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Textilriese Zara in Regensburg schließt Ende 2022: Verödet die Regensburger Altstadt?

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Schließt Ende 2022: Die Zara-Filiale am Neupfarrplatz.
Schließt Ende 2022: Die Zara-Filiale am Neupfarrplatz. © Oliver Wintzen/Imago

Das Textilgeschäft Zara in der Regensburger Altstadt wird Ende 2022 schließen. Die Angst vor dem Leerstand wächst. Findet sich ein attraktiver Nachmieter?

Regensburg – Verödet die Regensburger Altstadt? Der Leerstand dort wird sich auf jeden Fall vergrößern. Wie jetzt bekannt wurde, schließt der Textilriese Zara am Neupfarrplatz Ende 2022 seine Pforten. Er zieht an einen neuen Standort in die Arcaden, berichtet mittelbayerische.de. „Das ist eine Katastrophe für die Altstadt“, sagt Ingo Saar, Geschäftsführer von Faszination Altstadt. 

Dabei hatte man in den letzten Monaten Hoffnung schöpfen dürfen. Im Sommer standen noch acht Prozent aller Altstadtgeschäfte leer. Für viele davon haben sich inzwischen Nachmieter gefunden, vor allem gastronomische Betriebe. Auch Galeria Kaufhof konnte sich im Regensburger Zentrum halten – trotz massiver finanzieller Probleme des Konzerns. Sie soll nun umgebaut werden.

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Regensburg: Mit Zara geht der größte Kundenmagnet

Bei Zara tummelten sich täglich Hunderte von Kundinnen und Kunden. Zahlreiche andere Geschäfte profitierten davon, ebenso wie viele Restaurants in der nahen Umgebung. Bei Zara Deutschland will man die Entscheidung derzeit nicht kommentieren. Die Sprecherin Celin Lange-Hückstädt bittet dafür um Verständnis.

Regensburg: Miet-Strategie bevorteilt große Unternehmen

Andreas Insinger, Hausherr des ehemaligen Zara-Standorts, weiß mehr. Er hat vom Konzern erfahren, dass der in den Arcaden weniger Miete zahlen wird als am alten Standort. Ingo Saar weiß über solche Strategien Bescheid: „Ein Centermanagement legt für einen bestimmten Mieter niedrigere Preise fest als für andere, wenn es ihn unbedingt haben will“, erklärt er mittelbayerische.de.

Um die Lücke zu füllen, die Zara hinterlässt, wünscht sich Insinger wieder ein namhaftes Textilunternehmen. Einen Billiganbieter kann er sich in seinen Räumlichkeiten dagegen nicht vorstellen: „Der Nachmieter muss für den Platz passen.“

Regensburg: Hoffen auf zahlungskräftige Nachmieter

Bleibt zu hoffen, dass sich schnell jemand findet. Gegenüber des bisherigen Zara-Standorts stehen seit 2018 die früheren Geschäftsräume von Pohland leer. In der Pfauengasse gleich ums Eck hat zudem Vinzenz Murr dicht gemacht. Und, wie erwähnt, Galeria Kaufhof. Deren Chef Guido Herrmann sagt zum Weggang von Zara: „Es kommt sicher etwas Neues, Interessantes, weil es attraktive Flächen sind.“

Regensburg: Ist die Verkehrspolitik schuld am Leerstand?

Armin Gebhard, Vorsitzender der Regensburger Kaufleute, glaubt das nicht. Er sieht einen „weiteren Rückschlag für die Altstadt“. Schuld am derzeitigen Leerstand ist seiner Meinung nach auch die Verkehrspolitik der Stadt Regensburg. Sie mache die Stadt für die Händler immer unattraktiver.

Vor allem die Verkehrsberuhigung am Domplatz, Pfluggasse und Hunnenplatz stößt Gebhard sauer auf. Auch die Einbahnregelung in der Kolping- und Thundorferstraße sieht er kritisch. Er will nicht, dass der Autoverkehr noch weiter eingeschränkt wird. Die Stadt müsse Alternativen dafür anbieten, erklärt er mittelbayrische.de. Außerdem solle das geplante Parkhaus am alten Eisstadion so schnell wie möglich gebaut werden.

Regensburg: 3,8 Millionen Euro aus EU-Fördertopf

Etwas Hoffnung verbreitet der Altstadtkümmerer Stephan Bergmann: Trotz der Corona-Pandemie sei die Standortnachfrage aus Dienstleistung, Handel, Handwerk und Gastronomie gut. 3,8 Millionen Euro erhalte die Kommune aus einem Fördertopf der EU. Damit soll die Situation in der Innenstadt verbessert werden.

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