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Rettungssanitäter vor dem Aus: „Es interessiert niemanden, was du für ein Mensch bist“

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Von: Michael Acker

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Andreas Foerster (44) vor der Zentrale des Roten Kreuzes in Ebersberg, wo er regelmäßig Dienst tut.
Andreas Foerster (44) vor der Zentrale des Roten Kreuzes in Ebersberg, wo er regelmäßig Dienst tut. © sro

Andreas Förster ist seit über 20 Jahren Rettungsassistent mit rund 15.000 zum Teil lebensrettenden Einsätzen. Doch Ende nächsten Jahres ist Schluss. Dann darf er nicht mehr helfen. Über einen Mann, der sich ungerecht behandelt fühlt.

Grafing/Ebersberg – Weil ein gut funktionierender Rettungsdienst zu lange für selbstverständlich gehalten wurde, ist dieser nun selbst zum Notfall geworden und muss schnell stabilisiert werden. Fehlendes Personal wird bisher durch Überstunden ausgeglichen. Auch in Ebersberg.

Rettungssanitäter in Ebersberg: Bei Prüfung durchgefallen

Andreas Foerster (44), der seit 2018 in Grafing ein Unternehmen leitet, ist seit über 20 Jahren als Rettungsassistent beim Kreisverband Ebersberg des Roten Kreuzes beschäftigt. Bis zu seiner beruflichen Selbständigkeit in Vollzeit, seitdem in Teilzeit mit 18 Stunden in der Woche.

Er macht den Knochenjob auch nach vielen Jahren immer noch mit Leidenschaft, doch er wird ihn nicht mehr lange ausüben können. Denn: Andreas Foerster ist bei seiner Ergänzungsprüfung zum Notfallsanitäter bei einem von drei Teilen in der praktischen Prüfung durchgefallen. Das heißt, dass er ab Ende 2023 nicht mehr am Patienten arbeiten darf.

Vorwurf „Patientengefährdung“: Mediziner bestätigen Unrecht

Wer die Prüfung nicht schafft, muss halt mit den Konsequenzen leben – ist man da geneigt zu denken. Doch Rettungsassistent Andreas Foerster sagt: Die Prüfung sei zu Unrecht als „nicht bestanden“ gewertet worden, eine „Patientengefährdung“, wie sie ihm von den Prüfern vorgehalten wird, habe nie stattgefunden. Das lässt sich der Grafinger auch von zwei Medizinern bestätigen (einer davon bildet Notärzte aus und prüft sie).

Am Ende ohne Erfolg, da kann auch der Einsatz des Grafinger CSU-Landtagsabgeordneten Thomas Huber nichts ausrichten: Die Regierung von Oberbayern reagiert auf einen Widerspruch durch Foersters Anwalt mit den Worten: „Es konnten keine formellen und materiellen Mängel festgestellt werden.“

Bis Ende 2023 Übergangsfrist für Rettungsassistenten

Ende 2023 endet die vom Gesetzgeber festgelegte Übergangsregelung für Rettungsassistenten. Diese müssen sich zwingend zum Notfallsanitäter nachqualifizieren, wollen sie auch künftig für die Betreuung von Notfallpatienten zuständig sein. Tun sie das nicht oder schaffen sie die Prüfung nicht, ist Schluss.

Andreas Foerster beispielsweise dürfte ab 2024 weiterhin beim BRK arbeiten, dann allerdings „nur“ noch als Fahrer eines Rettungswagens. Und das nach rund 15 000 Einsätzen in seiner Berufskarriere, etliche davon lebensrettend. „Er arbeitet in jeder Hinsicht und allerbester Weise in seinem Aufgabengebiet und erledigt seine Aufgaben zu unserer vollsten Zufriedenheit“, heißt es in einer Arbeitgeberbestätigung des BRK-Kreisverbands Ebersberg, die der Ebersberger Zeitung vorliegt. Ansonsten will sich dessen Chefin, Elisabeth Seibl-Kinzlmaier, zu dem Fall nicht äußern.

Foerster ist durch einen Teil in der praktischen Prüfung gefallen, weil er angeblich den Patienten gefährdete, indem er einen Status epilepticus, also einen außergewöhnlich lange dauernden epileptischen Anfall, nicht medikamentös durchbrach.

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Anwalt und Mediziner widersprechen Prüfern

Dem widerspricht sein Anwalt. „Einen Status epilepticus hatte der Patient aber nicht richtig vorspielen können, sodass es für unseren Mandanten nicht möglich war, diesen zu erkennen.“ Und weiter: Die vom Patienten gespielten Symptome habe Foerster richtigerweise als eines der Leitsymptome der intrazerebralen Raumforderung (z.B. im Sinne der Gehirnblutung) interpretiert.

Ein Münchner Facharzt für Notfallmedizin, der sich den Fall angesehen hat, sagt: „Es kann aus meiner Sicht der Prüfungsleistung keine Patientenschädigung bzw. -gefährdung abgeleitet werden.“ Er kenne Foerster als zuverlässigen und fachkundigen Rettungsassistenten.

Rettungssanitäter beklagt Machtlosigkeit – und muss teure Anwaltskosten tragen

Der Grafinger hat sich inzwischen mit seiner Situation abgefunden, weitere Schritte gegen den Prüfungsbescheid möchte er schon aus Kostengründen nicht einleiten. Er habe bereits rund 3000 Euro Anwaltskosten zu verkraften.

Was ihn stört, sei die Machtlosigkeit, gegen die Prüfungskommission vorzugehen. „Da wird fest zusammengehalten. Es interessiert niemanden, was für ein Mensch du bist“, so Foerster, der in der vergangenen Woche mal wieder eine Nachtschicht beim Ebersberger Roten Kreuz geschoben hat.

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