Drama bei Kempten

Schießerei im Zug: Täter liegt im Koma

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Abgeriegelter Bahnhof: Nach einer Schießerei in einem Zug auf der Bahnstrecke Kaufbeuren - Kempten ist am Freitag ein Polizist angeschossen worden. Ein Täter starb, der zweite liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Kempten - Nach einer Schießerei mit der Polizei in einem Zug Richtung Kempten liegt einer der Täter im Koma, der andere ist tot. Derzeit laufen die Ermittlungen zum Hintergrund der Auseinandersetzung.

Bei der Schießerei zwischen Polizisten und mutmaßlichen Straftätern in dem Regionalzug ist im Allgäu ein 20 Jahre alter Mann ums Leben gekommen. Drei weitere Männer, darunter die beiden Bundespolizisten, wurden am Freitag verletzt. Der 44 Jahre alte Beamte erlitt einen Beinschuss, sein Kollege erlitt einen Schlag auf den Kopf.

Nach Pollerts Angaben sind die Verletzten außer Lebensgefahr. Zu weiteren Details - etwa dem Verlust einer Dienstwaffe eines Bundespolizisten - wollte er sich zunächst nicht äußern.

Die genauen Hintergründe der Tat in der Regionalbahn waren auch am Samstag noch völlig unklar. Wie die Polizei berichtete, wollten die beiden Polizisten die Fahrgäste des Zuges von Kaufbeuren nach Kempten kurz nach 14.30 Uhr kontrollieren. Da sie einen der Passagiere als zur Fahndung ausgeschriebenen Straftäter erkannten, wollten sie ihn festnehmen. Offenbar lag gegen den Mann ein Haftbefehl zur Vollstreckung einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten wegen räuberischen Diebstahls vor.

Der 20-Jährige zog nach Angaben der Polizei München daraufhin unvermittelt eine Waffe und schoss auf die Polizisten, die aus dem Abteil flüchteten. Jedoch gelang es gelang dem Täter und seinem Begleiter, einen der Beamten niederzuschlagen und seine Dienstwaffe zu entwenden. Damit schoss einer der Männer auf den zweiten flüchtenden Polizisten, der eine Schussverletzung am Bein erlitt.

Panik unter den Fahrgästen - Nothalt auf freier Strecke

In dem Regionalzug kam es nach Zeugenaussagen zu panikartigen Situationen. Ein Zugbegleiter forderte die Fahrgäste über Lautsprecher auf, sich im hinteren Zugteil in Sicherheit zu bringen, schilderte ein Augenzeuge in der „Allgäuer Zeitung“.

Ein zufällig im Zug mitreisender Polizeibeamter des Bayerischen Landeskriminalamtes eilte den Kollegen zur Hilfe und wies die übrigen Reisenden im Zug an, sich aus der Gefahrenzone zu begeben. In einem Zwischenabteil kam es zur Begegnung mit den zwei Männern. Der bewaffnete Täter drohte, den Polizisten zu erschießen und legte die Waffe auch nach mehrmaliger Aufforderung nicht nieder. Der Polizeibeamte schoss daraufhin auf die Männer, die aus dem fahrenden Zug sprangen. Einer der beiden Täter wurde von dem rund 100 Stundenkilometer schnellen Zug überfahren und war sofort tot. Der zweite wurde nach Angaben der Polizei beim Aufprall schwer verletzt. Der Zugführer eines entgegenkommenden Zugs alarmierte die Rettungskräfte, als er den Leichnam des überrollten Täters auf dem Gegengleis liegen sah.

Durch das Öffnen der Tür wurde automatisch die Notbremse ausgelöst. Auf der Höhe von Günzach kam der „Alex“-Express 81148 zum Stehen. Etliche der rund 300 Fahrgäste flüchteten in den nahen Wald. Auf einem Anwesen fanden sie Hilfe und wurden nach Kempten gebracht. Nach einigen Minuten Halt setzte der Zug seine Fahrt bis zur Endstation Kempten fort, wo ein Aufgebot an rund 160 Einsatzkräften die mit dem Schrecken davongekommenen Passagiere in Empfang nahm. Neben den Rettungskräften kam auch ein SEK-Kommando zum Einsatz.

Fotos: Täter schießt auf Polizist und flüchtet

Fotos: Schießerei im Zug nach Kempten - Täter tot

Die beiden Bundespolizisten und der überlebende Täter wurden von der Unfallstelle ins Krankenhaus gebracht. Einer der Beamten konnte noch am selben Abend aus der Klinik entlassen werden, der schwer verletzte Täter liegt im Koma. Jedoch sind alle drei Männer nach Angaben der Polizei außer Lebensgefahr.

Die Leiche des zu Tode gekommenen Täters wird derzeit obduziert, um seine Identität eindeutig festzustellen.

Derzeit führen Ermittler auf einem Abstellgleis die Spurensicherung in dem "Alex"-Express durch. Die verwendeten Schusswaffen wurden sichergestellt und dem Landeskriminalamt zur Untersuchung übergeben.

dpa

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