Wegen Körperverletzung vor Gericht

Ist Polizist ein Pöbler und Prügler?

Augsburg - Ein 39 Jahre alte Polizist muss sich seit Donnerstag vor dem Amtsgericht Augsburg verantworten. Er soll den Kopf einer Frau gegen ein Autodach geschlagen haben.

Wegen Beleidigung und Körperverletzung im Amt muss sich seit Donnerstag Polizist Timo W. (39) vor dem Amtsgericht Augsburg verantworten. Staatsanwalt Matthias Ernst beschuldigt ihn, am 8. Mai 2014 den Kopf von Natascha S. (37) in Augsburg-Pfersee gegen den Streifenwagen geschlagen zu haben, so dass sie ein Hämatom und eine Schädelprellung erlitt.

Als neun Monate später das Landeskriminalamt (LKA) interne Ermittlungen gegen den Beamten aufnahm, soll Timo W. sich in Rage geredet und Natascha als „Drecksau“, „Idiot“ und „Arsch“ bezeichnet haben. Selbst seine eigenen Vorgesetzten habe er nicht ausgenommen: „Am meisten ärgere ich mich über die Zipfelklatscher im Präsidium, die so was gleich weitergeben und denen glauben. Jeder Arsch kann eine Behauptung aufstellen und diese Idioten im Präsidium da oben machen gleich ein Verfahren gegen einen auf.“

Im Prozess bestritt der Beamte jede Brutalität. Er habe in jener Nacht den gewalttätigen Freund von Natascha S. auf dem Boden fixiert, als ihn die Frau mit einer Zigarette attackiert habe: „Ich verstand nicht, warum sie auf mich losgeht, wenn ich ihr doch eigentlich half.“ Während er sie zum Streifenwagen brachte, habe sie seine Kollegin als „Polizistenhure“ beleidigt. Er habe ihr dann beim Einsteigen seine Hand auf den Kopf gelegt: „Damit sie sich nicht anschlägt. Das mache ich immer so.“

Die Schilderung von Natascha S. klingt ganz anders. Die von Drogenmissbrauch schwer gezeichnete Frau sitzt seit September 2014 selbst in Aichach im Knast. Ursprünglich wollte sie zunächst gar keine Anzeige gegen den Polizisten stellen: „Da hat man ja eh keine Chance.“ Als sie von einem LKA-Beamten von den Beleidigungen hörte, zeigte sie Timo W. doch noch an. Vor Gericht schildert sie die Vorgänge: „Das schaute brutal aus für mich. Ich wollte dazwischen gehen. Da schmiss mich W. auf den Boden und schrie: ‚Du Sau, tu endlich die Hände auf den Rücken.‘“ Beim Einsteigen sei ihr Gesicht „komischerweise“ auf dem Autodach gelandet. „Ich glaube nicht, dass das aus Versehen war. Ich kann doch in ein Auto einsteigen, ohne mir die Birne anzuhauen.“

Die Kollegen von Timo W. sagten übereinstimmend aus, sie hätten keinen Schlag gesehen. Sie kritisierten die Vernehmungsmethoden des LKA: „Das war der Horror“, sagte Daniela F. (31), „ich hatte das Gefühl, dass man mit aller Gewalt versucht, einem Kollegen etwas reinzudrücken.“

Der Prozess dauert an.

tz

Rubriklistenbild: © dpa

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