Anwalt warnt: Grusel-Trend strafbar

Darf ich mich gegen Horror-Clowns wehren?

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Horror-Clown-Angriffe können ernste strafrechtliche Folgen nach sich ziehen. Abzuwägen ist jedoch, ob nur ein „grober Unfug“ vorliegt.

München - Vor Halloween häufen sich Meldungen über Horror-Clowns in Deutschland. Ein Anwalt erklärt: Wie strafbar der Grusel-Trend ist. Und: Darf ich mich wehren?

Update vom 26. Oktober 2016: Auf Whatsapp kursiert derzeit eine Kettenmail, die vor einer „Säuberung“ warnt, die Horror-Clowns an Halloween planen. Das sagt die Polizei zur Horror-Clown-Nachricht.

Solche gruseligen Szenen mehren sich derzeit in ganz Deutschland: Ein Clown, der mit langsamen Schritten auf einen Jungen zugeht. In seiner rechten Hand schwingt eine Axt. Das Opfer erleidet fürchterliche Angst.

So geschehen am Wochenende im Westpark in München. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit sprang eine Person mit Clown-Maske und mit schwingender Axt aus dem Gebüsch und rannte auf einen 10-jährigen Buben zu, der gerade vom Fußballtraining kam. Der Junge fuhr sofort nach Hause und erzählte seiner Mutter von dem Vorfall. Diese verständigte daraufhin die Polizei.

Auftritte wie dieser sind Teil eines Hypes, der seinen Ursprung in Amerika hat. Dort traten Ende August die ersten Fälle von Grusel-Clowns auf, die sowohl Kinder als auch Erwachsene in Schrecken versetzten.

Welche rechtlichen Folgen drohen den Horror-Clowns in Deutschland?

Timo Westermann, Rechtsanwalt für Strafrecht in München, klärt über die strafrechtlichen Folgen des Clown-Hypes auf.

Doch wie legal ist der Trend eigentlich in Deutschland? Wo hört der Spaß auf und wo fangen strafrechtliche relevante Taten an? Timo Westermann, Rechtsanwalt für Strafrecht in München klärt auf: "Der Spaß hört auf, wenn es sich um eine Nötigung handelt. Dieser Tatbestand liegt durchaus vor, wenn eine Person eine andere absichtlich erschreckt.“ Das könne man nicht immer als Unfug abtun, wenn jemand dazu auch noch ein Clowns-Kostüm trägt. Denn der Täter will ja, dass sein Opfer sich erschreckt und auch von dem Ort, an dem er sich befindet, wegläuft. Aber die Situation kann sich noch heikler entwickeln: „Es kann sich auch um Körperverletzung handeln, wenn das erschreckte Opfer sich selbst verletzt oder einen Schock erleidet“, sagt Westermann.

Ziemlich einmalig sei laut Westermann diese Welle, die momentan durch München rollt. „Aber dass man für's Erschrecken jemanden bestraft hat, ist mir noch nicht untergekommen. Gerade in diesem Fall hat die Justiz aber angekündigt, hart durchgreifen zu wollen.“ Meist handelt es sich bei den Tätern um Jugendliche, sie werden entsprechend nach dem Jugendstrafrecht behandelt: Oftmals erhalten sie Weisungen, Sozialstunden oder einen Freizeit-Arrest, so Westermann. Bei Erwachsenen führen solche Taten zu Geldstrafen.

Aber es seienauch härtere Strafen möglich, wenn die Täter im Clown-Kostüm Elektroschocker verwendeten oder ein Messer zückten: „Das kann eine Freiheitsstrafe nach sich ziehen, die zur Bewährung ausgesetzt wird.“ Waffen oder gefährliche Gegenstände seien immer strafverschärfend. Denn: „Wer die mitführt, macht das auch bewusst, um sie einzusetzen. Die Geschädigten wissen ja nicht, ob die Waffe echt ist oder nur eine Attrappe. Hier liegt dann oft auch eine Bedrohung vor,“ sagte Westermann.

Erleidet ein Clown-Opfer einen Herzinfarkt, kann fahrlässige Tötung vorliegen

Wer Ersttäter sei, könne auch mit einer Geldstrafe davonkommen oder kriege eine Bewährung aufgebrummt - viel härter seien die Strafen nicht. Anders liegt der Fall laut Westermann jedoch, wenn das erschreckte Opfer einen Herzinfarkt erleidet: „Da reicht das Strafmaß bis hin zur fahrlässigen Tötung mit bis zu mehreren Jahren Haft.“ Noch dazu komme, dass der Täter die Einsatzkosten der Polizei tragen muss. Hier fallen bis zu 10.000 Euro an. „Beides ist überhaupt nicht witzig“, sagte der Rechtsanwalt.

„Solche Gags können üble Folgen haben“, sagte auch Bayerns Innenminister Herrmann kürzlich der „Passauer Neuen Presse“. Er kündigte an, jeden Fall konsequent zu verfolgen und zu ahnden. Nordrhein-Westfalens Justizminister Kutschaty warnte zudem: Auch wenn dem Opfer nichts passiere, könne die Tat eine strafbare Bedrohung sein. „Und auch hierfür kann der demaskierte Clown schon bis zu einem Jahr im Gefängnis landen.“

Wie darf ich mich gegen einen Grusel-Clown wehren?

„Natürlich gibt es die Möglichkeit der Notwehr,“ sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums München. Jedoch müsse die Situation gut abgewägt werden, denn: „Nur wenn jemand eine Maske trage, begehe er nicht automatisch eine Straftat, so der Polizeisprecher. Laufe ein Clown zum Beispiel hinter einem Auto her und rufe „Buh!“ sei dies noch kein Angriff. Laufe ein Maskierter jedoch mit Axt oder Messer auf eine Person zu, so sei es durchaus erlaubt, sich zu verteidigen. Dann trete Paragraph 32 des Strafgesetzbuches, nämlich Notwehr, in Kraft. Auch wenn jemand eine andere Person beschütze, sei dies laut Paragraph 34 und 35 des Strafgesetzbuches, der sogenannten Nothilfe, legal. 

In erster Linie empfiehlt die Polizei jedoch, bei einer Clown-Begegnung lieber Abstand zu gewinnen. „Man sollte nicht auf Konfrontation gehen“, rät der Polizeisprecher. Auch wenn viele User dies in sozialen Netzwerken ankündigen:

Denn eine Überreaktion könne dazu führen, dass sich der Kontrahent selbst strafbar mache. Es solle daher ein Notruf abgesetzt werden, damit die Polizei prüfen kann, ob ein strafrechtlicher Tatbestand vorliegt. Oder, wie zu Halloween nicht undenkbar, eben nur „grober Unfug“.

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