Abschiedsparty im Justizgebäude: Kampf gegen das Alkoholverbot

Richter klagt auf Biererlaubnis im Gericht

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Richter Werner Schultheiß (64) will im Ansbacher Gericht seinen Ausstand feiern - und dazu dunkles Bier spendieren.

Ansbach - Als Staatsanwalt und Strafrichter hat Werner Schultheiß (64) schon so manchen Alkoholsünder auf den Pfad der Tugend zurückgebracht.

Zu seinem Ausstand Ende März wollte er es bei einem Fass Ammerndorfer Landbier im Sozialraum des Gerichtsgebäudes ausnahmsweise auch selbst mal richtig krachen lassen. Doch da gibt es ein kleines Problem: Es herrscht Alkoholverbot. Beim Direktor des Amtsgerichts Klaus Kuhbandner bat Schultheiß deshalb um Aufhebung desselbigen. Der Chef lehnte ab. Nun klagt der Richter vorm Verwaltungsgericht Ansbach – auf eine Biererlaubnis!

Auf fränkischen Justiz-Fluren ist die Posse derzeit Tuschel-Thema Nummer 1. Schultheiß rührt an einem Grundsatz-Konflikt: Wieso darf bei offiziellen Gerichts-empfängen Sekt ausgeschenkt werden, wenn den Beamten und Angestellten selbst nach Dienstschluss ein Schluck vom kühlen Dunklen verwehrt wird? „Jeder wird schon selbst wissen, wie viel er trinken darf“, poltert Schultheiß, der seine Doktorarbeit über das Brauwesen in Nürnberg geschrieben hat.

Doch aus der Frankenmetropole schallte es unwirsch zurück: „Die Anordnung eines generellen Alkoholverbots liegt in der Kompetenz eines Amtsgerichtsdirektors und wird von den Richtlinien gedeckt“, sagt Justizsprecher Andreas Quentin.Am Donnerstag muss Verwaltungsrichter Walter Schmöger nun darüber befinden, ob „die Benutzung des Sozialraums des Amtsgerichts Fürth ohne die einschränkenden Auflagen“ zu gestatten ist. Werner Schultheiß, der derzeit als Registerrichter tätig ist, sagt dazu: „Ich hatte doch kein Besäufnis vor. Aber es gehört noch immer zur deutschen Festkultur, dass man sich zuprosten kann – und zwar nicht nur mit Wasser!“ In anderen Gerichten sei dies kein Problem. Er vermutet, die Ursache des Eklats liege allein in der Person des Direktors Kuhbandner.

In seinem Kampf für Promille-Freiheit sprach Schultheiß übrigens sogar beim Präsidenten des Landgerichts Nürnberg-Fürth, Dr. Rainer Gemählich, vor. „Doch der sagte nur, dass ihn das nichts angehe und Sache des Direktors sei.“ Dabei hatte Schultheiß schon ausdrücklich angeboten, vor Dienstschluss auf jeglichen Ausschank von Alkoholika zu verzichten. Ob die Fete nun überhaupt stattfindet, will Schultheiß vom Ausgang des Verfahrens abhängig machen. Bekommt er Recht, will er umgehend für 200 Leute 5,6-prozentiges Dunkel-Bier ordern.

jv

Quelle: tz

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