Eurasburg: Selbst erfahrene Retter sind schockiert

Bad Tölz-Wolfratshausen - Drei Männer verloren am Sonntag ihr Leben, nachdem ihr Porsche gegen einen Baum geprallt war. Die Unfallbilder gingen selbst erfahrenen Einsatzkräften unter die Haut.

Ein Knäuel aus Blech und Kunststoff, das einmal ein Auto war. Drei eingeklemmte, durch den furchtbaren Aufprall entstellte und getötete Unfallopfer. Eindrücke, die auch erfahrene Einsatzkräfte an die Grenzen ihrer psychischen Belastbarkeit geführt haben.

Eurasburg: Trauer am Unfallort

Eurasburg: Trauer am Unfallort
Eurasburg: Trauer am Unfallort © Sabine Hermsdorf
Eurasburg: Trauer am Unfallort
Eurasburg: Trauer am Unfallort © Sabine Hermsdorf
Eurasburg: Trauer am Unfallort
Eurasburg: Trauer am Unfallort © Sabine Hermsdorf
Eurasburg: Trauer am Unfallort
Eurasburg: Trauer am Unfallort © Sabine Hermsdorf
Eurasburg: Trauer am Unfallort
Eurasburg: Trauer am Unfallort © Sabine Hermsdorf

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Darum gibt es den Kriseninterventionsdienst (KID), eine Einrichtung des Bayerischen Roten Kreuz, die den Betroffenen hilft, mit der Situation klar zu kommen. „Wir wurden am Sonntagmorgen frühzeitig vom Einsatzleiter alarmiert“, sagt Toni Schwaiger, der Technische Leiter des KID Bad Tölz-Wolfratshausen. Gegen 5 Uhr, zirka eine Stunde, nachdem der Porsche Cayenne kurz hinter der Ortschaft Achmühle gegen einen Baum geprallt war, traf Schwaiger mit einem Kollegen am Unfallort ein. „Wir mussten uns erst ein Bild von der Lage machen“, sagt der KID-Leiter. Zunächst klärte man mit Kreisbrandmeister Paul Wenus Fragen wie: Sind junge, noch unerfahrene Feuerwehrler am Einsatzort? Gibt’s in den Reihen des BRK Praktikanten, die der Einsatz überfordern würde?

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Schwaiger ist einer der wenigen KIDler mit einer Spezialausbildung. Als „Critical Incident Stress Management-Mitglied“ (CISM) kümmert er sich insbesondere um das Wohl der Einsatzkräfte. „Wir stehen als Berater vor Ort zur Verfügung, bieten aber auch längerfristige Hilfe an“, erklärt Schwaiger. Iris Adlwarth, Leiterin des CISM im Landkreis, erwähnt die „geleitete Einsatznachbesprechung“, die dafür sorge, „dass sich jeder ein komplettes Bild vom Geschehen machen kann“. Die zum Teil grausigen Einzelheiten, die man in der Aufregung verdränge, würden dabei wieder ins Bewusstsein gerufen. „Nur so kann man den Einsatz als Ganzes verarbeiten“, betont Adlwarth.

Kreisbrandmeister Wenus schätzt die Arbeit des Kriseninterventionsdienstes. „Ab einem gewissen Punkt benötigt man qualifizierte Hilfe“, sagt der langjährige Feuerwehrmann, der seine Kameraden aus Beuerberg und Eurasburg direkt nach dem Einsatz am Sonntag im Gerätehaus versammelte. Ob das Treffen dabei half, psychische Belastungen abzubauen, stelle sich erst nach ein paar Tagen heraus. Wenn die Eindrücke die Feuerwehrmänner in ihren Träumen wieder einholen, ist Toni Schwaiger da: „Die Betroffenen müssen sich trauen, darüber zu reden. Nur über die Sprache bekommt man die Bilder aus dem Kopf“, betont der Helfer der Helfer. (gma)

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