Dokumentation des Grauens

Franziska-Prozess: Diese Anklage macht sprachlos

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Stefan B. ist des Mordes an Franziska O. angeklagt.

München - Regungslos, ganz in schwarz gekleidet, sitzt Stefan B. (27) am Montagmorgen im Ingolstädter Schwurgerichtssaal. Fast ein Jahr nach dem Mord an der Schülerin Franziska O. (12) aus dem Kreis Eichstätt soll jetzt der Prozess beginnen – mit der Verlesung der Anklageschrift. Die tz dokumentiert das Grauen, das sprachlos macht:

Als die Uhr am 15. Februar vor einem Jahr 17.35 Uhr zeigt, hat Franziska O. noch 85 Minuten zu leben. In diesen knapp eineinhalb Stunden erlebt die Schülerin die Hölle auf Erden. Auf einer kleinen Straße, auf einer Bergkuppe, steht ein Auto quer. Franziska, die mit dem Radl zu ihrem Elternhaus in Möckenlohe will, muss absteigen. Laut Anklage zwingt Stefan B. sie mit Gewalt in seinen grünen Toyota.

Dann soll der Angeklagte mit der verängstigten Schülerin Richtung Neuburg an der Donau gefahren sein. Am Rathei-Weiher soll sich Stefan B. dann aufs Übelste an dem Mädchen vergangen haben.

„Dabei fügte der Angeklagte dem Kind im Zeitraum bis gegen 18.50 Uhr schwerste Verletzungen zu“, liest Staatsanwalt Jürgen Staudt aus der Anklage. Letztlich stirbt Franziska O. durch Strangulieren und durch massive Schläge mit einem Holzscheit gegen den Kopf.

Am Tag darauf finden Angler das tote Mädchen am Weiher. Schnell ist Stefan B. im Visier der Polizei. Nach einer wilden Verfolgungsjagd wird der mutmaßliche Mörder festgenommen.

Die Anklage offenbart noch weitere abscheuliche Taten. So soll Stefan B. im Jahr 2013 eine junge Frau vergewaltigt haben. Zudem soll er ein 12-jähriges Mädchen auf Facebook zum Sex aufgefordert haben. Und etwa zehn Tage vor dem Mord an Franziska soll der Angeklagte dann ein Mädchen mit Gewalt in sein Auto gezwungen haben. Auch mit dieser 13-Jährigen soll Stefan B. zu einem Weiher gefahren sein und sie sexuell missbraucht haben. Erst als ein Passant an die Autoscheibe klopfte, soll der Angeklagte weggefahren sein. Das Mädchen schwieg, weil Stefan B. laut Anklage drohte, dass ihr und ihrer Familie sonst etwas zustoßen würde.

Die Anklage ist kaum verlesen, da ist der erste Prozesstag schon wieder vorbei. Der Grund: Der Vorsitzende Richter Jochen Bösl verkündet, dass es neue Zeugenaussagen gibt, die der Münchner Verteidiger des Angeklagten, Dr. Adam Ahmed, gründlich lesen will.

Es handelt sich dabei wohl Aussagen von Mithäftlingen. Diese entstanden, nachdem der Angeklagte in der Untersuchungshaft von einem Zellennachbarn niedergestochen worden war (tz berichtete). Der Prozessbeginn, der für den 19. Januar festgesetzt war, musste daraufhin verschoben werden.

Der Mordprozess beginnt also am 25. Februar erst richtig. Dann wird sich möglicherweise auch der Angeklagte zu den Vorwürfen äußern. Strafverteidiger Adam Ahmed machte zudem deutlich, dass Stefan B. bisher kein Geständnis abgelegt habe. „Ein solches habe ich in den Akten nicht gefunden“, sagt der Strafverteidiger zur tz.

Der Prozessauftakt fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt, weil ein Halbbruder von Franziska O. dem Angeklagten gedroht hatte. JAM

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