Prozess am Landgericht

Luxus-Krematorium im Landkreis Regensburg: Früherer Geschäftsführer zweigte fast 600.000 Euro für Privates ab

Schild mit der Aufschrift Landgericht
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Der Ideengeber und frühere Geschäftsführer des „grünen Krematoriums“ in Hemau musste sich am Donnerstag vor dem Landgericht Regensburg verantworten.

Der Geschäftsführer eines der modernsten Krematorien in Europa musste sich am Donnerstag vor dem Landgericht Regensburg verantworten.

Regensburg/Hemau - Es war ein Vorzeigeprojekt, eine der modernsten Anlagen in Europa: Das 2016 eröffnete „grüne Krematorium“ in Hemau (Landkreis Regensburg*), direkt neben dem dortigen Waldfriedhof. 3,5 Millionen Euro hat es laut damaligen Angaben gekostet. Mehrfach wurde in den zurückliegenden Jahren darüber berichtet.

Über die Trauerhalle, die per Beamer in das Ambiente des Regensburger Doms getaucht werden konnte. Über den Saal, in dem Leichenschmaus auf Sterneküche-Niveau geboten wurde. Und über die Liveübertragung des Urnenwaldes per Webcam ins Internet. Fünf Jahre später gibt es das Krematorium zwar immer noch, doch der Ideengeber und Geschäftsführer Andreas F. (53) steht vor den Trümmern seiner Existenz. Am Donnerstag (14. Oktober) musste er sich vor der 6. Strafkammer am Landgericht Regensburg verantworten.

Luxus-Krematorium in Hemau: Schon 2018 war man pleite

Im Oktober 2019 war die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Hemauer Krematorium angeordnet worden – auf Antrag einer Gläubigerbank. Bereits Mitte 2018 hatte die Bank die Darlehensverträge in Höhe von rund zwei Millionen Euro gekündigt. Die Betreibergesellschaft des Krematoriums hatte die Kredite seit längerem nicht mehr bedient. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte Andreas F. Insolvenz anmelden müssen. Doch das tat er nicht.

Stattdessen besorgte sich der gebürtige Münchner ein weiteres Darlehen über 650.000 Euro von einem Privatmann – vorgeblich, um eine weitere Ofenlinie zu bauen. Tatsächlich verschwand ein Großteil des Geldes in seiner eigenen Tasche. Inklusive weiterer Barabhebungen vom Geschäftskonto entzog F. der Krematoriumsgesellschaft laut Anklage insgesamt 583.000 Euro und verwendete das Geld für private Zwecke.

Geschäftsführer zweigte Geld ab: 2020 stand die Kripo vor der Tür

Als im Oktober 2019 schließlich die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet wurde standen Forderungen von fast vier Millionen Euro lediglich ein Vermögen von etwas mehr als 66.000 Euro gegenüber.

Anfang 2020 stand schließlich die Kripo vor der Tür des zu diesem Zeitpunkt bereits gefeuerten Geschäftsführers – inklusive Durchsuchungsbeschluss und Haftbefehl. Die Vorwürfe: Insolvenzverschleppung, Untreue und betrügerischer Bankrott. Ermittelt wird auch gegen die getrennt lebende Ehefrau, eine frühere Gesellschafterin der Krematoriums-GmbH und einen Mann, der Andreas F. geholfen haben soll, das Geld abzuzweigen. Er hinterlegte 50.000 Euro als Sicherheit, um nicht in den Knast zu wandern.

Pleite im Luxus-Krematorium: Ein „Deal“ bewahrt den Angeklagten vor dem Knast

Bei der Verhandlung am Donnerstag überlässt der ansonsten wortgewandte Andreas F. das Reden vor allem seine beiden Verteidigern. Michael Haizmann und Professor Jan Bockemühl haben bereits im Vorfeld des Prozesses eine Verständigung mit Gericht und Staatsanwaltschaft angestrengt. Dieser „Deal“ wird nun fix gemacht.

Andreas F. legt über seine Verteidiger ein umfassendes Geständnis ab und räumt die Vorwürfe im Wesentlichen ein. „Das bewahrt Sie hier vor dem Gefängnis“, sagt Staatsanwältin Dr. Ingrid Wein später in ihrem Plädoyer. Die hinterlegten 50.000 Euro stellt er zur Schadenswiedergutmachung zur Verfügung. Ebenso rund 7.000 Euro Bargeld, die bei der Durchsuchung sichergestellt wurden sowie eine Uhr im Wert von etwa 3.000 Euro. Mehr Geld hat Andreas F. laut eigenen Angaben nicht mehr. Er ist arbeitslos und lebt von Hartz IV.

Im Gegenzug kommt der 53-jährige mit einer Bewährungsstrafe davon. Mit einem Jahr und zehn Monaten bewegt sich die Kammer exakt in der Mitte zwischen den Forderungen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft. Hinzu kommt eine Geldstrafe von 480 Tagessätzen. Zusätzlich muss Andreas F. 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Nach Pleite im Krematorium: Ehemaligen Geschäftsführer droht Privatinsolvenz

Die Kammer hält dem Angeklagten neben seinem ansonsten straffreien Leben und dem Geständnis dabei auch zugute, dass das Konzept des Krematoriums durchaus ein tragfähiges gewesen sei. „Das war kein Unternehmen, das von vorneherein auf Betrug ausgelegt war“, sagt der Vorsitzende Richter Marcus Lang. „Wir gehen davon aus, dass er das mit Herzblut gelebt hat.“

Andreas F. sagt, dass er nach der Pleite in ein tiefes Loch gefallen sei. Die Gläubiger würden ihn nun auch privat mit Klagen überhäufen. Aktuell beliefen sich die Forderungen auf eine runde Million Euro. Eine Privatinsolvenz ist demnach nur eine Frage der Zeit. Auf dem Firmengelände des Krematoriums, das unter neuer Leitung weiterläuft, hat er Hausverbot. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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