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Plante Andreas einen Amoklauf?

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Vom Tatort, dem Haus seiner Eltern in Repperndorf, fuhr Andreas auf die Autobahn, wo er als Geisterfahrer voll in einen Lastwagen raste. © dpa

Kitzingen - Was ging bloß in Andreas D. (17) vor, als er in der Nacht zum Dienstag seine Eltern im alten Steinhaus am Repperndorfer Marktplatz erschlug und dann als Geisterfahrer auf der A7 Selbstmord verübte?

 Er war offenbar getrieben vom Hass – auf seine Eltern und alles Fremde … Bei der Durchsuchung seiner Räume am Tatort entdeckten die Kripo-Beamten an die Wand geschmierte Hakenkreuze und eine Reichskriegsflagge. Im Fahrzeug seines Vaters, einem Audi 100, mit dem er am frühen Dienstagmorgen als Geisterfahrer einen Laster auf der Autobahn in der Nähe von Kitzingen rammte, wurden Messer, Beil und Schraubenzieher sichergestellt. In seinem Zimmer lag die Tatwaffe, mit der er seinen Eltern Erika (50) und Martin (59) die Schädel zertrümmerte – offenbar ein Beil!

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Die Bewaffnung von Andreas S. und seine Gesinnung – sie sprechen dafür, dass der Jugendliche einen Amoklauf plante. Warum sonst fuhr er nach dem Doppelmord erst nach Kitzingen, wo eine Polizeistreife auf ihn aufmerksam wurde, und dann erst mit Vollgas auf die A7 – direkt am Tatort, seiner elterlichen Wohnung, vorbei? Am Mittwoch wurde bekannt: Der Täter plante bereits 2007 einen Amoklauf an seiner Schule. Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt: „Bereits im November 2007 hatte der damals 14-Jährige Mitschüler gebeten, ihm ein Messer zu besorgen. Die Schulleitung, die die ausgesprochenen Bedrohungen ernst nahm, hatte damals die Polizei verständigt, die den Schüler in der Schule abholte.“ Seitdem stand Andreas D. unter Beobachtung des Jugendamtes.

Erst im vergangenen Juni musste sich der 17-Jährige überdies vorm Amtsgericht Kitzingen wegen Sachbeschädigung verantworten: Er hatte das Auto eines Familienvaters zertrümmert. Motiv: Angeblich war Andreas D. wütend, weil dessen Tochter, eine Kindergartenbekanntschaft, seine Liebe nicht erwiderte. Immer wieder hatte der Realschüler sich selbst nicht unter Kontrolle: Erst im März rannte seine Mutter leicht bekleidet durch strömenden Regen zu Nachbar Peter M. (57) und klingelte Sturm bei ihm: „Der Andreas geht auf seinen Vater und mich los, ruf die Polizei!“

Der Nachbar, dem der ständige Streit in dem nach außen streng gläubigen Haushalt nicht verborgen geblieben war, zeigte nur zum Telefon: „Die musst du schon selbst rufen.“ Für die Repperndorfer indes war die Eskalation des Familien-Konflikts keine Überraschung mehr: „So hat es mal kommen müssen.“

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