Er spricht von technischem Defekt

Prozess gegen Jäger: Mann für Wildschwein gehalten – tot

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Der angeklagte Jäger Wernfried P. (r) sitzt am 20.01.2015 neben seinem Verteidiger Martin Elsner (M) vor Prozessbeginn in einem Saal des Amtsgerichts Wunsiedel (Bayern). Der Jäger hat im September 2012 von einem Hochsitz aus einen 26 Jahre alten Mann erschossen, den er mit einem Wildschwein verwechselt habe.

Wunsiedel - Der Jäger Wernfried P. soll einen 26 Jahre alten Drogendealer für ein Wildschwein gehalten und erschossen haben. Vor Gericht spricht der 55-Jährige von einem technischem Defekt und leugnet seine Schuld.

Er verwechselte einen Drogendealer mit einem Wildschwein, legte an und erschoss ihn – nun droht dem Jäger sogar eine Anklage wegen Totschlags!

Vor dem Amtsgericht Wunsiedel begann am Dienstag der Prozess gegen den Schönwalder Büchsenmacher Wernfried P. (55). Am 8. September 2012 wollte der Jäger mit seinem selbstgebauten Repetiergewehr Schwarzwild jagen, bezog gegen 3.30 Uhr morgens Stellung auf einem Hochsitz am Waldrand. Als er es gut eine Stunde später im Maisfeld rascheln hörte und einen silbergrauen Schatten sah, legte er an. Kurz darauf löste sich der Schuss, der Rudi Z. (26) in die Brust traf. Er starb an seinem großen Blutverlust.

Der Angeklagte leugnete eine persönliche Schuld, sprach von einem technischen Defekt an der Waffe. „Ich habe dieses Wesen ein Stück durch das Zielfernrohr verfolgt. Da ich nichts Eindeutiges sehen konnte, habe ich von einer Schussabgabe abgesehen. Als ich den Waffenlauf absenkte und die Waffe entspannen wollte, löste sich ein Schuss.“

Den Polizeibeamten hatte der Jäger mit 40 Jahren Waffenerfahrung noch etwas anderes erzählt. Polizistin Carolin E. (21): „Als wir ihm sagten, er ist tot, spuckte er aus und sagte, dass er etwas aus dem Maisfeld kommen sah, das er für einen Keiler hielt. Es habe auch so gegrunzt. Da habe er geschossen.“ Das leugnete Wernfried P. auf der Anklagebank, sprach vielmehr von einem Fremdkörper, der an den Abzugstollen gekommen sein müsse. „Ich wüsste nicht, wie ich mich hätte anders verhalten sollen. Ich habe zu dieser Uhrzeit niemals mit einem Menschen gerechnet.“

Die Frage, was Rudi Z. an dieser Stelle – 50 Kilometer von seinem Heimatort entfernt – zu suchen hatte, beschäftigte die Hofer Mordermittler monatelang. In seinem Blut war eine hohe Drogen-Konzentration festgestellt worden, er war wegen Betäubungsmittel-Delikten vorbestraft. Und seine Verlobte Nicole B. (32) sagte am Dienstag aus: „Am Morgen vor dem Vorfall war ein Freund bei ihm, für den sollte er Stoff besorgen. Er legte ihm 40 Euro auf den Tisch, doch Rudi lehnte ab.“ Später muss sich Rudi Z. dann doch noch mit zwei Kumpels getroffen haben und nach Tschechien gefahren sein.

Nicole B. schilderte auch, wie ihr Partner drauf sein konnte, wenn er „high“ war: „Wenn er Crystal eingeworfen hatte, hatte er einen Tick für Jägerstände. Da oben wollte er sich dann eine Line ziehen.“ War es auch am 8. September 2012 so?

Wegen bedingten Vorsatzes beantragte Staatsanwalt Michael Herbst, den Fall als Totschlag ans Schwurgericht Hof zu überweisen. Zeugenaussagen hätten ergeben, dass P. die Bewegung zu Füßen seines Hochstandes wahrgenommen und den Abzug der Waffe selbst betätigt haben müsse. Dies lehnte Richter Claus-Peter Riedelbach „zum jetzigen Zeitpunkt“ ab. Der Prozess wird am 29. Januar fortgesetzt.

tz

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