Landtag zu Bad Aibling

Politiker zum Zugunglück: Bahnpersonal soll besser kommunizieren

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Auch Abgeordnete des Bayerischen Landtags sahen sich die Unglücksstelle in Bad Aibling an. Jetzt beraten die Politiker über Konsequenzen.

Bad Aibling/München - Im Landtag wurde die Ursache des Zugunglücks von Bad Aibling diskutiert. Die Politiker fordern bessere Absprachen des Bahnpersonals.

Nach dem Zugunglück haben Abgeordnete von CSU und Opposition im Bayerischen Landtag übereinstimmend bessere Absprachen des Bahnpersonals gefordert. Gleichzeitig warnten sie aber vor voreiligen Konsequenzen nach der Katastrophe. Uneins waren CSU-Vertreter im Verkehrsausschuss des Landtags bei der Frage, ob der Mensch in die Sicherungssysteme der Bahn eingreifen dürfe. 

Haderthauer: Unsägliche Sicherungssysteme

Eberhard Rotter nannte es „eine gute und sinnvolle Sache“, dass Fahrdienstleiter automatische Bremssysteme mit Sondersignalen ausschalten können. Allenfalls könne über bessere Absprachen zwischen Stellwerk und Lokführern in solchen Situationen nachgedacht werden. Anders seine Fraktionskollegin Christine Haderthauer: Sie nannte es „unsäglich, dass wir Sicherungssysteme haben, die durch fahrlässiges Handeln außer Kraft gesetzt werden können“. Die Politik müsse sicherstellen, dass aus Fahrlässigkeit ein derartiges Unglück nicht mehr passieren kann. 

Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt wegen fahrlässiger Tötung gegen den Fahrdienstleiter von Bad Aibling. Der 39-Jährige soll mit einem Sondersignal einen verspäteten Zug auf die eingleisige Strecke geschickt haben, obwohl er dies nach Überzeugung der Ermittler nicht hätte tun dürfen. Thorsten Glauber von den Freien Wählern forderte ebenfalls Sicherungssysteme, die ein Fehlverhalten von Menschen ausschließen. Zudem brachte er eine Art Radarsystem auf eingleisigen Strecken ins Spiel, das aufeinanderzufahrende Züge stoppen könne. 

Huber: Menschen fragen sich zu recht, wie es um die Sicherheit steht

Auch Bernhard Roos (SPD) sprach sich für eine bessere Kommunikation bei Abweichungen vom Regelwerk der Bahn aus. Markus Ganserer (Grüne) warf die Frage auf, ob die Arbeitsbedingungen des Personals mit einer hohen Verantwortung für die Sicherheit von Menschen ideal sind. Hans-Peter Böhner vom bayerischen Verkehrsministerium wandte jedoch ein, dass ein solches System nur in europäischer Abstimmung möglich sei. 

Zu Beginn der Sitzung hatte der Ausschussvorsitzende Erwin Huber (CSU) gesagt, das die Menschen sich nach dem Unglück von Bad Aibling zu recht fragten, wie es um die Sicherheit des Bahnverkehrs vor allem auf eingleisigen Strecken stehe. Die Hälfte der rund 6000 Bahnkilometer in Bayern ist eingleisig. 

Rosenbusch: Empört über Neugierige nach dem Zugunglück

Bahnvertreter kritisierten, dass die Namenslisten mit den Opfern des Unglücks von den Behörden erst Tage nach dem Unglück zur Verfügung gestellt worden seien. Die rasche Kontaktaufnahme mit den Hinterbliebenen und Verletzten sei dadurch erschwert worden, sagten sowohl Klaus-Dieter Josel von der Deutschen Bahn (DB) als auch der Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), Bernd Rosenbusch. Die BOB betreibt die Linie zwischen Holzkirchen und Rosenheim. 

Rosenbusch zeigte sich zudem empört, dass Neugierige nach dem Unglück sogar versucht hätten, in die total demolierten Züge zu klettern. Am Wochenende will die BOB den Zugbetrieb auf der Strecke wieder aufnehmen. Die Lokführer würden an den ersten Tagen von Kollegen begleitet. Auch in den Zügen selbst sollen Fahrgastbetreuer mitfahren.


dpa

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