Dramatischerer Temperaturanstieg

Prognose der Experten sieht düster aus: So hart trifft der Klimawandel Bayern

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Der Gletscher auf der Zugspitze – hier ein Bild aus dem September – ist dramatisch geschrumpft. In Bayern ist der Temperaturanstieg noch höher als im Bundesdurchschnitt. 

Der Klimawandel hat auch in Deutschland bereits messbare Folgen. Doch laut dem neuesten Klimafolgenbericht der Bundesregierung droht ein noch weit dramatischerer Temperaturanstieg in kommenden Jahrzehnten.

  • Der neueste Klimafolgenbericht der Bundesregierung zeigt auf: Die Temperaturen werden in den nächsten Jahrzehnten dramatisch ansteigen
  • Bayern ist von den Folgen des Klimawandels stark betroffen
  • Wetterextremeschlechte Ernten und sterbende Wälder werden von den Experten prognostiziert  

München - Die Existenz des Klimawandels, wird kaum noch bezweifelt. Bei der Betrachtung der Folgen ging der Blick aber lange in die Polarregionen, wo das Eis schmilzt, oder zu Südseeinseln, die deshalb unter dem Meeresspiegel verschwinden. Der neue Klimafolgenbericht der Bundesregierung, den Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Dienstag in Berlin vorstellte, fasst in Zahlen, was viele angesichts trockener Sommer, zunehmender Wetterextreme, schlechter Ernten und sterbender Wälder ahnten. Der Klimawandel wirkt sich auch in Deutschland bereits aus. „Es ist nicht auszudenken, was es bedeuten würde, wenn sich das in dieser Geschwindigkeit wirklich fortsetzen würde“, sagte Schulze mit Blick auf den Temperaturanstieg.

Temperaturen

Seit 1881 ist die Jahresdurchschnittstemperatur weltweit um ein Grad Celsius gestiegen, in Deutschland um 1,5 Grad. Seit 2015 betrug der Anstieg 0,3 Grad. In Bayern liegt der langfristige Anstieg mit 1,7 Grad noch höher.

Greifbarer macht die abstrakten Zahlen die Zunahme der Hitzetage. Zu Beginn der 1950er Jahre kletterte das Thermometer in Deutschland durchschnittlich an drei Tagen im Jahr über 30 Grad. Bis 1994 gab es nie mehr als zehn Hitzetage. Das ist mittlerweile Durchschnitt, Der Sommer 2018 hatte 20 Hitzetage. Mit 2003 und 2019 war er einer der drei heißesten seit Beginn der Messungen.

In immer dichteren Abständen erleben gerade Städte – sie heizen sich besonders stark auf – Hitzeperioden von 14 oder mehr Tagen. Sechs solcher Sommer erlebte München seit 2003 – und kommt dabei dank seiner Lage 500 Meter über dem Meer im Vergleich zu anderen Städten noch gut weg.

Niederschläge

Unter anderem durch die veränderten Temperaturen verändern sich auch Niederschläge. Wärmere Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Das kann heißen, dass es nicht so schnell regnet, dann aber heftiger. Insgesamt, so der aktuelle Bericht, hat bundesweit die jährliche Niederschlagsmenge seit 1881 um 8,7 Prozent zugenommen. Ein Blick auf die letzten 65 Jahre zeige eine Tendenz zu häufigerem Starkregen. Die Datenlage lasse aber noch keine gesicherten Aussagen zu. Trotz mehr Niederschlag nehmen aber die Monate mit sinkenden Grundwasserständen niedrigen Flusspegeln zu.

Folgen

Hitze belastet die Gesundheit. Für 2018 zählt das Robert-Koch-Institut 1200 hitzebedingte Todesfällen allein in Berlin und Hessen. In einem wärmeren Klima breiten sich zudem allergene Pflanzen und krankheitsübertragende Insekten stärker aus.

Dürre und Hitze stressen auch Wälder. Fichten, die 40 Prozent des deutschen Baumbestandes ausmachen, leiden besonders. Gleiches gilt für die in Teilen Frankens vorherrschende Kiefer. Für kranke Bäume schädliche Pilze und Insekten wie der Borkenkäfer gedeihen umso besser. Jüngste Beobachtungen deuten darauf hin, dass auch die als klimafester geltende Buche Schaden nimmt. Als Anpassungsstrategie empfielt der Klimafolgenbericht Risikostreuung durch eine große Vielfalt von Baumarten.

Für Landwirte hat der Klimawandel zwei Seiten. Vegetationsperioden werden länger. Dem gegenüber stehen aber Hagel-, Sturm-, Hitze- und Dürreschäden. Eindeutige langfristige Klimafolgen lassen sich laut Bericht noch nicht beziffern.

Prognosen

Für die Zukunft gehen die Experten aus 23 Bundesbehörden, die am Klimafolgenmonitoring arbeiten, für Deutschland von einer Erwärmung über dem globalen Mittel aus. Gehe es weiter wie bisher, drohe hierzulande ein Anstieg von nochmals 3,1 bis 4,7 Grad bis zum Jahr 2100, sagte Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst am Dienstag.  

mit dpa

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