Verstärkte Tempo-Kontrollen

A95: Die Raser-Autobahn

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Runter vom Gas: Viele Raser sind auf der A95 unterwegs.

Landkreis - Tempo 169 statt erlaubter 80: Das zeigte das Messgerät am Autobahn-Ende bei Eschenlohe an. Ein Araber hatte das Limit einfach ignoriert. Kurz zuvor ein ähnlicher Fall. Einen Raser-Tourismus beobachtet die Polizei zwar nicht. Aber: Die A95 ist beliebt für hohes Tempo – und zwar aus diversen Gründen.

Auf der Autobahn 95 darf Gas gegeben werden. Das wissen die Fahrer. Und das nutzen sie auch. „Grundsätzlich haben wir auf unserer A 95 relativ hohe Geschwindigkeiten,“ sagt Hubert Schwaiger, Dienststellenleiter der Verkehrspolizei Weilheim, die für die Strecke vom Luise-Kiesselbach-Platz bis zum Autobahnende bei Eschenlohe zuständig ist. Eben dort stehen seine Beamten regelmäßig, ausgerüstet mit dem Laser für Temposünder.

In schöner Regelmäßigkeit schlägt er an. Vor etwa vier Wochen muss das Messgerät rotiert sein: Ein Tourist aus den Vereinigten Arabischen Emiraten raste mit seinem Miet-Mercedes mit 169 Stundenkilometern in die Kontrolle. 80 waren erlaubt. Kurz zuvor hatte es einen ähnlichen Fall gegeben; ein weiterer Araber überbot die erlaubte Geschwindigkeit um etwa das Doppelte. Zufall, betont Schwaiger. Aus diesen beiden Fällen ließen sich keine Schlüsse ziehen. „Das Schnellfahren ist hier keine Frage der Nationalität.“

Der Chef der Verkehrspolizei in Weilheim beobachtet auch keine Zunahme an Touristen, die in ihrer Heimat durch ein Tempolimit auf Autobahnen ausgebremst werden und zum Schnellfahren extra nach Deutschland reisen. Auffällig aber ist: Häufig halten die Beamten am Autobahnende bei Eschenlohe Ausländer wegen überhöhter Geschwindigkeit auf. Was Schwaiger zufolge schlicht an der Strecke liegt: „Die Leut’, etwa aus Italien, fahren über die A95 nach Hause.“

Daraus ergibt sich eine weitere Besonderheit – für das Einfordern der Strafe. Generell gilt für Geschwindigkeitsübertretungen ein Bußgeldkatalog. Er ist auf Fahrlässigkeit ausgelegt. Rast aber einer, wie der Tourist in seinem Leih-Mercedes, mit über 160 Sachen durch die Kontrolle, „gehen wir von Vorsatz aus“. Denn bis das Messgerät ausschlägt, hat der Fahrer bereits drei oder vier Hinweisschilder auf Tempo 100 beziehungsweise 80 passiert. „Und bei Vorsatz verdoppelt sich die Geldbuße.“

Deutsche geben lediglich ihre Personalien an, Ausländer müssen sofort bezahlen. „Die sehe ich ja sonst nie mehr.“ Satte 1200 Euro musste der Araber für seine Raserei berappen – und zückte sofort die Scheine. Sicher eine Ausnahme – kaum einer hat so viel Bargeld bei sich. Darauf sind die Beamten eingestellt: Sie bringen den Fahrer einfach zu einem Geldautomaten und lassen ihn den Betrag abheben.

In puncto Geld räumt Schwaiger mit einem Vorurteil auf: Die Polizei kontrolliere nicht, um Kasse zu machen, sondern um Unfälle zu vermeiden. Denn Statistiken belegen: Die schwersten Folgen entstehen bei Kollisionen mit überhöhter Geschwindigkeit. Deshalb setzt die Polizei auf verstärkte Kontrollen.

Auf der A95 aber tut sie sich schwer: Es gibt kaum Tempobegrenzungen. „Theoretisch kann ich mein Auto über eine relativ lange Strecke ausfahren“, sagt Schwaiger. Besonders im Blick hat der Chef der Verkehrspolizei die Tempolimits bei Nässe – wegen der Aquaplaning-Gefahr. „Aber die interessieren niemanden.“ Auch hier bleiben die Kontrollen ein Problem: Die Fälle landen regelmäßig vor Gericht; Nässe, also sichtbare Gischt, lässt sich nicht immer beweisen. Neben wenigen Schildern spricht ein weiterer Punkt für die A95 als Tempo-Autobahn: die niedrige Verkehrsdichte.

Daten dazu erfasst die Autobahndirektion Südbayern. Bei der A95 sinkt die Verkehrsbelastung ab Wolfratshausen, am Ende liegt sie nur noch bei 12 000 Fahrzeugen am Tag (siehe Kasten). „Dies ist für eine Autobahn sehr gering“, sagt Pressesprecher Josef Seebacher. Gerade der Schwerverkehr nutzt die Strecke kaum. „Hier hat die A8 fünf- bis zehnmal so hohe Werte.“ Dort wird das Tempo permanent per Schilder gedrosselt. Dies ist auf der A95 Schwaiger zufolge aktuell nicht im Gespräch. Sie dürfte also eine Tempo-Strecke bleiben.
Katharina Bromberger

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