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Mahlzeit-Patenschaften der Malteser

Leben in Armut: Wenn das Geld nicht mal für Essen reicht

Walter Riesinger und der ehemalige Fußballstar Paul Breitner sitzen am Tisch in Riesingers Wohnung
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Prominenter Besucher: Der ehemalige Fußballstar Paul Breitner (rechts) lernte Walter Riesinger durch die Mahlzeit-Patenschaften der Malteser kennen. Er organisierte ihm ein neues Schlafsofa.

Von Jahr zu Jahr kämpfen mehr Menschen in Bayern gegen die Armut. Viele müssten hungern, gäbe es nicht Hilfen wie den Menüservice der Malteser. Er bringt einmal am Tag eine warme Mahlzeit. Für einige Menschen sind die Helfer die einzigen Besucher.

  • Mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland leben in Armut
  • Mahlzeit-Paten unterstützen mit einem warmen Essen - für viele die einzige Mahlzeit am Tag
  • Ex-Fußball Paul Breitner lässt das Thema nicht los - er würde gerne mehr Menschen helfen

München – Walter Riesinger baut alle Kissen, die er besitzt, vor einer kaputten Sofaecke auf. Das Polster ist an dieser Stelle völlig kaputt, in der Sofa-Rücklehne klafft ein Loch. Auch die Sitzkissen sind lange schon durchgesessen. Der Münchner möchte nicht, dass sein Gast das sieht. Denn dieser Gast ist der ehemalige Fußballstar Paul Breitner. Er begleitet an diesem Tag die Malteser, die Riesinger täglich eine warme Mahlzeit bringen. Breitner setzt sich zu ihm, nimmt sich Zeit, hört zu. Und Riesinger verschweigt, dass er trotz seines Rückenleidens auf dem kaputten Sofa schlafen muss. „Ich habe mich geschämt“, sagt er einige Monate später. Für das Sofa, für seine Armut. Dafür, dass er manchmal am 20. eines Monats keinen Euro mehr im Geldbeutel hat.

Paul Breitner ist Schirmherr der Malteser Mahlzeitpatenschaften. Über Spendengelder werden warme Speisen an Menschen ausgegeben, die an Armut leiden. Einige davon wollte Breitner persönlich kennenlernen. Erst nach dem Besuch bei Walter Riesinger erzählte ihm der Helfer von dem kaputten Sofa. Breitner ist gut vernetzt – und hatte kurz darauf ein neues Sofa für den 56-jährigen Münchner aufgetrieben. Als er ihn danach erneut besuchte, hat er Riesinger kaum wieder erkannt. „Es ist unvorstellbar, wie viel Freude ein Sofa auslösen kann“, sagt er.

Riesinger kann seitdem nachts wieder schlafen. Das wirkt sich auch auf seine vielen körperlichen Beschwerden aus, wegen denen er vor vielen Jahren seinen Beruf als Elektriker aufgeben musste. Seit er in Frührente ist, reicht das Geld nicht mehr. Nicht einmal für Alltägliches. Anschaffungen wie ein neues Sofa wären für ihn undenkbar.

Die wenigsten Bedürftigen sind Drückeberger.

Paul Breitner

So wie Walter Riesinger geht es mehr als 13 Millionen Menschen in Deutschland. In Bayern sind zehn Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen von Armut betroffen. Allein die Malteser versorgen im Großraum München aktuell rund 250 Bedürftige mit warmen Mahlzeiten. Tendenz steigend, berichtet Alfred Mattes, der seit 15 Jahren die Essensspenden ausfährt. „Und vermutlich gibt es noch deutlich mehr, die nicht von dem Angebot wissen oder sich zu sehr schämen, um es anzunehmen.“ Versorgt werden Menschen, die körperlich nicht in der Lage sind, bei den Tafeln um Essensspenden zu bitten. Die Armut ist in den meisten Fällen kombiniert mit Einsamkeit, berichtet Mattes. „Kaum jemand von unseren Kunden hat Familie oder Freunde, die helfen könnten.“ Manchmal sind die Malteser die einzigen Besucher überhaupt. Mattes weiß das. Deshalb versucht er sich für jeden etwas Zeit zu nehmen. Er weiß, dass die kurzen Gespräche für viele Bedürftige genauso wertvoll sind, wie die warmen Mahlzeiten. „Die Schicksale ähneln sich“, sagt er. Viele der Menschen, die auf die Essenspenden angewiesen sind, sind alleinstehende Frauen, deren Rente nicht reicht. Bei vielen kommen noch schwere körperliche Probleme hinzu. Mattes besucht einen Mann regelmäßig, der den ganzen Tag allein im Bett liegt. „Es tut mir in der Seele weh, so etwas zu sehen“, sagt er. Trotzdem musste er lernen, diese Begegnungen nicht zu nah an sich heranzulassen. Anders könnte er seinen Job nicht machen.

Bei Paul Breitner ist es eher andersrum: Ihn lässt das Thema Altersarmut nicht mehr los, seit er mit seinem Engagement begonnen hat. Vor allem in reichen Städten wie München werde das Leben immer teurer, betont er. Und immer mehr Menschen würden sich das künftig nicht mehr leisten können. Die Pandemie werde die Situation für viele noch weiter verschlechtern. „Die Mahlzeitpatenschaften könnte es locker für zwei- oder dreimal so viele Menschen geben, wenn genug Spendengelder da wären“, sagt er.

Geschichten wie die von Walter Riesinger lassen Breitner nicht los. „Die wenigsten Bedürftigen sind Drückeberger“, sagt er. „Fast immer stecken schwere Schicksale hinter der Armut.“ Die Begegnungen, die er durch seine Schirmherrschaft erlebt hat, „holen einen sauber runter“, sagt er. Und sie machen nachdenklich. Breitner sagt: „Es würde vielen gut tun, das Leben einmal von ganz unten zu sehen.“

Essensspenden erhalten oder Pate werden:

Eine Mahlzeit-Patenschaft beantrangen kann grundsätzlich jeder, der über 75 Jahre alt ist oder aufgrund von Krankheit oder Behinderung beeinträchtigt. Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Der Antragsteller bezieht Sozialhilfe oder Grundsicherung, hat einen Berechtigungsschein der Tafel oder eine Sozialcard, oder nach Abzug der Miete bleiben ihm weniger als 550 Euro monatlich zum Leben. Weitere Informationen gibt es beim Malteser Hilfsdienst (Telefon 089/8580800 oder www.mahlzeitpatenschaften.de). Auch Pate zu werden ist sehr einfach. Wer spenden möchte, kann einen beliebigen Betrag unter dem Stichwort „Mahlzeitpatenschaft“ und dem gewünschten Ort überweisen. Empfänger: Malteser Hilfsdienst e.V., IBAN: DE 153 7060 120 120 121 3017.

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