Ein Hit im Netz

Dieser Polizist schreibt die lustigsten Berichte

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Hannes Schneider ist Chef der Altöttinger Polizei und ein wahrer Poet.

Altötting - Hannes Schneider ist Chef der Altöttinger Polizei. Meistens muss er streng sein, das bringt der Beruf mit sich. Aber er hat auch eine andere Seite. Seine Polizeimeldungen sind zum Tränenlachen komisch.

Der Wallfahrtsort Altötting ist für zwei Dinge bekannt: für die Liebe zur Muttergottes. Und für seine humorbegabten Söhne. Der Volksschauspieler und -sänger Ferdl Weiß kommt hier her. Und auch der unübertroffene Gerhard Polt. Aber die Altöttinger haben noch einen – bisher eher unentdeckten – Humorspezialisten, der einem die Lachtränen in die Augen jagt: Polizeirat Hannes Schneider, 55. Der Mann, der Bayerns lustigste Polizeiberichte schreibt.

Schneider ist echter Polizist, kein Kabarettist, Komiker oder so was, aber ein paar mal im Jahr schlägt er zu. Dann schreibt er Polizeimeldungen mit dem Titel „Kuh Nr. 638“, „Nikolaus fährt Chopper“ oder „Arbeiter von Ameise eingeklemmt“. „Ein augenzwinkerndes Hoppala“ nennt Schneider diese Art von Kriminalberichten. „Die Kollegen“, sagt er, „freuen sich immer sehr.“ Weil es zeigt, dass man die Polizeiarbeit auch so darstellen kann. Mit einem Augenzwinkern. Das geht natürlich nicht bei Mord, Totschlag und tragisches Verkehrsunfällen, aber manche Dinge aus dem Polizeialltag sind so kurios, da hilft manchmal nur eine Portion Humor. Schneider hat schon über kuriose Kuh-Attacken geschrieben, über schmerzhafte Schlägereien (Texte unten) und auch über einen Geistlichen im Ruhestand, der Polizei und Rettungsdienst aufgeschreckt hat. Der Geistliche hatte aus Versehen seinen digitalen Hausnotruf betätigt. „Zur Erleichterung aller konnte Hochwürden wohlbehalten in seinen vier Wänden angetroffen und ihm das regelrechte Funktionieren des Alarmgebers zur allseitigen Zufriedenheit bestätigt werden“, heißt es im dazu passenden Polizeibericht. „Auf eine Kostenerstattung für den Fehlalarm wurde unter Bezug auf Psalm 121 verzichtet, denn auch für Rettungsdienst und Polizei galt in diesem Fall, dass ,unsere Hilfe im Namen des Herren‘ ist!“

Auch kleinere Arbeitsunfälle sind ein gefundenes Fressen für Dienststellenleiter Schneider. „Emsigkeit und Tragkraft eines weitverbreiteten Insektes“, schreibt er, „brachte den Hersteller eines motorisierten Gabelhubwagens vermutlich auf die Idee, diesem den Namen ,Ameise‘ zu geben.“ Eben eine solche Last-Ameise, heißt es weiter, geriet in einer Altöttinger Betriebsstätte außer Kontrolle. „Auf leicht abschüssiger Strecke setzte sie zum Überholen ihres 65-jährigen Lenkers an und klemmte diesen zwischen sich und einem Lkw ein.“ Ein Glück: Der Arbeiter erlitt nur leichte Blessuren. „Keine Erkenntnisse liegen bei der Polizeiinspektion Altötting über Vergleichsfälle vor, bei denen beispielsweise ein Fleisch-Wolf oder gar eine Krokodil-Klemme dynamisches Eigenleben entwickelt haben.“ Das ist der typische Humor von Polizeichef Schneider. Nie bösartig, sachlich, aber immer mit einer einem gescheiten Schuss Ironie.

Demnächst beginnen wieder die Fußwallfahrten nach Altötting. Hochbetrieb für die Polizeiinspektion, Verkehrsumleitungen, Straßensperren, solche Sachen. Bestimmt fällt dann auch wieder eine polizeimeldungstaugliche Geschichte für Schneider an. Hoffentlich nix Schlimmes, ja nicht, aber passieren, man darf ja noch träumen, sollte schon was.

Stefan Sessler

Ein "Best of" der Schneiderschen Werke

Die Polizeiberichte des Altöttinger Polizei-Chefs haben es mittlerweile auch zum kleinen Hit bei Facebook und Twitter geschafft. Die Fotos von den Polizeiberichten werden gerne geteilt und retweetet.  

Hier das "Best of" in Textform.

Pressemeldung der PI Altötting: „Ringkampf schlagartig beendet“  

Ob sie die Warnung vor starken Getränken kannten, die der Bibliothekar Johann Wilhelm Petersen 1782 in seiner „Geschichte der deutschen Nationalneigung zum Trunke“ ausgesprochen hat, ist nicht bekannt. Ihre Wirkung bei Genuss im Übermaß, dass sie „Blut und die Lebensgeister heftig umhertreiben“ und „die Ideen plötzlich und unlenkbar kommen und gehen lassen“ bestätigten zwei Zecher Anfang August auf einem Sportgelände jedoch in augenfälliger Weise.

Das gemütliche Beisammensein im Rahmen einer Geburtstagsfeier beflügelt die 44 und 41 Jahre alten Arbeiter derart, dass sie sich ein immer heftiger werdendes Wortgefecht lieferten, wer im Hinblick auf den Anderen zu Besserem fähig wäre. Von der Bar der Sportgaststätte erfolgt dann gegen 4:30 Uhr eine Verlagerung des verbalen Duelles auf den angrenzenden Sportplatz, um bei einem Ringkampf nun handfest den Matadoren festzustellen. Die Konfrontation von Angesicht zu Angesicht in Ringerpose dauerte jedoch nicht lange, weil der Ältere seinen Kontrahenten mit einem Kinnhaken - weder Griechisch-Römisch noch Freistill - schlagartig und überraschend außer Gefecht setzte. Vier Stiche im Kreisklinikum waren nötig, um eine ca. fünf Zentimeter lange Platzwunde am lädierten Unterkiefer wieder zu schließen. Auch wenn hier anscheinend der „Gschwindere der Gsündere“ war, wird gegen ihn nun Strafanzeige wegen des Verdachtes der vorsätzlichen Körperverletzung erstattet. Hannes Schneider, PI Altötting

Landkreis Altötting: Kuh Nr. 638 

Dem Schreiber dieses Polizeiberichts ist noch aus seiner Jugend Mitte der sechziger Jahre geläufig, dass damals landwirtschaftliches Großvieh weiland im Besitz eines veritablen Eigennamens war. So kann er sich erinnern, dass am Burghauser Bergerhof beispielsweise an eine Milchkuh der Platzwechsel im Stall mit den freundlichen Worten „Flora, steh um!“ - akzentuiert mit leichtem Ellenbogendruck in die Seite - erfolgreich adressiert werden konnte.

Auch ist uns allen noch das freiheitsliebende Nutztier geläufig, das im Nachbarlandkreis seine bovine Individualität ausleben wollte und dazu mit dem wohlklingenden und medienwirksamen Vornamen „Yvonne“ - wahlweise auch „Angie“ oder „Bambi“ - versehen, über Monate in die Wälder, Flure und Auen nahe Zangberg entsprang. Gänzlich anders verhielt sich am gestrigen Abend eine Kuh im nördlichen Landkreis Altötting. Vielleicht war es ihre Verstimmung ob der Reduktion ihrer Rindspersönlichkeit auf die technokratische „Nr. 638“ geschuldet, die sie bewog, den sie fütternden Jungbauern anzurempeln. Als dieser, diesen eventuell stummen Hinweis auf die eigene Namenlosigkeit auch noch durch Zudrehen des Rückens quittierte, stieß sie ihn hinterrücks vollends zu Boden. Dabei ging nicht nur die geschäftsmäßige Beziehung zwischen Tier und Eigentümer sondern auch der linke Oberarm des Landwirtes zu Bruch, der sich nach dem Angriff nur noch aus dem Stall retten konnte.

Über den weiteren Verlauf der missglückten Kontaktaufnahme liegen der Polizeiinspektion Altötting keine Erkenntnisse vor. Jedoch scheint der Haus- (wohl eher der Stall-) segen, ob der Attacke derart unüberbrückbar schief zu hängen, dass „Nr. 638“ vermutlich dem Metzger überantwortet werden könnte.

Hannes Schneider, PI Altötting

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