Denkmalgeschützter Bau in Nürnberg

Portugiese kauft Quelle-Versandzentrum - Trauer bei Künstlern

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Seit 2009 steht der wuchtige Klinkerbau im Westen Nürnbergs leer.

Nürnberg - Lange war es das Herzstück des Versandhaus-Riesen Quelle. 2009 ging der Konzern pleite - seitdem steht der wuchtige Klinkerbau im Westen Nürnbergs leer. Nun will ein portugiesischer Investor neues Leben in den denkmalgeschützten Komplex bringen - die Pläne sind umstritten.

Die jahrelange Hängepartie bei der Suche nach einer neuen Zukunft für das frühere Quelle-Versandzentrum in Nürnberg ist beendet. Der portugiesische Investor Sonae Sierra erwarb am Dienstag Deutschlands zweitgrößte leerstehende Immobilie nach dem Flughafen Tempelhof für 16,8 Millionen Euro. Der Shopping-Center- Spezialist war bei der Zwangsversteigerung der einzige Bieter. Wegen des erwarteten großen Interesses hatte das Amtsgericht die Auktion des 6,8 Hektar großen Areals im Westen Nürnbergs in das frühere Kasino des Quellebaus verlegt. Es war einst von dem Bauhaus-Architekten Ernst Neufert entworfen worden.

Der Deutschland-Chef von Sonae Sierra, Thomas Binder, sprach nach der erfolgreichen Ersteigerung der Immobilie von einem „Meilenstein“ für sein Unternehmen. Für das mit großen Objekten durchaus vertraute Unternehmen sei es die größte Immobilie, die man jemals erworben habe. Wegen seiner Größe und seiner überregionalen Ausstrahlung halte er das Quelle-Gelände für ausgesprochen attraktiv. Es habe eine Stand-Alone-Position (Alleinstellung) weit über Nürnberg hinaus, unterstrich Binder.

Die Sonae Sierra-Tochter Sierra Project Nürnberg, die bei der Versteigerung offiziell als Käufer auftrat, plant nach Binders Worten in dem 250 000 Quadratmeter großen Versandzentrum einen Mix aus Handel, Büros und Wohnungen. Dabei sollen rund 300 Millionen Euro investiert werden. Mit dem Umbau soll Mitte kommenden Jahres begonnen werden. Binder rechnet mit einer Bauzeit von zweieinhalb Jahren. Auch den bislang in dem Quelle-Komplex untergebrachten 150 Künstlern und Kreativen versprach Binder eine Zukunft. Sie sollen zu tragbaren Mieten in einem „Kreativzentrum“ Platz finden.

Die im Verein Quelle-Kollektiv zusammengeschlossen freischaffenden Künstler zeigten sich derweil enttäuscht. Sie rechnen nun mit einer Kündigung. Sie luden daher nach der Versteigerung zu einer improvisierten Trauerfeier vor dem Quelle-Bau ein - inklusive Trauerkranz. Der Quellekollektiv-Sprecher Hannes Hümmer sagte, für ihn sei der Verkauf an Sonae Sierra keine große Überraschung. Das Unternehmen interessiere sich schon seit Jahren für das Areal. Den Weg der Zwangsversteigerung habe das Unternehmen nur gewählt, um den Mietern auf einfachem Wege kündigen zu können. Das von Sonae Sierra angekündigte „Kreativzentrum“ sieht Hümmer skeptisch.

dpa

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