"Klare moralische Verfehlung"

Die neue Intim-Beichte des Michael Adam

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Landrat Michael Adam auf seiner Pressekonferenz.

Regen - Landrat Adam spricht von einer Kampagne, räumt aber auch Fehler ein: „Wer Sex im Amtszimmer hatte und Arzneimittel dabei konsumiert hat, muss sich der Öffentlichkeit stellen.“

Als Michael Adam am Mittwoch bei seiner Pressekonferenz in Regen zu sprechen beginnt, senkt er immer wieder den Kopf. Das alles ist ihm sichtlich peinlich. Blass sieht er aus, müde. Aber der 28-jährige Landrat weiß: Er muss sie ablegen – diese Intim-Beichte. Jetzt! Zu groß ist der Druck von außen geworden – wegen der Schäferstündchen in seinem Konferenzraum. „In meiner Zeit als Landrat hat es mit drei Männern Sex in Amtsräumen gegeben“, sagt er in die Mikrofone. Und: Auch in seiner Zeit als Bürgermeister von Bodenmais seien „Fälle“ mit drei Männern im Rathaus geschehen. Ja, es gab sie – die heimlichen Sextreffen. Wenige Minuten später steht Adam auf, verlässt den Raum – den Blick wieder nach unten gerichtet. Betrachter der Szene stellen sich dabei automatisch die selbe Frage: Ist nun alles vorbei? Die Antwort kann nur lauten: hoffentlich!

Die Akte Adam: Seit Tagen spukt die Geschichte um die „schmutzige Sex-Affäre“ nun in den Medien herum. Die Bild am Sonntag machte den schwulen Politiker gar zur Schlagzeile. Bundesweit. Warum nur? Genau 295 Landkreise gibt es in Deutschland. Regen gehört zu den kleinsten: 78 Einwohner wohnen hier im Bayerwald auf einem Quadratkilometer. Interessiert es also wirklich den Bild-Leser in Hannover oder im fernen Kiel, dass ein junger Landrat sich mit Sexpartnern in seinen Amtsräumen getroffen hat? Wohl eher nicht.

Ja, der Fall ist seltsam: Besonders, da sich juristisch betrachtet Michael Adam nichts zu Schulden kommen hat lassen. Sein Verhalten mag „unmoralisch“ gewesen sein, aber nicht strafbar. Anders gesagt: Alles Privatsache. Und dennoch hat sich der Landrat für seine „Fehler“ mehrfach entschuldigt. Auch am Mittwoch sagte er wieder: „Das war eine klare moralische Verfehlung.“

Adams Problem – es scheint woanders zu liegen: Er hat einflussreiche Feinde. Bekannt gemacht wurden seine „Sextreffen“ nämlich von einem kleinen Anzeigenblatt in Passau. Dort kennt ein Redakteur Michael Adam persönlich und besorgte den „Kronzeugen“, der über die heimlichen Schäferstündchen auspackte. Die Geschichte wurde nun wiederum an die Lokalzeitung weitergegeben – die zum gleichen Verlag gehört wie das Anzeigenblatt. Auch sie brachte die Geschichte am nächsten Tag groß.

Wie sie nun in der Bundesausgabe der Bild am Sonntag landete, dafür scheint es zumindest eine Erklärung zu geben. Dort sitzen Personen in der Chefredaktion, die wiederum früher bei der Passauer Neuen Presse arbeiteten. Gab es hier womöglich einen Tipp?

„Eine Hetzkampagne sondersgleichen“, nannte der Landrat die Berichterstattung vor wenigen Tagen. Ist sie das? Merkwürdig ist, dass nach der Veröffentlichung der „Sextreffen“ in der großen Zeitung Gegner des Politikers im Internet sofort posteten: „Es läuft!“ Andere schrieben gar: „Jetzt haben wir ihn erledigt.“ Kurz zuvor hatte sich der Landrat zudem weitere Feinde gemacht. Ein junger Bursche war von einem Türsteher einer Disko verprügelt worden. Der SPD-Mann bezeichnete daraufhin auf seiner Facebookseite die „Mehrheit der Türsteher“ als „gehirnamputiert“. Das wiederum ist typisch Adam. Wieder ein Vorfall, wo der Politiker zu schnell und unüberlegt seine Meinung hinausposaunte.

Wie geht es also mit dem jüngsten Landrat Deutschlands weiter? Neuwahlen hat er – wie berichtet – abgelehnt. Er will die nächsten vier Jahre sein Amt als Landrat erfüllen. „Ich habe eine Aufgabe“, sagt er. Ob ihm die Bürger noch zur Seite stehen, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Auf Terminen, bei Besuchen in Altenheimen oder in Kindergärten.

Bisher waren die Regener immer stolz auf ihren Landrat. Nicht weil er schwul ist, sondern „immer seine Meinung sagt. Egal, was dann kommt.“ Eine Eigenschaft, die meist viel Ärger mit sich bringt. Wie betonte Adam am Mittwoch noch einmal: „Ich leide wie ein Hund.“ Und dann blickte er wieder zu Boden.

Armin Geier

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