Über 10.000 Meter Seil geborgen

Aufräumarbeiten in der Riesending-Höhle

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Der Eingang zur Riesending-Höhle. Ein Bergwachtler seilt sich ab, mit dabei: ein sogenannter Schleifsack.

Berchtesgaden - Nach der spektakulären Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser hat die Bergwacht die Riesending-Schachthöhle bei Berchtesgaden aufgeräumt und zentnerweise Material geborgen.

Genau ein halbes Jahr ist es nun her, dass die spektakulären Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle im Untersberg weltweit für Aufsehen sorgte. Inzwischen hat die Bergwacht die für Laien gesperrte Schachthöhle oberhalb von Berchtesgaden weitesgehend aufgeräumt und dabei zentnerweise Material geborgen. Insgesamt vier Mal seien Berg- und Höhlenretter aus Bayern für jeweils mehrere Tage in die Höhle gestiegen, sagt Bergwachtsprecher Roland Ampenberger. Die Einsätze dauerten von August bis Oktober. Die Helfer schleppten 70 Schleifsäcke vollgepackt mit Ausrüstung aus der Höhle. Zehn bis 20 Helfer hätten die Dinge zusammengeräumt, die für die Rettung in die Tiefe geschafft worden waren: Seile, Schlafsäcke, Kocher, Lebensmittel und notfallmedizinische Ausrüstung wie Infusionsbestecke. „Es waren auch sechs erfahrene Höhlenforscher dabei“, so Ampenberger. Sie hätten darauf geachtet, dass nichts in der Höhle bleibt, was das Ökosystem belasten könnte. Zudem seien unter ihrer Anleitung Teile der Ausrüstung in den bestehenden Biwaks deponiert worden – für künftige Forschungsgänge.

Westhausers Rettung aus über 1000 Metern Höhenmeter unter der Erde hatte einen immensen Materialeinsatz verlangt. „Insgesamt wurden über 10 000 Meter Seil gebraucht“, sagt Ampenberger. An die 20 Akkubohrmaschinen seien verwendet worden, um etwa Stahlstifte in den Feldwänden zu verankern.

Bei dem Einsatz sei die übliche Form der Bergrettung per Helikopter und mit viel moderner Technik nicht möglich gewesen. Auch der Gemeinschaftssinn sei außergewöhnlich gewesen. „Der Solidaritätsgedanke am Berg ist da auf ganz besondere Art und Weise wieder zutage getreten.“ 728 vorwiegend ehrenamtliche Helfer aus fünf Ländern waren damals an Pfingsten angereist, um zu helfen; 202 von ihnen stiegen in die Höhle ein.

Das passierte an den elf Tagen im Untersberg

  • 8. Juni, Pfingssonntag: Höhlenforscher Johann Westhauser (52) steigt mit zwei Begleitern ins Riesending ab. Dort trifft ihn in 1000 Metern Tiefe ein Felsbrocken, der Forscher, wird schwer verletzt. Einer der Begleiter klettert nach oben und schlägt Alarm.
  • 9. Juni: Ein erstes Team erreicht den Verletzten.
  • 11. Juni: Ein Team mit einem Arzt dringt bis zu der Gruppe vor, später trifft ein zweiter Mediziner ein.
  • 13. Juni, Freitagabend: Um 17.28 Uhr macht sich das Rettungsteam mit Westhauser auf den Weg.
  • 15. Juni, Sonntag: Das Team mit Westhauser auf einer Trage hat übers Wochenende eine große Strecke in der Waagrechten zurückgelegt. Doch nun kommt der Aufstieg.
  • 16. bis 19. Juni: Die Kletterer kommen zunächst besser voran als erwartet. Dann werden Pausen eingelegt. An Fronleichnam um 11.44 Uhr sieht Westhauser wieder Tageslicht.

So geht’s Westhauser

Johann Westhauser.

Zwölf Tage war Johann Westhauser (54) im Juni in der Riesending-Höhle, bis er nach einer beispiellosen Rettungsaktion an Fronleichnam (19. Juni) wieder das Tageslicht erblickte. Heute ist der Höhlenforscher zurück in seinem Heimatort nahe Karlsruhe, lebt dort zurückgezogen von den Medien.

Als der Höhlenforscher im Juni aus der Riesending-Höhle geborgen wurde, ging es ihm sehr schlecht. Mit einem unbehandelten Schädel-Hirn-Trauma war er tagelang in völliger Dunkelheit gelegen, eine strapaziöse Rettungsaktion hatte den Schwerverletzten zusätzlich belastet.

In einer eigens aufgebauten Notfallstation versorgten ihn die Ärzte noch auf dem Untersberg, bevor er mit einem Hubschrauber in die Unfallklinik in Murnau gebracht wurde. Dort blieb er bis Anfang Juli und erholte sich von seinen Verletzungen.

Der Höhlenforscher, der bis zu dem Unglück schon mehrfach in der Riesending-Höhle gewesen war, gab bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus an, erneut in die Höhle hinabsteigen zu wollen. Heute arbeitet er wieder als Techniker am Institut für Angewandte Physik des Karlsruher Instituts für Technologie. Interviews gibt er nicht. „Ich möchte mich erholen“, sagte er zuletzt.

Esoterik-Tourismus am Untersberg

Der 1972 Meter hohe Untersberg, in dem sich das Höhlendrama abspielte, rückt immer mehr in den Fokus von Schamanen und Esoterikern. Die Besucher kommen in die Talorte, um Kraft zu tanken. Sie sind so ein echter Wirtschaftsfaktor geworden, um sie kümmern sich auch Touristiker. Um den Berg ranken sich zahlreiche Mythen, so soll Barbarossa in einer Höhle auf seine Auferstehung warten.

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