Tödliche Messerstecherei in Fürth

Täter vor Gericht: "Habe mich als Opfer gefühlt"

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Tatort: Diese Blutspur zeugt von dem brutalen Vorgehen des Täters am Fürther U-Bahnhof.

Fürth - Keine Einsicht vor Gericht: Nach einer Messerstecherei an einem Fürther U-Bahnhof leugnet der Angeklagte die Absicht hinter der tödlichen Attacke. Er erhebt Vorwürfe gegen das Opfer.

Sein Herz schlug für die Spielvereinigung Greut­her Fürth, seine Liebe gehörte Anna (34). In ihren Armen starb der junge Müllwerker Sascha L. (†28), nachdem er in der Nacht auf den 1. Februar an einem Fürther U-Bahnhof niedergestochen worden war.

Am Dienstag begann vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth der Totschlagsprozess gegen ein Trio, das in dieser Nacht offenbar auf Randale aus war. Gleich zu Beginn versetzte Messerstecher Dawid K. (20) der trauernden Mutter einen erneuten Stich: „Ich habe mich nur gewehrt und aus Angst wild um mich gestochen“, behauptete er, „eigentlich habe ich mich als Opfer gefühlt!“

Die Anklage zeichnet ein gänzlich anderes Bild der Blutnacht in der Jakobinenstraße: Sascha, Anna und zwei Bekannte kamen von einer Geburtstagsfeier, als Anna gegen 0.58 Uhr von Marcin K. (18) angerempelt wurde. Sie rief noch „Entschuldigung, was soll das?“, da prasselten auch schon die Fausthiebe auf das Pärchen nieder. Marcin K.’s Bruder Dawid zog ein schwarzes Einhandmesser und stach achtmal auf Sascha L. ein. Die Stiche waren so heftig, dass er dem Opfer den Schädel spaltete und beim letzten Stich die Klinge im Knochen steckenblieb und abbrach.

Täter: "Bruder wurde als Kanake beschimpft"

Die Version von Dawid K. klang am Dienstag so: „Mein Bruder war so besoffen, dass er die Frau anrempelte. Daraufhin beschimpfte der Getötete ihn als Kanaken und schubste ihn. Ich kam dazu, wurde vom Getöteten ins Gesicht geschlagen. Dann habe ich mich an mein Messer erinnert.“ Dann schob er noch nach: „Es tut mir leid, dass ich einen Menschen getötet habe.“ Doch die Reue nahm ihm kaum einer im Sitzungssaal 619 ab.

Denn auch Sascha L.’s Freundin Anna, die am Freitag aussagen wird, erinnerte sich an keinerlei Schläge ihres Freundes nach dem Rempler. Dagegen trat und schlug das Trio wie von Sinnen auf das Grüppchen ein, das ihm zufällig an der Bahnunterführung begegnet war. Die Blutspur am Tatort zog sich fast 100 Meter hin. Die drei Jugendlichen wurden nach dem Notruf eines Zeugen noch am U-Bahnhof festgenommen. Dem Haupttäter drohen wegen Totschlags mindestens zehn Jahre Haft.

Sascha L. wurde neun Tage nach seinem Tod unter großer Anteilnahme auf dem Fürther Friedhof beigesetzt. Sein Sarg wurde durch ein Spalier von Müllwerkern getragen. Selbst OB Thomas Jung (SPD) erwies ihm die letzte Ehre. „Sein Tod trifft die ganze Stadt wegen seiner Sinnlosigkeit“, sagte er.

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