Er soll sich Millionenkredite erschlichen haben – jetzt Prozess

Promi-Doc gibt jetzt im Knast das Essen aus

Was für ein tiefer Fall: Vom Liebling der Schickeria zum Essensausteiler in der JVA. Seit Donnerstag muss sich Promi-Doc Josip Bill (55) wegen eines Millionenbetrugs vor dem Landgericht Würzburg verantworten.

Würzburg - Für Erste-Klasse-Flüge, rauschende Partys auf dem Oktoberfest und eine geplante Luxus-Klinik in bester Münchner Lage soll er Geschäftspartner und Freunde um fast vier Millionen Euro gebracht haben. Zum Prozess­auftakt gestern schwieg er.

Dabei könnten ihm die Vorwürfe von Staatsanwalt Tobias Kostuch bis zu acht Jahre Knast einbringen. „Er pflegte einen aufwendigen Lebensstil und erschlich sich unter Vortäuschung falscher Sicherheiten Darlehensbeträge in nicht unerheblichem Umfang.“ Laut Anklage sprach Bill immer wieder von kurzfristigen Zahlungsschwierigkeiten und legte von ihm gefälschte Kontoauszüge mit Millionen-Beträgen als Sicherheit vor. Einem Professor schwatzte er per SMS 20 000 Euro ab. Warum er nicht selbst anrief? Er müsse gerade den Erfinder von Red Bull behandeln, gab er vor. Einem anderen versprach er für eine 30 000-Euro-Einlage zehn Prozent Rendite, so Staatsanwalt Kostuch. Tatsächlich floss laut Anklage alles in die private Lebensführung; teilweise zahlte Dr. Bill nicht einmal Lohn und Sozialbeiträge für die Angestellten seiner Würzburger Schönheitsklinik.

Einer der Geblendeten berichtete gestern von Bills Überredungstricks: „Er brauche Geld für Geschäfte mit der chinesischen Botschaft“, habe er behauptet. Im Vertrauen auf den guten Ruf und die schillernden Berichte über Dr. Bill gab Andre S. (30) satte 48 000 Euro. Vom Richter gefragt, ob er sich nicht einmal Bills angebliche China-Geschäfte angesehen habe, berichtete er: „Doch, ich war im Hotel Vier Jahreszeiten in München, da lagen zwei Chinesen mit einer Infusion. Bill sagte, die bezahlten hohe Summen für solche Behandlungen.“

Für das Verfahren hat das Gericht vier Tage angesetzt. „Wir wollen Dr. Bill so schnell wie möglich aus dem Gefängnis freikriegen“, kündigten seine Verteidiger Norman Jacob jun. und Bernhard Löwenberg an.

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