Zug fährt durch

Problemschranke: Staatsanwalt ermittelt

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Macht Sorgen: Die Schranke, die schon längst beseitigt werden sollte.

Hausham – In Bayern gibt’s (gab’s) Problembären, aber auch Problemschranken. Zum Beispiel in Hausham. Dort macht eine handbetriebene Schranke in der Ortsmitte immer wieder Probleme.

Die Schranke ist handbetrieben – ein Schrankenwärter, der in einem Häuschen nebenan sitzt, kurbelt vor Ort die Schranken runter.

Meistens klappt das, manchmal aber nicht: 1999 gab es den ersten verbürgten Fall, dass ein Zug bei offener Schranke durchrauschte. Und am vorletzten Freitag, 13. Februar, war es gegen 18 Uhr wieder soweit: Ein Zug der Bayerischen Oberlandbahn fuhr bei geöffneten Schranken durch. Der elfte derartige Vorfall in den Pannen-Annalen. Passiert ist nichts – aber der Vorfall hat ein Nachspiel. Bei der Verkehrsabteilung der Staatsanwaltschaft München II ist eine anonyme Anzeige eingegangen. Ein Ermittlungsverfahren ist eingeleitet, bestätigt eine Behördensprecherin. Auch beim Eisenbahnbundesamt in Bonn ist der Vorfall aktenkundig. Dort muss jede Störung einer Bahnanlage gemeldet werden. Eigene Ermittlungen stellt die Behörde in diesem Fall aber nicht an.

Wer diesmal versagt hat, ist in der Tat nicht ganz klar. Die BOB trifft wohl keine Schuld – denn der Bahnübergang ist von weitem nicht zu sehen, der Triebfahrzeugführer hätte also keine Notbremsung einleiten können. Der Bahnübergang selbst gehört zur Bahntochter DB Netz. Deren Angestellte, in Hausham der Schrankenwärter, im Schlierseer Stellwerk der Fahrdienstleiter, stehen in Kontakt. Der Fahrdienstleiter darf dem Lokführer in der BOB erst dann grünes Licht geben, wenn die Schranken zu sind. Wie es in diesem Fall war, muss nun ermittelt werden. Die Bahn betont, dass den betroffenen Mitarbeitern „sofort jegliche weitere Handlungen im Bahnbetrieb untersagt“ wurden.

Eigentlich sollte der Bahnübergang schon längst beseitigt werden. Die ersten Planungen gehen nach Darstellung des Staatlichen Bauamts Rosenheim zurück bis ins Jahr 1985. Immer wieder vereitelten Konflikte mit Grundeigentümern und Geschäftsinhabern eine Lösung. Ein Vorschlag, eine Unterführung zu bauen, scheiterte am Grundwasserstand und den hohen Kosten in Höhe von 13 Millionen Euro.

Vorerst letzter Akt in diesem Drama ist ein Planfeststellungsverfahren, das eingeleitet wurde, um den Bahnübergang um 100 Meter nach Norden zu verlegen. Es datiert aus dem Jahr 2013. Derzeit werden die Einwände gesichtet. „Ein möglicher Baubeginn ist nur schwer absehbar“, teilte die Behörde mit.

Dirk Walter/Daniel Krehl

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