dass es nicht so ist“, sagte Stückl.

Stückl geht jetzt in seine vierten Passionsspiele als Leiter. „Wir haben die Chance, die Geschichte immer wieder neu erzählen“, sagte Stückl. Wir genau sie dieses Mal aussehen soll, das wissen Stückl und Karaca noch nicht. „Das entsteht durch die Diskussion“, sagte Karaca.

dpa

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