Prozess gegen Elektromeister

Bunker-Max: Das erschütternde Motiv des Waffennarrs

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Das Waffenarsenal von Max. S..

Kelheim - Ein 59 Jahre alte Elektromeister aus Niederbayern stand am Donnerstag vor Gericht, weil er bei sich zu Hause ein beispielloses Waffenarsenal versteckte. Im Prozess erklärte er schließlich, wie aus einem Familienvater ein Waffennarr wurde.

Wie wurde aus einem braven niederbayerischen Elektromeister der Bunker-Max von Painten im Kreis Kelheim? Die Antwort gab Max S. (59) am Donnerstag vor dem Amtsgericht Regensburg als Angeklagter selbst und berichtete von Gräueltaten: „1992 war ich im Jugoslawien-Krieg auf Montage. Was ich da gesehen habe, wollte ich keinem zumuten. Ich habe mir geschworen: Sollte ich hier jemals lebend rauskommen, soll das meiner Familie nie passieren!“

Verantworten musste er sich unter anderem wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffengesetz. Die Anzahl der Waffen, die LKA-Fahnder nach einer Anzeige seiner Ex-Frau am 18. November aus dem atomsicheren Bunker trugen, hätte fast für eine Kompanie gereicht: 35 Langwaffen, darunter Wehrmachts-Karabiner, Maschinenpistolen, Kurzwaffen, 238 Kilo Munition und 7,5 Kilo Schwarzpulver.

Bunker-Max erklärte vor Gericht: Bewaffnung war eine Folge seines Kriegstraumas

Weil Max S. seine Waffen teilweise unter Bodenfliesen verbaut oder in die Wandverkleidung eingearbeitet hatte und kaum jemand von dem Bunker wusste, reagierte er entspannt, als die Polizisten klingelten: „Ihr werdet nichts finden.“ Doch dann siegte sein Erfinderstolz. Er öffnete eine codegesicherte Panzertür – der Eingang zum Bunker – und erklärte staunenden Beamten: „Hier sollte meine Familie in Krisenzeiten überleben.“ Aus Angst vor Sprengfallen schickte das LKA Bombenentschärfer voraus.

Alte Bunkerpläne hatte sich Max S. vom Landratsamt geholt und verfeinert. Er investierte für den Bau noch 80.000 D-Mark, dann sah er sich gerüstet: „Ich hab das raffinierter gemacht, mit Trinkwasseraufbereitung, Stromversorgung, Luftfilter, Lebensmittelvorrat.“ Vier Jahre wollte er hier im Kriegsfall – etwa nach einer russischen Invasion – überleben können. Im Wohnhaus selbst hatte er sich eine schussbereite Pistole zurechtgelegt, unter der Decke hing ein Degen, den man für einen Spazierstock hätte halten können. Die Bewaffnung, eine Folge seines Kriegstraumas, erklärte S. am Donnerstag Amtsrichter Wolfhard Meindl: Während eines Arbeitseinsatzes in Jugoslawien, „habe ich erschossene, halb nackte Frauen im Straßengraben gesehen. Kinder, die von Scharfschützen getötet wurden. Krieg ist das größte Verbrechen, das es gibt.“ Ihm selbst wurde damals, im Jahr 1992, eine Waffe an die Stirn gehalten. „Ich hörte es schon klicken, doch dann kam ich mit einer Zahlung von hundert Mark davon.“

Code zum Aufschließen der Bunkertür wurde alle sechs Wochen geändert

Die Munition habe er für den Schützenverein bestellt. „Das waren so 15- bis 20.000 Patronen?“, fragte ihn der Richter. „Nein, das reicht nicht“, antwortete S.

1988 baute S. einen Unfall, die Zuverlässigkeit für den Waffenschein wurde ihm aberkannt. Spätestens jetzt habe er sich von den Waffen trennen wollen. Warum er sie dann aber luftdicht verpackte und in Gasflaschen versteckte, dazu schwieg er. Seine zwölf Kinder und die Nachbarn seien aber nie in Gefahr gewesen. So sei der Code zum Aufschließen der Bunkertür alle sechs Wochen geändert worden.

Richter Meindl machte trotzdem kurzen Prozess mit dem Tüftler: Nach nur drei Stunden verurteilte er den Elektromeister zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Mit der Einziehung von Waffen und Sprengstoff erklärte sich Bunker-Max sofort einverstanden: „Ich will damit nichts mehr zu tun haben.“

tz

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