Polizistenmord: Witwe spricht

"Unsere Trauer währt lebenslang"

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Mathias Vieth kam am 28. Oktober 2011 ums Leben.

Augsburg - Zwei Männer erschießen eiskalt einen jungen Polizisten. Der Mord im Siebentischwald bei Augsburg schockte ganz Bayern – und zerstörte das Glück einer Familie.´Jetzt spricht die Witwe von Mathias Vieth.

 Seit dem 28. Oktober 2011 ist wohl kein Tag vergangen, an dem sich die Witwe von Mathias Vieth und dessen zwei Söhne nicht fragten, warum dies alles passieren musste. Warum ihrem Mann, ihrem Papa? Und nun soll einer der Killer wohl auf freien Fuß kommen, weil er wegen einer Parkinson-Erkrankung „verhandlungsunfähig“ sei. Zwei Jahre hat Sandra Vieth zu der Tat geschwiegen – nun spricht sie erstmals über den Mord in der Augsburger Allgemeinen. Es sind bewegende Worte voll Trauer, aber auch Wut.

„Die letzten zwei Weihnachtsfeste haben wir nicht gefeiert. Wir haben sie überstanden“, sagt die 43-Jährige gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Zu schmerzvoll sind noch die Erinnerungen an glückliche Tage, an Bescherungen unter dem Christbaum – mit dem geliebten Papa. Die Söhne von Mathias Vieth sind heute 16 und 19 Jahre alt. „Den Jungs fehlt er sehr“, erzählt die Witwe. War der Polizist doch auch für seine Buben immer ein großes Vorbild, jede frei Minute verbrachte er mit seinen beiden Söhnen.

Die ewig langen Gerichtssitzungen, in denen die mutmaßlichen Täter Raimund M. (60) und Rudi R. (58) gelangweilt auf ihren Stühlen sitzen, setzen der Familie stark zu. „Warum ist dieser Staat, diese Justiz jetzt nicht in der Lage, die Mörder meines Mannes zu verurteilen“, fragt Sandra Vieth fassungslos. Eigentlich schien der Fall doch klar zu sein: Es gab DNA-Spuren der zwei Männer am Tatort, es wurde die Mordwaffe gefunden, es gab mit der Kollegin des Getöteten gar eine Zeugin. Doch dann kam das Gutachten, das Raimund M. bescheinigt, schwer krank zu sein. Parkinson! Unheilbar. Genau deswegen wird er wohl bald ein freier Mann sein. Sandra Vieth kann darüber nur den Kopf schütteln. Sie glaubt, dass sein schlechter Zustand nur gespielt ist. „Und selbst wenn er so krank ist, darf er nie wieder freikommen. Schwerverbrecher gehören ins Gefängnis.“ Ein Leben in Ruhe sei für ihre Familie unter diesen Umständen nicht möglich: „Natürlich leben wir in Angst und Ungewissheit. Die jetzige Entwicklung ist katastrophal für meine Familie, aber auch für die Gesellschaft. Wer gibt mir denn die Garantie, dass dieser Mann, wenn er denn rauskommen sollte, nicht wieder zur Waffe greift?“

Sandra Vieth weiß, dass ihr genau diese Garantie niemand geben kann. Ihren Glauben an Gerechtigkeit hat die liebevolle Mutter mittlerweile ganz verloren. „Mein Mann wurde hingerichtet. Uns steht ein Leben ohne Mann, Vater, Bruder bevor – und einem der Täter winkt die Freiheit. Wir haben lebenslange Trauer, und der Mörder bekommt womöglich eine Haftentschädigung.“ All das hätte nicht in das Weltbild ihres Mannes, der als vorbildlicher Polizist einen großen Gerechtigkeitssinn besaß, gepasst.

tz

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