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Klo-Debatte in Regensburg: „Toilettl“ statt Luxus-Abort?

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Von: Stefan Aigner

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Teuer in der Anschaffung und häufig außer Betrieb: Neues High Tech-Klo am Busbahnhof in Regensburg.
Teuer in der Anschaffung und häufig außer Betrieb: Neues High Tech-Klo am Busbahnhof in Regensburg. © Stefan Aigner

Öffentliche Toiletten sind ein Reizthema in Regensburg. Nun haben sich auch die Altstadtfreunde in diese Debatte eingeschaltet.  

Regensburg – Viel Zeit und Mühe hatten zuständigen Fachleute in der Regensburger Stadtverwaltung in einen Masterplan gesteckt, der den Mangel an öffentlichen Toiletten in der Domstadt beheben und der im März im Stadtrat beschlossen werden sollte.

Debatte um öffentliche Toiletten in Regensburg: „Masterplan Klo“ in der Warteschleife

Doch nach mehreren Runden im Koalitionsausschuss, Ergänzungen, Korrekturen, Umstellungen und Veränderungen landete am Ende eine Beschlussvorlage im Stadtrat, die einerseits in sich widersprüchlich war.

Die Koalition schwenkte um und Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer brüskierte ihre Verwaltung, indem sie zentrale Punkte aus der Vorlage strich und den „Masterplan Klo“ erneut in die Warteschleife schickte.

Öffentliche Toiletten in Regensburg: Extrem teuer - auch im Unterhalt

Auffällig an der Debatte um Toiletten ist insbesondere deren Preis. Erst kürzlich wurde am Schwanenplatz in Regensburg eine Toilette eröffnet, die – zusammen mit Unterstand, ein wenig Grünfläche und modernster Technik nach neun Jahren Planungs- und Bauzeit am Ende mit 900.000 Euro ins städtische Kontor schlug.

Eine andere Toilette, die in der Nähe der Jahninsel geplant war, aber am Ende verworfen wurde, wurde auf etwa 400.000 Euro taxiert, plus jährlichen Unterhalt im hohen fünf- bis niedrigem sechsstelligen Bereich. Und so viel sollen auch die künftig geplanten Toiletten kosten. Bislang jedenfalls. Und das scheint insbesondere daran zu liegen, dass man in der Verwaltung einen Marktführer in diesem Geschäft präferiert, dessen Preise für Ausstehende nicht nachvollziehbar erscheinen.

Öffentliche Klos: Altstadtfreunde präsentieren anderes Konzept

Eine, die sich sehr intensiv mit öffentlichen Toiletten beschäftigt hat, ist Christina Graßer. Die Ingenieurin hat Architektur studiert und sich im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Universität Bologna intensiv mit dem Thema öffentliche Toiletten auseinandergesetzt. Damals ging es um „Comfort Stations / Public Sanitary Facilities“ für New York City.

Auf Einladung von Professor Peter Morsbach hat sie dieses Konzept nun, umgearbeitet für Regensburg, bei den Altstadtfreunden im Leeren Beutel vorgestellt. Der Name: „Toilettl“. Und was Graßers Idee zumindest auf den ersten Blick sympathisch macht, ist nicht nur die transparente Gestaltung der Klo-Häuschen, die individuell an die jeweilige Umgebung anpassbar wären, sondern auch die Transparenz bei ihren Aussagen zu möglichen Kosten.

Expertin zu Klo-Preisen: „Das kann ich mir nicht erklären.“

Folgt man Graßer, dann kostet ein Modul – es handelt sich um Standardgrößen – der mittleren Preiskategorie (vor möglicherweise coronabedingten Preissteigerungen) etwa 20.000 Euro – inklusive der fest verbauten sanitären Innenausstattung, Toilette/Pissoir/Waschbecken.

Selbstverständlich kämen da noch die Fassade, Anschlüsse, eine – je nach Untergrund – notwendige Fundamentierung und – je nach Bedarf – High Tech dazu. Und hier traue sie sich auch nicht, eine zu valide Kostenschätzung zu treffen, sagt Graßer. Aber, warum die öffentliche Toilette am Schwanenplatz 900.000 Euro kostet und andere Toiletten nach dem Modell Jahninsel 400.000 Euro, könne sich weder sie erklären, noch verschiedene Architekten, mit denen sie sich über dieses Thema unterhalten hat.

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Modell „Toilettl“: Auch an Duschen wurde gedacht

Die Aufteilung der von ihr vorgestellten Module – barrierefreier Eingangsbereich, Platz für Technik und schließlich jener für die sanitären Anlagen – unterscheidet sich in keiner Weise von denen anderer – teurerer – Anbieter. Diese Module ließen sich nebeneinander, in verschiedenen Anordnungen der Umgebung angepasst, oder auch übereinander ausrichten.

Mittels einer Vakuum-Toilette und der Verwendung von Regen- oder Grauwasser ergäben sich deutliche Ressourcen-Einsparungen. Und selbst an eine kostengünstige Duschmöglichkeit beispielsweise für Obdachlose, die man integrieren könnte, hat sich Graßer Gedanken gemacht. Es handelt sich um das „Shower Loop-System“, kostenlos als Open Source zugänglich, das über verschiedene Reinigungsstufen mit lediglich zehn Liter Wasser auskommt und pro Stück gerade einmal 900 Euro kostet.

Reinigung: Eigenes Personal statt Full-Service-Betreiber-Modell

Abseits vom Preis, dem Schwerpunkt auf eine kostengünstige und doch praktikable Lösung, sind es vor allem zwei Punkte, in denen Graßers Konzept deutlich von den bisherigen Vorstellungen des Planungsreferats der Stadt Regensburg abweicht.

Zum einen plädiert Graßer für eine persönliche Betreuung der Toiletten – Reinigungs- und Servicekräfte, die sich mehrmals täglich um deren Zustand kümmern. Die Verwaltung plädiert stattdessen für eine vollautomatische Reinigung, wie sie der ursprüngliche „Masterplan Klo“ vorsah (und der am Busbahnhof kaum funktioniert und zu regelmäßigen Sperrungen des dortigen High Tech-Klos führt).

Das Full Service-Betreiber-Modell, das laut dem städtischen „Masterplan Klo“ extern vergeben werden soll, auf 15 Jahre angelegt wäre und mit Kosten von Minimum 4000 Euro monatlich – pro Klohäuschen – zu Buche schlagen würde, wäre mit dem „Toilettl“-Konzept wohl vom Tisch.

Altstadtfreunde: Es braucht eine Lösung zwischen Dixie und Luxus-Klo

Bei den Altstadtfreunden ist man am Ende recht angetan und auch der Vorsitzende der Altstadt-SPD, Alexander Irmisch, den Morsbach eingeladen hat, zeigt sich interessiert.

Man wolle die Debatte damit befruchten, betont Morsbach, um den „eklatanten Mangel an öffentlichen Bedürfnisanstalten“ endlich sinnvoll anzugehen. Denn es gebe auch noch etwas zwischen Dixie-Klo und einer Luxustoilette am Schwanenplatz für 900.000 Euro.

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