Das Rekord-Holzhochhaus

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So soll es einmal aussehen, das höchste Holzhaus Deutschlands

Bad Aibling - In Bad Aibling entsteht gerade das höchste Holzhaus Deutschlands. Der Energiesparer wird acht Stockwerke umfassen, das Haus ist nur der Anfang. Es soll Mittelpunkt der „Holzstadt der Zukunft" sein.

Es wächst und wächst, alle zwei Tage stellen die sechs Monteure ein neues Geschoss fertig. Es geht ruckzuck. Ein Tieflader bringt die Holzelemente an die Baustelle auf dem ehemaligen Militärgelände in Bad Aibling im Kreis Rosenheim, dort wird dann nur noch zusammengefügt und geschraubt - am 9. Juni wollen sie dann auch das letzte Geschoss, das achte, errichtet haben. Es ist ein Leuchtturmprojekt, das hier entsteht, ein architektonischer Meilenstein. In Bad Aibling bauen sie gerade das höchste Holzhochhaus Deutschlands. Höhe: knapp 25 Meter. „Wir wollen zeigen, was Holz kann“, sagt Arthur Schankula, der Architekt.

Derzeit montieren Arbeiter die Wandelemente um das Treppenhaus aus Beton herum

Um die 750 Kubikmeter Fichtenholz werden verbaut. „Das meiste davon kommt aus Bayern“, sagt Josef Huber von der Firma Huber & Sohn Holzbau aus Bachmehring. Bei dieser Art des Bauens ist Präzision gefragt: „Man kann auf der Baustelle nicht mal schnell mit dem Stemmeisen ran.“ Da die Bauteile für die Wände, die Decke, das Dach und die Fassade vorgefertigt aus den Hallen von Josef Huber auf die Baustelle kommen, muss alles stimmen.

Ganz ohne Beton kommt aber auch ein Holzrekordhaus in Deutschland nicht aus - schuld sind die Brandschutzverordnungen. Deswegen ließ das verantwortliche Bauunternehmen, die Firma B&O, ein Treppenhaus aus Beton errichten. Alles andere kommt dann aber wirklich aus dem Wald. Holz sei das einzig statisch tragende Material, das nachwächst, sagt Josef Huber. Er kommt ins Schwärmen, wenn er über das Projekt spricht: „Wenn man dort wohnt, fühlt man sich einfach wohl.“ Nicht umsonst würden viele Wellness-Center und moderne Hotels verstärkt auf Holz zurückgreifen. Man sei umgeben von einem Naturbaustoff.

Interessenten für das Holzhaus gibt es genug - obwohl noch nicht feststeht, wie die Grundrisse auf den acht 165-Quadratmeter-Etagen überhaupt aussehen sollen. Ernst Böhm, Chef von B&O, schwebt eine „Mischung aus Arbeiten und Wohnen“ vor: Auf der Hälfte der Stockwerke wünscht er sich Büros, auf der anderen Wohnungen. Im Idealfall, so sagt der 53-jährige Firmenchef, lebt und arbeitet der Mieter im Haus.

Die künftigen Bewohner bestimmen, wie die Räume geschnitten sind. Durch austauschbare Bau-Elemente können die Grundrisse auch später innerhalb eines Tages verändert werden: „Es ist unökologisch, wenn einer allein in einer riesigen Wohnung lebt“, sagt Böhm. Verändern sich die Lebensumstände weil etwa die Kinder ausziehen, kann der Mieter seine Wohnung anpassen - und muss sich kein neues Daheim suchen.

Mit dem Leuchtturm-Projekt verdient Böhm kein Geld, sagt er. „Holz 8“, so wird das neue Haus in der Firma genannt, kostet etwa zehn Prozent mehr als ein konventioneller Bau, 2000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche veranschlagt er. Miete: 10 Euro pro Quadratmeter, warm. Aber Böhm geht es um mehr, es geht um die Öko-Vision.

Denn das achtstöckige Holzhaus kriegt Nachbarschaft. B&O hat die ganze Kaserne in Bad Aibling gekauft: Früher hatten die Nazis ihre Flugzeuge dort stehen, nach dem Krieg befand sich auf dem Gelände das größte Kriegsgefangenenlager von Süddeutschland. Heute will Böhm dort eine Null-Energie-Stadt entstehen lassen, die „Holzstadt der Zukunft“. 400 Menschen sollen einmal hier leben, versorgt mit regenerativen Energien, mit Solarenergie, Biomasse, dazu Wärmepumpen, Gebäudedämmung, das volle Energiespar-Programm. 30 Häuser werden zeitnah gebaut, die Ausschreibungen laufen. Die Gebäude werden maximal fünf Etagen haben. „Holz 8“ bleibt das höchste - zumindest vorerst.

Stefan Sessler und Carina Lechner

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