Jäger rät: Mit Eisenstange erschlagen

Fuchs erleidet Todesqualen - und keiner hilft

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Ein gesunder Rotfuchs: So fit ist der Fuchs in Schaftlach sicher nicht mehr.

Schaftlach - Seit 14 Tagen schleppt sich ein todkranke Fuchs durch die Schaftlacher Vorgärten. Die Anwohner wollen helfen. Doch der "gute" Rat eines Jägers empört selbst Jagd-Kollegen.

Der Fuchs kommt fast täglich seit zwei Wochen, sucht Schutz unter einem Holzverschlag der Veranda. Die Anwohner am Schaftlacher Taubenbergweg sind verzweifelt: "Das ist ein Drama", sagt Maria Nowak aus Schaftlach. "Nicht mal die Augen kriegt er noch richtig auf." Das Tier hat kaum mehr Fell, Schwanz und Nacken bestehen nur noch aus wunder Haut durchsetzt mit Milben und "hunderten Zecken". Das Tier leidet sichtlich, täglich und das vor den Gartentüren der Schaftlacher. Maria Nowaks Mann, Edmund, würde ihn gerne von seinem Leid erlösen und ruft einen Jäger aus der Nachbarschaft.

Er könne nichts tun, sagt der Jäger. Erstens ende sein Revier an der Ortsgrenze zu Schaftlach. Zweitens dürfe er innerorts nicht schießen. Stattdessen habe der Jäger laut Anwohner Edmund Nowak zu drastischen Maßnahmen geraten: "Nehmen sie eine Eisenstange und erschlagen sie ihn." Der betreffende Jäger bestätigt die Aussage. Er würde ja gerne helfen, sagt der Jäger unserer Zeitung, aber ihm seien schlichtweg die Hände gebunden.

Der Satz mit der Eisenstange habe Edmund Nowak (71) wie ein Schlag getroffen, sagt er. Aber er würde dem Tier gerne helfen. Mit Katzenfutter versuchte das Ehepaar Nowak das Tier aus seinem Verschlag unter der Veranda zu locken. "Aber bis wir ihn packen wollten, ist er schon wieder weg." Und die Nowaks müssen das Leiden des Tieres weiter mit ansehen. In ihrer Verzweiflung wendeten sich die Anwohner am Freitagnachmittag an unsere Zeitung.

Mit dem Eisenstangen-Rat des Jägers konfrontiert, reagiert Martin Weinzierl, Kreisvorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes in Miesbach, geschockt: "Jeder Jagdberechtigter hat die Pflicht, sich einem derart kranken Tier anzunehmen." In Notfällen sei es durchaus möglich, eine Schießerlaubnis in einer geschlossenen Ortschaft zu bekommen.

"Dafür genügt ein Anruf beim Landratsamt. Jeder vernünftig ausgebildete Jagdberechtigte weiß das.", meint Weinzierl. Der Ratschlag des Jägers zeuge von "gefährlicher Unwissenheit". Weinzierls Kollege vom Ökologischen Jagdverband, Bernhard Bendel, bekräftigt: "Das ist weder nach dem Tierschutzgesetz noch nach dem Jagdgesetz in irgendeiner Weise tolerabel."

Inzwischen haben die Nowaks einen weiteren ortsansässigen Sachverständigen gefunden, in der Hoffnung, dass die Leidensgeschichte des Fuchses bald ein Ende hat.

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