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Kampf um Regensburger Motorboothafen: Vereine wehren sich gegen Kündigung

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Die Flächen für die Anlegestellen der Motorbootvereine am Oberen Wöhrd
Die Flächen für die Anlegestellen der Motorbootvereine am Oberen Wöhrd wurden zum Jahresende gekündigt. © Stefan Aigner

Seit Jahrzehnten schwelt in Regensburg eine Debatte um Anlegestellen am Oberen Wöhrd. Nun sollen die Vereine das Areal bis zum Jahresende räumen. Die wehren sich.

Regensburg - Die Schonfrist ist vorbei. Bereits vor gut drei Jahren hatte das Wasserwirtschaftsamt Regensburg angekündigt, die Flächen für mehrere Wassersportvereine, die sich seit den 60ern am Oberen Wöhrd angesiedelt haben, bis Ende 2021 zu kündigen. Nun ist diese Kündigung rechtskräftig. So steht es in einem Schreiben des Bayerischen Umweltministeriums:

„Wir bestätigen Ihnen hiermit, dass an die folgenden Pächter eine fristgerechte Kündigung zum 31.12.2021 durch das Wasserwirtschaftsamt Regensburg* erfolgte: Regensburger Motorboot- und Wassersportverein e. V., Motorboot- und Wasserskiclub Regensburg e.V, RT Abteilung Faltboot, Kainz Elektro + Nautic GmbH & Co KG, Bayerisches Rotes Kreuz – Abteilung Wasserwacht.“

Verbunden sei die Kündigung mit der „Aufforderung zur Räumung bzw. zum Rückbau des jeweiligen Geländes bis Ende 2021“, heißt es weiter.

Kampf um Regensburger Motorboothafen: Debatte seit Jahrzehnten

Tatsächlich schwelt die Diskussion schon seit Jahrzehnten. Vor allem der Verein „Donauanlieger“ und dessen Vorsitzender Walter Cerull hatten sich immer wieder gegen die privat verpachteten Flächen am Oberen Wöhrd gewandt. Zuletzt 2017 waren Cerull und Vertreter weiterer Bürgerinitiativen mit der Forderungen an die Öffentlichkeit gegangen, die Flächen allgemein zugänglich zu machen. Von einer „Enteignung der Öffentlichkeit“ war damals unter anderem die Rede. Von Ungereimtheiten und Problemen in Zusammenhang mit der Entstehung und Ausweitung der Anlegestellen.

2018 reagierte das Wasserwirtschaftsamt zunächst mit der Ankündigung und Ende 2020 schließlich mit dem Ausspruch der Kündigung für sämtliche verpachteten Flächen am Oberen Wöhrd.

Regensburger Motorboothafen: Umgestaltung zur Freizeitfläche geplant

Offiziell begründet wird die Kündigung mit dem 2010 vorgestellte Flussraumkonzept der Stadt Regensburg, das von verschiedenen Ämtern, Bürgern und Vereinen erarbeitet wurde. Es sieht für den Bereich zwischen Badstraße und Inselpark Erholungs- und Freizeitflächen inklusive Badebereichen vor. Der Motorboothafen befinde sich „in einem für die Naherholung sehr wertvollen Bereich“, sei aber „nur Vereinsmitgliedern zugänglich“, heißt es darin. „Bei Hochwasser stellen die Anlegestellen ein erhöhtes Risiko dar, weil nicht evakuierte Boote durch die Strömung verdriftet werden und mit Brückenbauwerken kollidieren könnten.“

Man habe die Kündigung frühzeitig angekündigt, um insbesondere den Motorbootvereinen Zeit für die Suche nach Ausweichflächen zu geben, heißt es vom Wasserwirtschaftsamt. Ursprüngliche Pläne Richtung Westhafens umzuziehen scheiterten aber. Und auch ansonsten scheint bislang kein Ersatz gefunden. Und so gibt es von den Vereinen Widerstand gegen die Kündigung.

Kampf um Motorboothafen: „Wir sind hier noch lange nicht weg“

Von einer Klage gegen die Kündigung spricht bislang zwar niemand – man befinde sich noch in Verhandlungen mit den Behörden, heißt es durchweg von Vereinen und dem ebenfalls betroffenen Unternehmen Kainz Boote „Wir suchen eine einvernehmliche Lösung“, sagt beispielsweise Wolfgang Prause, Vorsitzender des R.M.W.V. Dazu sei man mit einer Vielzahl von Behörden in Kontakt und führe immer wieder Gespräche.

Reinhold Kerscher, Vorsitzender des Motorboot- und Wasserskiclub Regensburg e.V, wird etwas deutlicher. „So einfach kann das nicht gehen“, sagt er. Schließlich seien mehrere Vereine und eine Firma betroffen. „Wir sind hier noch lange nicht weg.“

Die Vereine haben sich nun auch an das Bayerische Verkehrsministerium gewandt, um dort Druck zu machen. Dessen „Masterplan Freizeitschifffahrt“ sieht vor, diese Freizeitschifffahrt bundesweit zu stärken. Da müsse es auch für Regensburg eine Lösung geben, so die Hoffnung.

Regensburger Motorboothafen: „Gefahr für den Hochwasserschutz“

Doch auch die „Donaunlieger“ bleiben hartnäckig. In einem aktuellen Schreiben an die Behörden fordert deren Vorsitzender Walter Cerull nicht nur die Renaturierung der jetzigen Vereinsflächen, sondern warnt auch vor den „Gefahren, die von den Boots-Anlagen für den Hochwasserschutz ausgehen“. Diese Anlagen würden „in keiner Weise die Anforderungen einer ‚Hafenanlage‘ an einem schiffbaren Stromabschnitt“ erfüllen.

Und Cerull weiter: „Wir bitten das Umweltministerium und die zuständigen Behörden (…) gegenüber den Motorbootlobbyisten standhaft zu bleiben und nicht, wie so oft in den letzten Jahrzehnten, einfach wieder wegzuschauen und alles so zu belassen wie es sich halt entwickelt hat.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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