Antworten auf die neuen Entwicklungen

Paukenschlag: Platzt der Prozess um den WM-Mord?

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Sitzt wegen Mordes und versuchten Mordes auf der Anklagebank: Ex-Soldat Christoph R.

München - Der Prozess um den Mord von Bad Reichenhall während der Weltmeisterschaft 2014 hat am Donnerstag eine überraschende Wendung genommen. Die wichtigsten Antworten auf die neuen Entwicklungen.

Im Prozess um den WM-Mord von Bad Reichenhall sollte der Donnerstag der Tag der Plädoyers werden. Doch die Anwälte von Nebenklägerin Sarah sorgten mit einem Paukenschlag dafür, dass der gesamte Ablauf ins Wanken geriet und Vorsitzender Richter Klaus Weidmann sogar befürchtet, dass der Prozess platzt.

Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen zu den neuen Entwicklungen:

Was stand in dem Antrag, der am Donnerstag eingereicht wurde?

Die Anwälte von Sarah, die in dem Prozess als Nebenklägerin auftritt, stellten den Antrag, dass Christoph R., der zur Tatzeit 20 Jahre alt war, nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird.

Warum sollte Christoph R. nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden?

Das Gericht hat die Möglichkeit, einen 18- bis 21-jährigen Angeklagten nach dem Jugendstrafrecht zu verurteilen, wenn es der Meinung ist, dass sich der Täter zum Tatzeitpunkt im Stadium zwischen Kindheit und Erwachsenenalter befindet.

Welche Konsequenzen hat das für die Strafe?

Als Jugendlicher kann er wegen Mordes zu maximal zehn Jahren Gefängnis verurteilt werden, bei besonderer Schwere der Schuld bis zu 15 Jahre. Als Erwachsener droht ihm lebenslänglich.

Wann wurde der Antrag gestellt?

Richter Klaus Weidmann erhielt ihn per Fax etwa eine halbe Stunde vor Verhandlungsbeginn am Donnerstag.

Hat der Vorsitzende Richter Stellung zu dem Antrag genommen?

Er sagte, dass es das Recht der Nebenklage sei, diesen Antrag zu stellen. Weil es jedoch mehrere Wochen dauern kann, bis ein neues Gutachten erstellt ist, sieht er aber auch das gesamte Verfahren in Frage gestellt.

Wie begründen die Anwälte ihren Antrag?

Nach ihrer Überzeugung besitzt der mutmaßliche Mörder keine sogenannte Reifeverzögerung. Er sei eine gefestigte Persönlichkeit und werde sich charakterlich nicht mehr ändern. Die Frage, ob Christoph R. noch reift, sei durch die Gutachter nicht ausreichend geklärt worden.

Was tut nun das Gericht?

Die Jugendkammer des Landgerichts Traunstein entschied, einen bereits im Prozess gehörten Psychiater noch einmal zu befragen und eine Expertin der Jugendgerichtshilfe erneut anzuhören.

Was sagt die Verteidigung von Christoph R.?

Der Anwalt erklärte, sein Mandant werde sich nicht erneut psychiatrisch begutachten lassen.

Hat Christoph R. auf diesen Antrag reagiert?

Auf die Frage des Richters, ob er sich erneut begutachten lassen wolle, antwortete er mit einem klaren nein – dies war übrigens seine erste Aussage in dem Prozess.

Wie geht es jetzt mit dem Prozess weiter? 

Der nächste Verhandlungstag ist am Mittwoch, 6. Mai. Ein weiterer Verhandlungstag ist für den 20. Mai angesetzt.

vp

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