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Mutter kämpft gegen Heimträger

Räumungsklage: Pflegeheim will Seniorin loswerden

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Heidemarie Stuck, 72, und ihre Tochter Miriam im Sommer bei einem Fest im Seniorenheim. Seit April lebt die 72-Jährige auf der Demenzstation im „Schlierachwinkel“. Der Betreiber Vitanas betreibt neben dem Haus in Miesbach vier weitere Einrichtungen in Bayern, eine davon in München. Der Hauptsitz von Vitanas befindet sich in Berlin.

Miesbach - Schwere Vorwürfe gegen einen Altenpfleger in Miesbach: Er soll eine Seniorin angegriffen haben. Jetzt kämpft ihre Tochter gegen den Heimträger. Denn der will die Bewohnerin plötzlich loswerden – per Räumungsklage.

Miriam Stuck, 46, besucht ihre Mutter Heidemarie fast täglich im Senioren Centrum Schlierachwinkl in Miesbach. Dort lebt die 72-Jährige seit April – sie leidet an Demenz. Als Miriam Stuck am 19. Juni ihr Zimmer betritt, ist die Seniorin völlig aufgelöst, erzählt unter Tränen, dass ein Pfleger sie angegriffen habe. Ob das tatsächlich passiert ist? Miriam Stuck glaubt ihrer Mutter und erstattet Anzeige – und hat kurze Zeit später eine Klage am Hals. Doch von Anfang an.

Die Seniorin genießt im Heim gewisse Freiheiten, darf abends länger fernsehen, morgens ausschlafen – so nehmen die Pfleger Rücksicht auf ihre früheren Gewohnheiten. Jeden Abend knipst Heidemarie Stuck selbst das TV-Gerät aus und geht schlafen. In der Nacht auf den 18. Juni hat auf der Demenzstation ein Pfleger Dienst, der sonst in einer anderen Etage arbeitet. Der Mann, so die Version der Seniorin, sei handgreiflich geworden, woraufhin sie das Bewusstsein verlor. Kurze Zeit später, so erzählt sie es der Tochter, kommt sie zu sich und sperrt aus Angst die Tür zu.

Als Tochter Miriam das hört, will sie mit der Heimleitung sprechen – auch, weil sie als Bevollmächtigte nicht sofort von dem Vorfall benachrichtigt wurde, sondern erst einen Tag später zufällig davon erfährt. Doch sie wird vertröstet, ein Termin sei erst in einigen Tagen möglich. „So viel Zeit wollte ich nicht verstreichen lassen“, sagt Miriam Stuck unserer Zeitung. Ihr ist klar, dass der Vorfall schon aufgrund der Demenzerkrankung ihrer Mutter schnell aufgeklärt werden muss. Also zeigt die 46-Jährige den Pfleger bei der Kriminalpolizei Miesbach an, ein Sprecher bestätigt das. Laut Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich laufen gegen den Pfleger Ermittlungen. Wie Miriam Stuck berichtet, hat auch ihre Mutter bei der Polizei ausgesagt. Die Beamten legten ihr mehrere Bilder von fremden Männern vor – den Pfleger erkannte sie auf Anhieb. Nach der Anzeige wurde auch das Landratsamt aktiv. Wie Sprecherin Gabriele Dorby bestätigt, hat die Heimaufsicht ein Beschäftigungsverbot für den Pfleger angeordnet – „bis die Schuldfrage geklärt ist“.

Doch Miriam Stuck kämpft noch an anderer Front. Sie hatte sich nach Gesprächen mit der Heimleiterin schriftlich bei der Berliner Zentrale von Vitanas, einem Betreiber mit 4800 Pflegeplätzen bundesweit, beschwert. Der erste Antwortbrief war freundlich, man nehme die Informationen sehr ernst und werde Miriam Stuck „erneut unaufgefordert kontaktieren“. Doch mit dem nächsten Schreiben kam am 28. August die fristlose Kündigung des Heimvertrages. Heidemarie Stuck habe den Heimplatz bis 12. September zu räumen. Die Begründung: Ihr Verhalten gegenüber Mitbewohnern und Pflegern sei oft laut, aggressiv. In mehreren Fällen habe sie Schimpfwörter verwendet, kurz nach dem Einzug habe sie eine andere Bewohnerin grundlos attackiert – eine Fortsetzung des Heimvertrags sei nicht zumutbar.

Die Räumungsklage und vor allem der Zeitpunkt sorgt nicht nur bei Miriam Stuck und ihrem Anwalt, sondern auch beim Personal für Verwunderung. Hinter vorgehaltener Hand erzählen Mitarbeiter, dass die 72-Jährige zwar manchmal laut und auch aggressiv sei – doch das gehöre zum Krankheitsbild der Demenz. „Frau Stuck ist nicht schlimmer als andere Bewohner“, heißt es. Man sei ja erfahren im Umgang mit Demenzkranken. Und auch Miriam Stuck, die gar nicht abstreitet, dass ihre Mutter krankheitsbedingt schwierig sein kann, dachte, die 72-Jährige sei auf der Demenzstation gut aufgehoben. Ihr Zustand habe sich seit dem Einzug im April nicht verschlechtert. Weil Miriam Stuck sich im Recht fühlt und ihre Mutter eigentlich gerne in dem Heim lebt, wies ihr Anwalt die Klage zurück. Sie sei unverhältnismäßig. Das Landgericht München II setzte daraufhin Ende November eine Güteverhandlung an.

Vitanas äußert sich mit Verweis auf Datenschutz und das laufende Verfahren nicht zu den konkreten Vorwürfen. Sie seien aber von dem Mitarbeiter bestritten worden, so die Auskunft des Anwalts Thomas Barthol. Man unterstütze die Staatsanwaltschaft in jeder Hinsicht und betreue gleichzeitig das eigene Personal, das geschockt sei. Der betroffene Pfleger arbeite inzwischen nicht mehr für die Einrichtung. Die Mitarbeiter in Miesbach sind, so beteuert Barthol, geschult im Umgang mit Demenzkranken. „In besonderen seltenen Fällen kann es jedoch vorkommen, dass die Betreuungsmöglichkeiten und Ressourcen hier an Grenzen stoßen.“ Die Kündigung eines Heimvertrags sei die „Ultima Ratio“, von der nur Gebrauch gemacht werde, wenn „ganz außergewöhnliche Umstände dieses erfordern“.

Carina Lechner

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