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Eklat um Pizzeria-Gebäude: So viel Dreistigkeit sorgt für Kopfschütteln

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Von: Gabi Werner

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So nicht! Mit Empörung hat der Wiesseer Gemeinderat auf die Bautätigkeiten reagiert, die der neue Besitzers des Gebäudes an der Münchner Straße 31 vorgenommen hat. Keine der Maßnahmen war genehmigt.

Bad Wiessee – So viel Dreistigkeit sorgte im Wiesseer Gemeinderat für allgemeines Kopfschütteln: Der neue Eigentümer des Gebäudes, in dem bislang die Pizzeria Rusticale untergebracht ist, hat das Lokal kurzerhand um einen verglasten Anbau erweitert. „Das hat der blitzschnell durchgezogen“, informierte Bauamtsleiter Helmut Köckeis den Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung. Darüber hinaus hat der Besitzer, ein Unternehmen aus München, einen neuen Treppenabgang zur bestehenden Bar im Untergeschoss geschaffen, um einen weiteren Barbereich einrichten zu können. Auch das ohne Genehmigung, wie Köckeis berichtete. Und in seiner gewohnt trockenen Art fügte der Bauamtsleiter hinzu: „Die sind da relativ forsch zugange.“

Mittlerweile hat das Landratsamt Miesbach den Bau eingestellt, und der Gemeinderat hatte sich nun doch noch mit einem offiziellen Bauantrag zu beschäftigen. Dass dieser keine Chance auf Genehmigung habe, machte Köckeis deutlich.

Das liegt vor allem an den Stellplätzen. Durch die Erweiterung mit dem Glasanbau seien für das Gebäude nunmehr 26 statt bisher 21 Stellplätze nötig. Nachweisen könne der Eigentümer allerdings nur ganze 19. „Es fehlen also mindestens sieben Stellplätze“, bilanzierte der Bauamtsleiter. Hinzu kommen gestalterische Defizite. Die Gemeinde sei nicht bereit, das „Dachgestaltungs-Wirrwarr“ zu akzeptieren, hieß es später im Beschluss. Das Pultdach des verglasten Anbaus sei unzulässig.

Ehe der Gemeinderat den Antrag also mit 14:0 ablehnte, machten die Gremiums-Mitglieder noch ihrem Unmut über den forschen Immobilien-Eigentümer Luft. „Das ist ein Vorgehen, das man so nicht akzeptieren kann“, erklärte Bernd Kuntze-Fechner (SPD) und fügte mit Blick auf mögliche künftige Nutzungen des Gebäudes hinzu: „Wir schaffen uns da nur ein neues Problemeck.“

Noch drastischer formulierte es Markus Trinkl (Wiesseer Block). „Es ist eine Unverschämtheit, wie hier mit unserem Ort umgegangen wird“, zürnte Trinkl. Er habe „keinen Bock auf solche Immobilien-Cowboys“. Ein Bild, das Klaudia Martini nur zu gerne aufnahm: „Wir sind hier ja nicht im Wilden Westen“, sagte sie. Die SPD-Gemeinderätin bat darum, gegenüber dem Landratsamt zu verdeutlichen, dass eine möglichst schnelle Beseitigungsanordnung gewünscht werde. Diese Anmerkung nahm Köckeis noch in den Beschluss mit auf.

Dass die neuen Eigentümer des Gebäudes ihre Interessen recht rigoros durchsetzen möchten, zeigt noch eine andere Tatsache. Wie Köckeis zu berichten wusste, hätten die Besitzer den Pächtern der Pizzeria, die das Lokal seit zwölf Jahren betreiben, fristlos gekündigt. Die würden sich nun wehren, schließlich hätten sie ja einen bestehenden Pachtvertrag, erklärte Köckeis. „Hier gibt es also auch auf privater Ebene ein Scharmützel.“

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