Der Jägerkrieg von Jesenwang

Rehe zu Tode gehetzt: Münchner Forstverwaltung angezeigt

Jäger der Münchner Forstverwaltung sind ins Visier geraten. Im Unterwald von Jesenwang sollen sich Zwischenfälle ereignet haben, die nichts mit der Jagd zu tun haben soll. 

München - Voller Panik und Angst rennt ein Reh durch die Wälder. Es ist auf der Flucht. Zwei Hunde aus einer Meute von zehn jagen hinter ihm her, bis sie es erwischen. Das Reh geht zu Boden, schwer verletzt. Nur ein Gnadenschuss kann es erlösen.

Genau das soll sich zum wiederholten Male bei einer Drückjagd von 20 Jägern der Münchner Forstverwaltung Anfang November im Unterwald von Jesenwang ereignet haben. Dem Fürstenfeldbrucker Revierleiter Alexander Frank reicht es jetzt:Er hat Anzeige gegen die Münchner erstattet. „Das hat mit Jagd wirklich gar nichts zu tun.“

Rehe könnten vom Hochsitz geschossen werden 

Bereits im Januar habe ein Kitz bei der Jagd mit Hunden der Münchner im Waldgebiet zwischen Landberied und Jesenwang elendig verenden müssen. Die Jäger hätten damals wie am 3. November die Reviergrenzen überschritten: „Wir mussten ansehen, wie die Hunde in unserem Revier die Tiere rissen. Beide Male musste ich die halb toten Rehe von ihrem Leid erlösen.“ Der 38-Jährige weiß vom Nutzen der Drückjagd. „Für das Aufspüren und Schießen von Wildschweinen ist diese gut geeignet.“ Aber Rehe könnten auch vom Hochsitz geschossen werden. Auch sei das bejagte 160 Hektar große Gebiet bei Jesenwang für eine solche Drückjagd zu klein. Es sei kaum vermeidbar, dass Reviergrenzen überschritten werden. Der 38-Jährige will mit seiner Anzeige ein Statement setzen – zum zweiten Mal. Bereits im Januar erstattete er Anzeige.

Drückjagden aus Zeitdruck?

Die Städtische Forstverwaltung in München weiß vom Ärger mit den Fürstenfeldbruckern. Pressesprecher Bernd Plank sagt: „Bei uns gilt Wald vor Wild, das heißt, es geht um den Erhalt des Waldes.“ Um diesen zu garantieren, müssten aus Zeitgründen neben der klassischen Jagd vom Hochsitz auch Drückjagden durchgeführt werden. 50 Prozent aller Rehe werde bei dieser Jagd mit Hunden erlegt, 50 Prozent über Einzeljagd. „Wir müssen unsere Abschussquote erreichen – und das geht nur über die Kombination von beidem.“ Zum Einsatz kämen nur Hunde, die auch dafür ausgebildet seien.

Für Alexander Frank ist das zweifelhaft. Auch er ist für den Erhalt des Waldes – aber auch für waidgerechte Jagd. „Wenn ein Reh mit herausgerissener Keule daliegt, ist das nicht schön.“ Gut abgerichtete Hunde würden stehen bleiben, wenn sie ein Wild aufgestöbert haben – und es nicht tot hetzen. Gemeinsam mit seinen Fürstenfeldbrucker Kollegen hofft er auf Konsequenzen.

Holzkirchen hat ein ernstes Wildsau-Problem: Jetzt soll es eine finale, drastische Lösung geben - doch so einfach ist das nicht.

tz

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