Penzberger landet beinahe im Knast

Haftbefehl wegen Fünf-Euro-Strafzettel

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Ein Strafzettel kann zum Ticket in den Knast werden.

Penzberg - Wer sich einen Fünf-Euro-Straf­zettel einfängt, der hat nichts wirklich Böses getan. Und doch ist es möglich, dass aus klein groß wird, fünf Euro gar in die Zelle führen könnten.

Wer sich einen Fünf-Euro-Straf­zettel einfängt, der hat nichts wirklich Böses getan. Parkzeitüberschreitungen werden so bestraft, fehlende Parkscheiben. Und doch ist es möglich, dass aus klein groß wird, fünf Euro gar in die Zelle führen könnten. Und das geht so: geflissentlich jeden Kontakt mit den Behörden verweigern, weder schreiben noch anrufen – wie es halt ein 30-Jähriger aus Penzberg (Kreis Weilheim-Schongau) gemacht hat, der vor fast zwei Jahren fünf Euro hätte zahlen müssen und dem deswegen vergangene Woche am Flughafen ein unfreundliches Schreiben unter die Nase gerieben wurde: ein Haftbefehl! Den hatte das Amtsgericht in Viechtach erlassen, wo die Zentrale Bußgeldstelle ihre Heimat hat.

Dennoch: Ein Haftbefehl wegen fünf Euro, wie überzogen ist das denn? Da muss Gerichtssprecher Hans-Gerd Ennser ausholen. „Es hört sich in der Tat so an: Da lässt jemand wegen fünf Euro ganz schön die Muskeln spielen.“ Doch solche Fälle hätten eine Vorgeschichte: Strafzettel in dieser Höhe werden erstmal gerne ignoriert. Es beginnt der Verfahrensweg. Zahlungsaufforderung, später Bußgeldbescheid, in den eine Bearbeitungsgebühr eingerechnet wird. Wer immer noch nicht reagiert, bekommt es mit Vollstreckungsbeamten zu tun. „Die klingeln in der Regel öfters an der Tür“, berichtet Ennser. Wenn keiner aufmacht, geht’s weiter.

Nach Prüfung des Falles beim Polizeiverwaltungsamt landet der Fall irgendwann beim Amtsgericht. Doch auch dort sitzen keine herzlosen Maschinen. Ennser: „Wir versuchen, in Kontakt mit den Betreffenden zu kommen, postalisch und auch telefonisch.“ Zu 50 Prozent seien die Leute unbekannt verzogen, das Verfahren wird dann eingestellt. Die anderen 50 Prozent wollen oder können nicht zahlen oder hielten sich für unschuldig. Auch hier wird Rücksprache gehalten und per Einzelfall entschieden.

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Doch wer überhaupt nicht reagiert, der wird zu einem Tag Erzwingungshaft verurteilt. Ennser: „Zu jedem Zeitpunkt lässt sich die Haft abwenden, indem man die fünf Euro irgendwie zahlt.“ Schließlich wird der Mann, wenn er sich nicht stellt, sogar zur Fahndung ausgeschrieben. Erwischt hat es den Penzberger schließlich am Airport bei der Einreise. Anstandlos beglich er dort den Zettel, inklusive der Verfahrenskosten in Höhe von 32 Euro.

mc

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