Ihr wird Ladendiebstahl vorgeworfen

Wegen 17 Euro: Oma Ingrid erneut angeklagt - Gefängnisstrafe droht

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25. Oktober 2017: Ingrid Millgramm tritt ihre Haft in Memmingen an. 55 Tage lebte sie anschließend in einer Zelle für zwei Insassinnen.

Oma Ingrid muss einmal mehr vor Gericht erscheinen. Der 84-Jährigen wird erneut Ladendiebstahl vorgeworfen. Doch sie schildert die angeklagte Tat ganz anders.

Bad Wörishofen - Sie versucht, gefasst zu bleiben, obwohl ihr schwant, dass es diesmal eng wird. Wieder einmal steht Ingrid Millgramm (84) aus Bad Wörishofen wegen Ladendiebstahls vor dem Amtsgericht. Dabei wird sich an diesem Montag entscheiden, ob die Witwe, die als „Rentnerin, die aus Hunger klaute“ bekannt wurde, erneut den schweren Gang ins Frauengefängnis antreten muss. „Ich habe nichts verbrochen“, sagte Ingrid Millgramm am Sonntag, „und ins Gefängnis gehe ich nicht mehr.“

Die Seniorin soll in einem Markt in Bad Wörishofen ein Packerl Sahnesteif, Haarklammern und Kosmetika im Gesamtwert von 17 Euro gestohlen haben. Millgramm beteuert ihre Unschuld und schildert ihre Sicht der Dinge: Im Frühjahr habe sie in dem Markt nach einer Puderdose und Wimperntusche gesucht, habe aber diese Produkte nicht finden können. Eine Mitarbeiterin meinte, sie solle mit den Resten von zu Hause kommen; zusammen werde man dann suchen.

Nach Zahlung an der Kasse aufgehalten

Als sie Wochen später wieder im Markt gewesen sei, habe sie die angebrochenen Produkte dabeigehabt, die Mitarbeiterin sei aber nicht zu sehen gewesen. Millgramm kaufte ein, zahlte an der Kasse, was sie im Korb hatte, doch danach wurde sie aufgehalten. „Ein Mann fragte, ob ich denn alles gezahlt hätte.“ Sie habe auf die mitgebrachten Kosmetika von zu Hause verwiesen, auch darauf, dass diese fast leer gewesen seien, „doch es wurde mir nicht geglaubt“. Plötzlich seien das Sahnesteif und die Haarklammern im Korb gewesen. „Die habe ich dort nicht reingelegt“, behauptet Millgramm.

Es folgten eine erneute Anzeige, ein erneutes Strafverfahren, und an diesem Montag der Prozess. Dabei droht im Falle einer Verurteilung eine härtere Strafe als zuvor: Allein die offenen Bewährungszeiten summieren sich laut Gericht auf sieben Monate Haft. Und ein weiteres Urteil steht dabei noch aus. Da sie zudem unter Bewährung steht, könnte das für Ingrid Millgramm bedeuten: Sie muss wahrscheinlich ins Gefängnis.

Erneut auf gepackten Koffern? Ingrid Millgramm droht erneut eine Gefängnisstrafe.

7,41 Euro bleiben zum Leben übrig

Von ihrer Rente in Höhe von 800 Euro blieben ihr zurzeit nur 7,41 Euro zum Leben übrig, nach Abzug aller Fixkosten wie Miete und Telefon. Private Rückschläge hatten die frühere Schneiderin in diese, wie sie sagt, „erbärmliche Situation“ gebracht. Sie esse kaum etwas, am Samstag habe sie sich zwei Kartoffeln gekocht, von denen sie die eine verzehrte und die andere am Sonntag braten wollte. Hilfe vom Amt lehnt sie dennoch kategorisch ab: „Zu viel Bürokratie, die zu nichts führt“, sagt sie.

Nach Bekanntwerden des neuen Vorwurfs gegen sie werde sie in Bad Wörishofen geschnitten. „Ein Mann hat mich sogar angespuckt, eine Frau rief mir nach: ,Sie sind eine Schande für den ganzen Ort!‘“

M. Christandl

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