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Probleme für Impfzentren: Viele wollen Zweitimpfung verschieben

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Von: Katrin Woitsch

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Ein Paar auf dem Weg zur Zweitimpfung in dem vom BRK betriebenen Impfzentrum in Fürstenfeldbruck.
Der Nächste bitte: Ein Paar auf dem Weg zur Zweitimpfung in dem vom BRK betriebenen Impfzentrum in Fürstenfeldbruck. © PETER KNEFFEL/DPA

In Bayerns Impfzentren bekommen täglich tausende Menschen den ersehnten Pieks. Viele Helfer sind nötig, damit alles reibungslos funktioniert. Die Debatte, ob die Zentren frühzeitig geschlossen werden, spielt vor Ort kaum eine Rolle. Dafür gibt es andere Herausforderungen.

Fürstenfeldbruck – Seit Klaus Holetschek (CSU) eine baldige Schließung der Impfzentren ins Gespräch brachte, wird viel diskutiert. Der Gesundheitsminister setzt nun vor allem auf die Hausärzte, die Landräte wollen die Zentren beibehalten. Doch vor Ort dreht sich gerade viel um ganz andere Fragen.

Anfangs mussten die Mitarbeiter der Hotline vor allem Fragen zur Registrierung im Impfportal beantworten. Oder Anrufer vertrösten, die nicht zu den beiden ersten Priorisierungsgruppen gehörten. „Das hat sich geändert“, berichtet der Fürstenfeldbrucker Kreisgeschäftsführer Rainer Bertram. „Jetzt rufen vermehrt Menschen an, die ihren Termin für die Zweitimpfung verschieben wollen, weil sie hoffen, in den Urlaub fahren zu können.“ Eine neue Herausforderung für sein Team vor Ort. „Es ist oft schwer zu vermitteln, dass das nicht möglich ist“, sagt Bertram. „So eine Terminverschiebung würde die ganze Logistik völlig durcheinanderbringen.“

Die Stimmung ändere sich ständig, berichtet er. Anfangs sei der Impfneid und die Ungeduld viel deutlicher zu spüren gewesen. Inzwischen ist die Sehnsucht nach Urlaub riesengroß. Dazu kommt eine weitere Hürde. Seit die Hausärzte impfen, laufen viele Benachrichtigungen des Impfportals ins Leere. „Weil viele schon einen Impftermin haben, aber noch registriert sind.“ Der Aufwand für die Kräfte im Impfzentrum sei für die Benachrichtigungen zwar gering, aber die Terminvergabe für andere verzögert sich. „Außerdem können wir nicht valide sagen, wie viele Menschen aus den Priorisierungsgruppen schon geimpft sind, weil wir nicht wissen, wie viele tote Anmeldungen wir im System haben“, erklärt Bertram. Für die Impfzentren wäre es eine Erleichterung, wenn Personen, die beim Hausarzt geimpft wurden, ihren Account löschen.

Obwohl inzwischen deutlich mehr Impfstoff-Dosen geliefert werden, arbeitet das Impfzentrum nach wie vor nicht unter voller Auslastung, erklärt Bertram. „Wir verimpfen alles, was wir kriegen“, sagt er. „Aber es wäre noch mehr möglich.“

Auch deshalb wäre es aus seiner Sicht zu früh, die Impfzentren bald herunterzufahren. Der Großteil der BRK-Mitarbeiter vor Ort ist dafür eingestellt worden, erklärt er. Darunter sind auch medizinische Fachangestellte, Menschen, die in ihren ursprünglichen Berufen gerade nicht arbeiten können, oder Teilzeitkräfte. „Uns war immer klar, dass diese Verträge irgendwann auslaufen werden“, sagt er. Aber es wäre nicht so einfach, die geschaffenen Strukturen sehr schnell wieder aufzubauen, wenn die Impfzentren aufgelöst sind und mehr Impfstoff vorhanden wäre, als die Haus- und Betriebsärzte verimpfen können.

Fünf Monate, nachdem die ersten Impfzentren den Betrieb aufnahmen, läuft alles sehr eingespielt, sagt er. Bertram ist stolz auf sein Team – das betont er nicht nur zum Weltrotkreuztag am Samstag. Von Impferschöpfung gebe es bei den Helfern vor Ort keine Spur. Im Gegenteil. „Unsere Leute bekommen sehr viel Dank und Wertschätzung für die Arbeit, die sie in den Zentren leisten.“ Das sei für die Einsatzkräfte alles andere als selbstverständlich – aber der schönste Dank für ihre Arbeit. Rainer Bertram sagt: „Diese Wertschätzung würde ich mir für alle unsere Leute wünschen. Auch im Rettungsdienst, in der Pflege und in den Einrichtungen für Kinder ist während der Pandemie Großes geleistet worden.“

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