Rollstuhl statt Aktiv-Rente

Nach Bandscheiben-OP gelähmt: 65-Jähriger klagt

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Klagen vor Gericht, statt den Ruhestand genießen zu können: Heinz-Jürgen D. und seine Frau Annemarie.

Passau - Heinz-Jürgen D. (65) ist seit einer missglückten Bandscheiben-Operation im Mai 2007 querschnittsgelähmt. Seither kämpft er um Schmerzensgeld und Schadenersatz vom Klinikum Deggendorf.

Heinz-Jürgen D. (65) hatte sich seinen Ruhestand so schön vorgestellt. Nach der harten Arbeit als Schweißer wollte er den Jagdschein machen und mit seiner Frau Annemarie viel unternehmen. „Aber das geht jetzt nicht mehr“, seufzt er. Der 65-Jährige aus Salzweg (Kreis Passau) ist seit einer missglückten Bandscheiben-Operation im Mai 2007 querschnittsgelähmt. Seither kämpft er um Schmerzensgeld und Schadenersatz vom Klinikum Deggendorf.

Seit dem Jahr 2000 hatte Heinz-Jürgen D. starke Schmerzen zwischen den Schulterblättern, gegen die er bisweilen sogar Morphium bekam. Seine Probleme rührten von einem Bandscheibenvorfall und einer Verengung des Wirbelkanals her. Sein Arzt riet ihm zu einer Operation in der Klinik Deg­gendorf. „Es hieß, ich bin in zehn Tagen wieder zu Hause“, sagt D.

Aber es kam anders: Als er erwachte, konnte er seine Beine nicht mehr bewegen – er war querschnittsgelähmt. Alle Rettungsversuche scheiterten. Nach 14 Tagen wurde er ins Unfallkrankenhaus Murnau verlegt. Vergebens. Nur in 0,2 Prozent aller solchen OPs kommt es zu einer Lähmung.

Bis heute ist unklar, was genau passiert ist. D. weist die Schuld den Operateuren in Deggendorf zu. Vor dem Landgericht Deg­gendorf klagte er auf 300.000 Euro Schmerzensgeld sowie den Ersatz materieller Schäden, die mit 400.000 Euro beziffert werden. Vergebens. D. legte Berufung beim Oberlandesgericht (OLG) München ein.

Der Sachverständige, Neurochirurg Dr. Jan Mehrkens aus Großhadern, konnte nicht mit Gewissheit sagen, zu welchen Komplikationen es bei der Operation gekommen war. Man sei erst von einer traumatischen Schädigung ausgegangen, sagte er – sprich, einer Verletzung des Rückenmarks. Tatsächlich sei jedoch eine Ischämie wahrscheinlicher, eine Minderdurchblutung. Dadurch sei es zum Infarkt des Rückenmarks gekommen, bei dem dieses abstirbt. „Ich würde also nicht sagen, dass man den Behandlern einen Fehler vorwerfen kann. Und erst recht keinen groben Behandlungsfehler.“ Die Dokumentation der Operation belegt eine starke Blutung von 800 Millilitern. „Das kann vorkommen“, sagte Mehrkens, es lasse keinen Rückschluss auf einen Behandlungsfehler zu.

Blieb noch die Frage, ob der Patient ausreichend über mögliche schwere Komplikationen aufgeklärt wurde. Zwar hat Heinz-Jürgen D. einen Aufklärungsbogen unterschrieben. „Aber über so ein Risiko wurde nicht geredet“, sagt er. Der Oberarzt sei genervt gewesen, weil seine Frau so viel gefragt habe. Wenn die Möglichkeit einer Querschnittslähmung erwähnt worden wäre, hätte er sich nicht operieren lassen, sagt Heinz-Jürgen D. Das OLG entscheidet im Juli.

Nina Gut

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