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„Es ist ein komplettes Desaster“: Planungspfusch bei Kultbad in Regensburg - Anwälte eingeschaltet

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Die Baustelle am Eingang zum Wöhrdbad in Regensburg
Das Regensburger Wöhrdbad ist nach wie vor eine Baustelle. © Stefan Aigner

Corona, Materialmangel und schlechtes Wetter. Die Sanierung des Wöhrdbads in Regensburg verzögert sich bis 2022. Im Hintergrund scheint aber noch mehr schiefgelaufen zu sein.

Regensburg - Sechs Millionen Euro nimmt die Stadtwerk Regensburg GmbH in die Hand, um das fast 50 Jahre alte Kultbad an der Donau auf Vordermann zu bringen. Allerdings musste der Eröffnungstermin um ein Jahr auf den Sommer 2022 verschoben werden. Offizielle Begründung: langer Winter, Lieferengpässe, Corona*. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. 

„Es ist ein komplettes Desaster“, sagt ein Insider gegenüber unserer Redaktion. „Da wurden einige Leitungen komplett vergessen. Der Beton muss wieder aufgerissen werden.“ Kurzzeitig sei sogar über einen Abriss und nochmaligen Neubau nachgedacht worden, „weil das vielleicht billiger kommt als diese Fehler zu beheben.“ Es geht um das Wöhrdbad in Regensburg*.

Planungspfusch beim Wöhrdbad: Im März war man noch optimistisch

Fast 50 Jahre alt ist das beliebte Kultbad mit großer Liegewiese und Wasserrutsche in der Lieblstraße, direkt an der Donau. Und 2020 sollte es nun umfassend saniert werden. Ein neues Funktionsgebäude soll es geben, das Bad wird technisch auf den neusten Stand gebracht und die Außenanlagen werden verschönert. Rund sechs Millionen Euro nimmt die Stadtwerk GmbH, eine Tochter der Stadt Regensburg*, dafür in die Hand.

Als die Arbeiten im September 2020 begannen, waren sich sowohl Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller wie auch Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer noch sicher, dass die Regensburgerinnen und Regensburger bereits zur Sommersaison 2021 das „neue“ Wöhrdbad würden nutzen können. Und noch im März 2021 bekräftigten beide, dass man „gut im Zeitplan“ liege und dass Sonnenhungrige und Wasserratten „noch dieses Jahr ein modernisiertes Wöhrdbad“ erwarte, „welches durch seine Struktur und Architektur diverse Annehmlichkeiten schafft und auch in puncto Hochwasserschutz optimiert sein wird“.

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Planungspfusch beim Wöhrdbad: Eröffnung um ein Jahr verschoben

Doch vier Monate später, am 12. Juli, zerschlugen sich diese Hoffnungen. In einer knappen Pressemitteilung gab das Stadtwerk bekannt, dass sich der Eröffnungstermin um ein ganzes Jahr verschieben wird – auf den Sommer 2022. Und tatsächlich ist der Rohbau des neuen Funktionsgebäudes nach wie vor eingerüstet und auf der Baustelle geht es eher gemächlich zu. Von hektischer Betriebsamkeit keine Spur.

Der Rohbau des neuen Funktionsgebäudes im Wöhrdbad Regensburg
Das neue Funktionsgebäude fürs Wöhrdbad ist nach wie vor eingerüstet. © Stefan Aigner

Offiziell begründet das Stadtwerk die Verzögerungen mit einer „ungewöhnlich kalten Witterung im März und April“, mit Lieferengpässen im Bereich, Holz, Metall und Dämmstoffen und mit coronabedingten Ausfällen beim Personal. Auch nach wie vor würden diese Lieferengpässe das Stadtwerk „vor die größten Schwierigkeiten“ stellen, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme. Eine Terminplanung sei „kaum möglich und mit vielen Unwägbarkeiten behaftet.“

Planungspfusch beim Wöhrdbad: Zusammenarbeit mit Architekt beendet

Doch tatsächlich ist das nur ein Teil der Wahrheit. Die Gründe für die einjährige Verzögerung reichen tiefer. Auf konkrete Nachfrage räumt eine Sprecherin des Stadtwerks ein, dass es offenbar erhebliche Probleme mit dem Architekten gegeben hat, der Ende 2018 den Zuschlag für die Planung der Sanierungsarbeiten erhalten hatte. „Seine Leistungserbringung war aus unserer Sicht an einigen Stellen mangelhaft erbracht worden“, so das Stadtwerk. Deshalb sei die Zusammenarbeit „beendet“ worden.

Welche Probleme es konkret gab, erläutert das Stadtwerk nicht. Doch zum einen geht es wohl um die grundsätzliche Zeitplanung. Während in der Vergangenheit, als noch die Eröffnung 2021 angepeilt war, von einem „zeitlichen Puffer“ die Rede war, den man eingeplant habe, heißt es aktuell, dass „der ursprüngliche Terminplan der Architekten und Bauleiter (…) knapp bemessen“ gewesen sei. So hätten sich Baumaßnahmen in die Haupturlaubszeit verschoben, während auch Handwerksfirmen Betriebsurlaub machen würden. Doch der Hauptgrund scheinen tatsächlich eklatante Fehler bei der Planung gewesen zu sein, so der erwähnte Insider gegenüber unserer Redaktion. „Da geht es jetzt auch darum, wer die Gewährleistung dafür übernimmt, wenn man nachbessern oder im schlimmsten Fall sogar etwas abreißen und nochmal bauen muss.“

Pflanungspfusch beim Wöhrdbad: Wird die Sanierung jetzt teurer als geplant?

Schiedlich-friedlich ging die Trennung von dem ursprünglich beauftragten Architekturbüro nicht vonstatten. Nach Informationen unserer Redaktion beschäftigen sich mittlerweile Rechtsanwälte mit der Angelegenheit. Das Stadtwerk versucht derweil zu beschwichtigen: Bei einer Sanierung dieser Größenordnung könne es „immer Überraschungen“ geben, heißt es. „Unvorhersehbare Schwierigkeiten im Baugrund, Altlasten und Belastbarkeit des Bodens gehören des Öfteren wie auch hier zu den Unwägbarkeiten beim Bauen. Unterirdische Bestandsleitungen wurden überprüft und mussten teilweise unvorhergesehen instand gesetzt werden.“

Ob der Kostenrahmen von sechs Millionen Euro einzuhalten ist, lässt die städtische Tochter auch offen. Zwar gehe man „bis dato“ davon aus, das diese Summe „im Wesentlichen“ eingehalten werde, aber: „Aufgrund der (...) Unwägbarkeiten aus Lieferengpässen, Baustoffpreissteigerungen, Bauzeitverzögerungen kann es aber am Ende auch zu Budgetüberschreitungen kommen, die jetzt noch nicht benannt werden können.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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