Dramatische Lage

Neun Corona-Tote: Uniklinik Würzburg nimmt Pflegeheim in Schutz - Verantwortliche gehen an Öffentlichkeit

In einem Pflegeheim in Würzburg sind neun Bewohner am Coronavirus gestorben. Viele weitere Menschen sind infiziert. Jetzt äußern sich die Verantwortlichen.

Update 9.44 Uhr: Am heutigen Mittwoch äußern sich die Verantwortlichen zu den neun Todesfällen in einem Würzburger Seniorenheim. Alle Informationen dazu lesen Sie hier.

Update vom 25. März, 7.35 Uhr: Nach neun Todesfällen bei Heimbewohnern aus einer Würzburger Senioreneinrichtung, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind, gehen die Verantwortlichen am Mittwoch (9.30 Uhr) an die Öffentlichkeit. Neben dem ärztlichen Direktor des Würzburger Universitätsklinikums, Professor Georg Ertl, werden unter anderem auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) und Landrat Eberhard Nuß (CSU) Stellung beziehen.

In den vergangenen Wochen waren neun Menschen aus der Senioreneinrichtung nach Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-19 gestorben. Am Montag lagen noch fünf positiv auf das Virus getestete Heimbewohner auf einer Infektionsstation des Universitätsklinikums Würzburg. Insgesamt wurden dort am Montag elf Patienten mit Covid-19 betreut, fünf davon auf der Intensivstation.

Neun Corona-Tote in Würzburger Pflegeheim: Keine Hinweise auf Straftat

Update, 12.18 Uhr: Nach dem Tod von neun Menschen aus einem Würzburger Pflegeheim durch eine Coronavirus-Infektion gibt es bisher keine Hinweise auf eine Straftat. „Es gibt aktuell keinen Grund, Ermittlungen zu führen“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Unterfranken. Man sei mit der betroffenen Pflegeeinrichtung aber weiter in Kontakt - dies sei üblich, wenn Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung sterben.

Auch die Staatsanwaltschaft Würzburg ist bislang in keinen durch das Virus verursachten Todesfall in ihrem Zuständigkeitsbereich eingebunden. „Nach hiesiger Kenntnis handelt es sich um Todesfälle aus medizinischer Ursache“, teilten die Behördensprecher mit. Anhaltspunkte für strafbares Verhalten Dritter oder Anzeigen gebe es bisher nicht.

Neun Corona-Tote: Uniklinik Würzburg nimmt Pflegeheim in Schutz - Auch Heim in Dachau betroffen

Update 23. März, 11.43 Uhr: Auch in einem Dachauer Pflegeheim ist das Coronavirus nun nachgewiesen worden. Eine 24-jährige Pflegekraft wurde positiv auf das Virus getestet. Nun werden weitere Tests durchgeführt. Das Pflegeheim reagierte umgehend.

Neun Corona-Tote: Uniklinik Würzburg nimmt Pflegeheim in Schutz

Update, 10.37 Uhr: Das Universitätsklinikum Würzburg hat das Pflegeheim in Schutz genommen, in dem neun Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben sind. „Die Infektionswelle hat die Altenpflegeeinrichtung getroffen, als Covid-19 in Deutschland noch eine Rarität war“, heißt es in einer Mitteilung vom Samstagabend. Alle hygienisch notwendigen Maßnahmen würden ergriffen - „aber natürlich ist der Kampf der Ärzte und des Pflegepersonals gegen die Krankheit in einem Pflegeheim noch weitaus schwieriger als in den rund um die Uhr mit ärztlichem und pflegerischem Fachpersonal für Infektionskrankheiten ausgestatteten Kliniken“.

Coronavirus in Würzburger Pflegeheim: Tochter des ersten Opfers äußert Verdacht

Update 22. März, 8.13 Uhr: Nach dem Tod von neun Bewohnern des Würzburger Seniorenheims St. Nikolaus in Folge ihrer Erkrankung mit Covid-19 ist noch immer unklar, wie das neuartige Coronavirus, dessen Infektion die Krankheit auslöst, in das Pflegeheim gelangen konnte.

Coronavirus Würzburg: Ansteckung im Krankenhaus?

Das erste Opfer erlag demnach bereits am 12. März der teils tödlich verlaufenden Lungenkrankheit. Es handelt sich um einen 83-Jährigen, der seit fünf Jahren in dem Heim lebte, wie Bild berichtet. Dessen Tochter glaubt, dass ihr Vater das Virus in das Heim gebracht haben könnte. 

So soll sich der 83-Jährige Anfang März im Krankenhaus befunden haben. Seine Tochter vermutet, dass er sich dort infiziert haben könnte. Zumindest wurde er nach seiner Rückkehr positiv getestet. Bereits am nächsten Tag wurde das Virus bei einem Mitpatienten entdeckt.

Coronavirus Würzburg: Über 30 Infizierte im Pflegeheim

Neben den neun bereits verstorbenen Patienten gelten derzeit 15 weitere als infiziert, auch bei 23 Pflegern wurde das Virus nachgewiesen, 50 weitere sind in häuslicher Quarantäne. Fünf der 15 infizierten Bewohner werden aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufs derzeit im Uniklinikum Würzburg behandelt. Die anderen zehn werden im Pflegeheim auf ihren Zimmern isoliert und umsichtig betreut. Mittlerweile wurden alle Bewohner und Mitarbeiter des Heims auf das Coronavirus getestet.

Besuche im Heim sind mittlerweile strengstens untersagt. Auch alle Behandlungen und Gruppenveranstaltungen wurden abgesagt. Die alten Menschen in dem Heim sind einsam dieser Tage. Doch es gilt zu ihrem eigenen Schutz. Eine Evakuierung des Heims sei derzeit aber nicht geplant.

Coronavirus Würzburg: Beerdigung nur unter  Auflagen möglich

Die Hinterlassenschaften der Toten werden derzeit nicht angefasst, berichtet die Tochter des ersten Opfers. Man sei noch nicht entschieden, wie man damit umgehen solle. Die Kleidung der Toten lande im Müll. Auch die Beerdigung müsse unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden.

Erstmeldung vom 20. März 2020

Würzburg - Fast die Hälfte der Coronavirus-Todesfälle in Bayern betreffen Bewohner eines Würzburger Pflegeheims. Nach Infektionen mit dem neuartigen Virus sind dort neun Menschen gestorben, wie ein Sprecher des Landesamts für Gesundheit (LGL) am Freitag auf Anfrage sagte.

Corona in Pflegeheim: Alle Verstorbenen über 80 Jahre alt

Die Leiterin der Würzburger Altenpflegeeinrichtung sagte der Deutschen Presse-Agentur, alle Verstorbenen hätten Vorerkrankungen gehabt und seien über 80 Jahre alt gewesen.

Von den 160 Bewohnern lägen derzeit fünf mit einer Covid-19-Erkrankung* in Würzburger Kliniken, weitere zehn seien positiv auf das Virus getestet und würden isoliert in ihren Zimmern im Heim versorgt. Hinzu kämen 23 Pflegekräfte mit ebenfalls positivem Test. Diese befänden sich in Quarantäne zu Hause.

Corona in Würzburg: Neun Tote, infiziertes Personal in Quarantäne

Seit dem ersten Todesfall gelten in dem Heim laut dem Landesamt besondere Schutzvorkehrungen. So gelte seit 12. März ein striktes Besuchsverbot. Die Bewohner würden isoliert und dürften ihre Zimmer nicht verlassen. Die Patientenräume würden von Pflegekräften nur in Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken betreten.

Auch Reinigungskräfte trügen Schutzkleidung*. Weil infiziertes Personal vorübergehend in Quarantäne zu Hause bleiben müsse, würden Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen des Heimträgers in dem Haus eingesetzt, sagte die Heimleiterin. Wie das Virus in die Einrichtung gekommen ist, lasse sich nicht mehr nachvollziehen.

Coronavirus in Würzburg: Schon 166 Personen positiv getestet

Eine Evakuierung des Heims ist nach Angaben des Landesamts derzeit „aus fachlichen Gründen nicht angezeigt“.

Nach Angaben des Würzburger Gesundheitsamts waren bis Freitag insgesamt 166 Personen in Stadt und Land Würzburg positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Derzeit stünden 716 Personen unter häuslicher Quarantäne*. Vor einem Treffen von Kanzlerin Merkel (CDU) und den Länderchefs zu möglichen bundesweiten Ausgangssperren indes gibt eine Forscher-Gruppe eine klare Empfehlung ab.

Der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Würzburg, Georg Ertl, sagte, für die Testung und Behandlung von Corona-Patienten der Region seien zusätzliche Kapazitäten geschaffen worden. Im Bedarfsfall könnten 75 Beatmungsplätze eingerichtet werden. Alle medizinisch nicht zwingenden Operationen und Eingriffe würden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Insgesamt gab es bis Freitag im Freistaat 20 Todesfälle nach Corona-Erkrankungen. Wie das LGL auf seiner Internetseite veröffentlichte, sind in Bayern bis Freitag mindestens 3107 Menschen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden.

Ein erst 54-jähriger Musiker aus dem Kreis Rosenheim verstarb ebenfalls an den Folgen des Coronavirus*. Er starb einsam in einer Klinik. 

dpa

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Rubriklistenbild: © dpa / Christoph Schmidt

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