So etwas gab es noch nie!

Gymnasium übergibt Rekord-Spende an Nici

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"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Nicolas Kutter (l.) freut sich riesig über die Rekord-Spende von 101.101 Euro, die seine Mitschüler - im Foto Schülersprecher Lukas Scheuer - für ihn gesammelt haben.

Tegernsee - Die Tegernseer Gymnasiasten haben dem krebskranken Mitschüler Nicolas Kutter am Donnerstag ihre gesammelten Spenden übergeben - und mit der endgültigen Summe alle überrascht.

Schülersprecher Lukas Scheuer macht es bis zum Schluss spannend. Der 15-Jährige steht auf der Aula-Bühne im Tegernseer Gymnasium und hält einen großen Scheck in Händen - allerdings verkehrt herum, sodass keiner sehen kann, wie viel Geld nun letztendlich bei der Spendenaktion für den krebskranken Mitschüler Nicolas Kutter zusammengekommen ist. Die Aula ist voll besetzt. Alle Tegernseer Gymnasiasten sind zur offiziellen Übergabe der Spenden an ihren 15-jährigen Mitschüler gekommen. Mit den Worten "Das ist sehr große Klasse" dreht Lukas des Scheck endlich um... und die Aula tobt: 101.101 Euro! Während seine Mitschüler klatschen und jubeln, steht Nicolas etwas im Hintergrund auf der Bühne und lächelt verlegen. Ganz glauben kann er das alles noch nicht.

Was in den vergangenen Wochen an dieser Schule passiert ist, ist aber auch unglaublich. Nicolas Kutter aus Schliersee leidet bereits zum dritten Mal an Leukämie. Seine letzte Chance auf Heilung liegt in einer neuartigen Therapie, die im Rahmen einer Studie in den USA angewandt wird und die Nicolas Familie selbst finanzieren muss. 185.000 Euro werden für den Klinikaufenthalt anfallen, bezahlt werden muss die Summe im Vorfeld. In einer beispiellosen Spendenaktion sammelten Freunde, Familie, aber auch Fremde und vor allem Nicolas Schule Geld, um dem Jugendlichen die Therapie zu ermöglichen. Mit Erfolg. Nach nur 15 Tagen war die nötige Summe erreicht. Allein 54.000 Euro, hieß es damals, sind auf dem Konto des Gymnasiums eingegangen.

Dass sich der Spendenstand seitdem fast verdoppelt hat, übertrifft alle Erwartungen. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagt Nici ins Mikrofon und fügt ganz laut hinzu: "Wir sind die beste Schule im ganzen Landkreis!" Dem kann sich Schulleiter Werner Oberholzner nur anschließen. "Ich freue mich, wie die Schule zusammengehalten hat."

Tatsächlich ist eine derartige Spendenaktion in Deutschland einzigartig, wie Helga Bogensperger sagt. Seit 14 Jahren ist sie Vorsitzende der Kinderkrebshilfe Ebersberg - aber etwas vergleichbares hat sie noch nicht erlebt. "Das hat mich umgehauen." Vor Nicolas ziehe sie ihren Hut. Denn der Schritt in eine derartige Öffentlichkeit sei für Krebspatienten kein einfacher. "Eigentlich braucht Nicolas seine Kraft, um gegen die Krankheit zu kämpfen." Möglich sei all das nur gewesen, weil der 15-Jährige und seine Familie sehr stark seien - und weil der Freundeskreis, die Schule, das ganze Tegernseer Tal sein Schicksal mitgetragen habe. "So entwickelt man ungeahnte Kräfte."

Ganz einfach ist der Rummel für Nici allerdings nicht. "Der Druck, das alles zu schaffen, ist unheimlich hoch", erzählt sein Papa Roberto Kutter. Trotzdem sei Nicolas zuversichtlich. Für einen zusätzlichen Motivationsschub sorgt eine Patchwork-Decke, die Nicis Mitschüler für ihn gebastelt haben und ihm bei der Spendenübergabe überreichen. "Lieber Nicolas, wir denken an dich!" steht darauf. Die Decke nimmt Nici mit in die Klinik nach Seattle. Am Aschermittwoch geht es los. "Ich glaub', ich brauch' einen zweiten Koffer", sagt Nici, die dicke Decke in der Hand. Mit muss auch unbedingt sein Kuschel-Orka, ein Fotoapparat, sein Kindle - und natürlich Schulzeug. Nicolas ist ein sehr ehrgeiziger Schüler, will unbedingt mit seinen Schulkameraden Abi machen. Seine Chancen dafür stehen seit den Tegernseer Wunder-Wochen sehr gut.

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