Betrunken vom Reutberg heimgefahren

Richter mahnt: "Starkbier ist tödlich"

Sachsenkam - Der Besuch beim Starkbierfest in Reutberg hatte für einen jungen Mann (22) aus Greiling ein Nachspiel vor Gericht.

Er musste sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Störung von Telekommunikationsanlagen, unerlaubten Entfernens vom Unfallort sowie Trunkenheit verantworten. Der Greilinger hatte sich am 22. März gegen 20 Uhr eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Dabei schleuterte der Audi des Angeklagten gegen einen Gartenzaun, kurz darauf rammte er einen Telefonmasten. Die Polizisten, die die Verfolgung unterbrechen mussten, um zusammengefahrene Pfosten von der Straße zu räumen, fanden das demolierte Auto später auf dem Greilinger Kirchplatz.

Den Fahrzeughalter trafen die Beamten zu Hause an: Er saß mit seiner Mutter am Tisch und bestritt, gefahren zu sein. Die Mutter bestätigte die Aussage, sie wähnte das Auto „fein säuberlich eingeparkt am Kirchplatz“. Erst nach einigem Hin und Her räumte der Beschuldigte ein, mit dem Auto am frühen Nachmittag nach Reutberg gefahren zu sein. Die Rückfahrt habe er jedoch schlafend auf der Rückbank verbracht, versicherte er. Wer währenddessen am Steuer gesessen habe, wisse er nicht.

Bei dieser Version blieb er auch vor Gericht. „Ich sage nix, weil ich nix mehr weiß“, erklärte der 22-Jährige. Zum Zeitpunkt der Verfolgung hatte er mehr als zwei Promille Alkohol im Blut. „Er hat einen völligen Filmriss. Er weiß nur noch, dass er auf dem Starkbierfest war. Aber er ist überzeugt, dass er nicht gefahren ist“, führte Verteidiger Gerald Jeserer an.

Der Anwalt musste sich wie sein Mandant vom Gegenteil überzeugen lassen. Die Indizien sprachen gegen die Version des Angeklagten. So war es nach Auffassung der Polizei nur schwer vorstellbar, dass auf der Rückbank im Auto jemand schlafen konnte, weil dort allerhand Gerümpel gelegen habe. Ein Sachverständiger hatte bei einer Untersuchung der Kleidung des Beschuldigten zahlreiche Glassplitter von der zerborstenen Frontscheibe und von der Seitenscheibe in den Taschen der Trachtenjacke des Greilingers gefunden.

 „Alles weist darauf hin, dass Sie der Fahrer waren“, stellte Richter Helmut Berger fest. Er verurteilte den 22-Jährigen zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 30 Euro und einem Führerscheinentzug von noch elf Monaten. „Man fährt nicht mit dem Auto aufs Starkbierfest“, riet Berger dem Angeklagten. „Starkbier ist tödlich. Das zieht dir die Füße weg wie nix, wenn du ins Freie kommst. Deshalb gehe ich von verminderter Steuerungsfähigkeit aus.“

Rudi Stallein

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