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Das Rätsel um Melanie

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Melanie S.

Bad Wiessee - Was ist nur mit Melanie (15) passiert? Noch immer rätselt die Polizei Bad Wiessee über den mysteriösen Fall der Münchner Schülerin, die am Mittwochmittag lebensgefährlich verletzt am Schildenstein gefunden worden war.

Melanie selbst kann dazu noch nichts sagen – sie liegt in der Unfallklinik Murnau im künstlichen Koma, ist inzwischen aber außer Lebensgefahr. Frühestens am kommenden Mittwoch wollen die Ärzte Melanie langsam zurückholen. Erst Ende der Woche kann die Polizei sie dann befragen.

Mysteriöser Bergunfall: Vermisste Münchnerin (15) schwer verletzt gefunden

Am Mittwochmittag war die Schülerin aus München etwa 150 Meter unterhalb des Gipfels (1614 Meter) gefunden worden. Mehrere Wanderer sahen sie, wie sie am Wegesrand kauerte. Das Mädchen war schwer verletzt, blutete. Die besorgten Männer sprachen sie an. „Ich bin nur müde. Lassen Sie mich in Ruhe“, sagte Melanie. Die Wanderer blieben hartnäckig, sie stützten das Mädchen und führten es bergab. Melanie ging es dabei immer schlechter, wirkte zunehmend verwirrt, klagte über starke Schmerzen. Über Handy setzte ein Helfer einen Notruf ab. Ein Rettungshubschrauber flog Melanie ins Krankenhaus.

Die Ärzte diagnostizierten ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Fersenbeinbruch, eine offene Nasenbeinfraktur, eine Brustkorbprellung sowie einen gebrochenen Brustwirbel. Die Polizei in Bad Wiessee vermutet, dass sich Melanie bei einem Sturz vom Gipfel des Schildenstein so schwer verletzt hatte. Dort gibt es eine Felsrinne, die sie wohl hinunterfallen war. Unklar ist, wo Melanie die Nacht zum Mittwoch verbracht hat. Sie war laut Polizei bereits am Dienstag mit Zug und Bus nach Kreuth gefahren. Sie trug eine Sommerjacke und einen blau-roten Rucksack mit Wechselwäsche.

Laut Polizei hatte Melanie keinerlei Streit mit den Eltern, auch sonst hatte sie keine Probleme. Die Polizei sucht weiterhin Zeugen, die Licht in den mysteriösen Fall bringen können, die Melanie am Schildenstein gesehen haben. Hinweise an die Polizei Bad Wiessee unter Telefon 08022/98780.

J. Mell

Die Chance auf einen Neuanfang

Wir sprachen mit der Psychologin Bettina von Schorlemer (48) über den Fall Melanie.

Wenn ein Teenager von zuhause flüchtet: Warum sucht er sich einen Ort, der ihm nicht vertraut ist – wie bei Melanie die Berge?

Bettina von Schorlemer: Das ist mehr als ungewöhnlich. Jeder sucht sich einen vertrauten Ort, das gilt auch für Erwachsene. Aber ich glaube, Melanie hat sich mit diesem Ort beschäftigt – sei es, dass ihr von den Bergen erzählt wurde, sei es als eine Mutprobe. Aber es ist eigentlich auch sehr ungewöhnlich, seinen Rückzugsort anzugeben.

Warum „eigentlich“?

Schorlemer: Es sei denn, man will gefunden werden, nach dem Motto: Wenn ihr mich wirklich liebt, dann findet ihr mich auch.

Ist das im Prinzip ähnlich wie bei einem Suizid-Versuch?

Schorlemer: Da gibt es tatsächlich Parallelen. Viele Selbstmord-Versuche führen mit Absicht nicht zum tödlichen Ende. Sie sind ein Hilferuf mit dem Gedanken im Hinterkopf: Ich weiß, dass ich gefunden werde!

Melanies Eltern können sich das Tun ihrer Tochter nicht erklären …

Schorlemer: Das ist im Vorfeld für Eltern auch fast unmöglich. Hinter Melanies Verhalten steckt eine große seelische Not. Insofern ist jetzt die Chance für alle da, neu anzufangen. Melanie hat sicher viel zu erzählen.

Also hat diese Tragödie auch eine Art heilsame Wirkung?

Schorlemer: Absolut! Und zwar für die ganze Familie. Es geht nicht um Schuld, sondern darum, einander jetzt zu verstehen.

Interview: Matthias Bieber

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