Rettung bald geschafft

Höhlen-Drama: Alle Antworten zur Wunder-Rettung

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Johann Westhauser ist seit zehn Tagen in der Höhle – voraussichtlich am Donnerstag oder Freitag kommt er ans Tageslicht.

Berchtesgaden - Johann Westhauser wird vermutlich am Donnerstag nach über neun Tagen in den Tiefen der Riesending-Höhle wieder das Tageslicht erblicken. Die tz erklärt alle Fakten rund um die Wunderrettung:

Gleich die gute Nachricht vorweg: Schon am Donnerstag soll es vollbracht sein – dann wird der verletzte Forscher Johann Westhauser wieder Tageslicht erblicken. Es wäre das Ende einer grandiosen Rettungsaktion am Untersberg. „Wir sind jedenfalls perfekt im Zeitplan“, sagte am Dienstag ein Helfer gegenüber der tz. Nach einer elfstündigen Etappe erreichten die Retter und ihr Patient am Dienstag bereits das vorletzte Biwak in rund 500 Metern Tiefe. Respekt! Ursprünglich waren für die schwierige Strecke rund 24 Stunden eingeplant. Die tz erklärt alle Fakten rund um die Wunderrettung:

  • Wie viele Retter sind im Einsatz?

Derzeit sind 60 Helfer in der Höhle – darunter seit gestern auch eine italienische Ärztin. Das Team (bestehend aus Deutschen, Kroaten, Schweizern, Italienern und Österreichern) ist in Mannschaften aufgeteilt: Ein Teil kümmert sich im um die Versorgung aller mit Getränken und Essen, andere wiederum stellen sicher, dass die Seile noch intakt, Haken angebracht, dass Wege gesichert sind.

  • Und wie viele sind direkt an der Trage, schaffen Johann Westhauser nach oben?

15 Retter schieben und heben die Kunststofftrage durch die engen Gänge. Sie reichen den Verletzten ständig von Hand zu Hand weiter. Wer hinten keinen Raum mehr findet, packt sofort vorne wieder an.

  • Wie schwer ist die Trage mit dem Patienten?

Johann Westhauser wiegt 70 Kilogramm, die Trage 8 Kilo – dazu kommt das schützende Material (beispielsweise einer Kopfplatte): insgesamt also rund 100 Kilogramm.

  • Sind immer Ärzte direkt bei dem Verletzten?

Ja, mindestens ein Mediziner kümmert sich rund um die Uhr um den 52-jährigen Forscher. Er kontrolliert den Kreislauf und verabreicht Medikamente wie beispielsweise Lamotrigin, das gegen Hirnblutungen wirkt.

  • Wie wird der Patient gegen Stöße geschützt?

„Der Verletzte ist vollständig in eine Art Bauschaum eingebettet“, erklärt Pedro Balordi, Rettungshelfer aus der Schweiz. „Zudem hat er eine durchsichtige Gesichtsabdeckung, damit ihm nichts ins Gesicht fallen kann.“

  • Wie viel an Weg nach oben muss noch zurückgelegt werden?
Die Rettung von Johann Westhauser läuft gut. Seit Dienstagmittag befindet sich das Team auf dem Weg zu Biwak I.

Am Dienstag waren es noch 500 Meter Höhenunterschied – dann ist es geschafft.

  • Welche Bedingungen herrschen in der tiefen Höhle?

Dort ist es sehr kalt: meist um die vier Grad. Zudem ist es extrem feucht – mit 98 Prozent Luftfeuchtigkeit! Übrigens: Damit Johann Westhauser nicht nass wird, liegt eine Plane auf seinem Körper.

  • Was passiert, wenn Johann Westhauser endlich Tageslicht erblickt?

Vorher wird ihm eine Spezialbrille angelegt. Der Grund: Nach so langer Dunkelheit müssen seine Augen geschützt werden. Dann bringt ihn ein Helikopter sofort in die Klinik. Dieser steht schon bereit.

  • Wie hoch ist die Belastung für die Rettungskräfte?
Die Arbeit in der Höhle ist anstrengend, immer wieder gibt es schwierige Schluchten.

Fakt ist: Die Helfer arbeiten in Sechsstundenschichten – dann wird gewechselt. „Es ist aber schwer, den Patienten zu verlassen“, so Pedro Balordi. „Man will ihn nicht aus den Augen lassen.“ Alle geben Vollgas! „Es entwickelt sich hier ein großes Wir-Gefühl“, erklärt auch Andreas Müller-Cyram, Psychologe bei der Bergwacht. Er soll den Rettern bei seelischen Problemen beistehen. „Bisher musste ich aber noch nicht viel machen, da alles hier in der Höhle positiv verläuft.“

Spektakuläres Video: So läuft die Rettung des verletzten Höhlenforschers

  • Wie geht es dem Verletzten?

Sein Zustand ist immer noch stabil. Interessant: Da er den Helfern beistehen will, bat er darum, dass seine Arme aus dem Schlafsack ragen, damit er mitanschieben kann. Sehr tapfer.

  • Wie erholen sich die Retter?
In Pausen können sich die Rettungskräfte in einem Container ausruhen.

Sie können in ihren Zelten am Höhleneinstieg schlafen. In einem Extracontainer (siehe Foto oben) ist es zudem möglich, fernzusehen. Da ist die WM eine gute Möglichkeit, mal auf andere Gedanken zu kommen. Auch Zeitungen liegen dort aus. Und Möglichkeiten zum Duschen gibt es auch.

  • Wer zahlt den ganzen Einsatz eigentlich und wie teuer wird er sein?

Für die Kosten wird die Sozialversicherung von Johann Westhauser aufkommen. Sollte er gar beruflich in der Höhle unterwegs gewesen sein (das gilt es noch zu klären), ist die Berufsgenossenschaft zuständig. Die Gesamtkosten sind noch schwer einzuschätzen, da viele Helfer ja ehrenamtlich vor Ort sind. Dennoch werden sie sich sicher auf einen sechstelligen Betrag belaufen.

age, aw

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