Reiches Ehepaar geschlagen, gefesselt und bestohlen

Brutaler Raubüberfall am Tegernsee: Verhandlung beginnt

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Ein brutaler Raubüberfall im Januar 2014 in Rottach-Egern schockierte die Menschen im Tal.

Rottach-Egern - Die Tat war an Brutalität kaum zu übertreffen, die Beute riesig: Im Januar 2014 haben drei Männer ein Rottacher Ehepaar daheim überfallen, misshandelt und ausgeraubt. Jetzt kommen sie vor Gericht.

Es müssen schreckliche Ängste gewesen sein, die das Ehepaar aus Rottach-Egern (damals 71 und 74 Jahre alt) an jenen beiden Tagen im Januar 2014 ausgestanden haben. Am 8. Januar dringen abends drei maskierte Männer in das Haus der Senioren ein, überwältigen die beiden mit Pfefferspray und schlagen vor allem den Mann brutal zusammen. Anschließend fesseln und knebeln sie das Paar und räumen ihr Haus aus.

Erst einen Tag später, am Mittag, findet ein Nachbar die Opfer und kann sie aus ihrer fürchterlichen Lage befreien. Völlig verstört kommen sie in ein Krankenhaus, wo sie über Tage behandelt werden. Die Täter haben Bargeld, Armbanduhren und andere Wertgegenstände gestohlen und sind geflüchtet.

Nach Monaten der Ermittlungen und einer gigantischen Belohnung von 250.000 Euro gelingt es einem Polizistenteam die Täter im Oktober 2014 zu fassen. Es handelt sich um einen 56-Jährigen aus Dortmund, einen 49-Jährigen aus Lünen (NRW) und den 42-jährigen Bruder des Mannes aus Lünen, der etwas später in Russland festgenommen wird.

Ab kommenden Mittwoch, 11. November, müssen sich die drei Täter nun vor dem Landesgericht München II verantworten. Die Anklage gegen die beiden 49 und 42 Jahre alten Männer lautet auf versuchten Mord. Denn aus Sicht der Staatsanwaltschaft war es pures Glück, dass die Eheleute den Überfall überlebten.

Das Verbrecherduo aus Lünen bestritt den Überfall. Allerdings wurde auf der Kleider der Opfer entsprechende DNA gefunden, obwohl die vorbestraften Männer versucht hatten, alle Spuren zu beseitigen. Zudem wurden Teile der Beute gefunden, einige wertvolle Porzellan-Figuren aus dem 18. Jahrhundert, die sich wohl nicht verkaufen ließen.

Selbst ein Antiquitäten-Händler (75) aus dem westfälischen Hagen nahm ihnen die Stücke nicht ab, dafür aber andere. Deshalb auch sitzt er ab Mittwoch mit auf der Anklagebank. Der Vorwurf gegen ihn lautet auf gewerbsmäßige Hehlerei. Der vierte Mitangeklagte aus Dortmund (56) soll der Initiator des Überfalls gewesen sein. Er schuf angeblich die ersten Kontakte zu wohlhabenden älteren Menschen am Tegernsee, bei dem es sich lohnenswert erschien, sie zu überfallen. Dafür ließ er sich bereits im Jahr 2013 in die Tegernseer Gesellschaft einschleusen, entwickelte ein gewisses Vertrauensverhältnis zu seinen Opfern. Im vorliegenden Fall erkannte er auch die Vorliebe des Ehepaares für teure Uhren und kostbaren Schmuck sowie die Sammelleidenschaft besagter Exklusiv-Porzellanfiguren.

Der Prozess ist auf zunächst 13 Verhandlungstage bis Mitte Januar 2016 angesetzt. Vermutlich bestreiten die Angeklagten weiterhin jegliche Tatbeteiligung.

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