Riesending-Schachthöhle

So läuft die Rettung des Höhlenforschers

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Nässe, Kälte, Steinschlag: Wer eine solche Höhle erforscht, muss unbedingt die richtige Ausrüstung tragen. Dazu gehört neben Helm und Anzug auch der spezielle Höhlengurt.

Marktschellenberg - Es ist der wohl größte Rettungseinsatz in den Berchtesgadener Alpen, den es je gegeben hat. Und womöglich auch der längste. Die tz erklärt die Vorgehensweise.

Seit Sonntagnacht um 1.30 Uhr ist der Höhlenforscher Johann W. in den Schächten des Riesendings (Länge 19,2 km, Tiefe 1100 m) im Untersberg gefangen. Der 52-jährige Mann aus Baden-Württemberg ist an Kopf und Körper verletzt. Aus ganz Europa treffen Rettungskräfte im Berchtesgadener Land ein, um ihren Kameraden heil aus der Tiefe zu holen. Die Rettung gestaltet sich aber äußerst schwierig und gefährlich: Auf dem Weg nach oben müssen Engstellen passiert und riesige Abhänge überwunden werden.

So läuft die spektakuläre Rettung

Es ist der wohl größte Rettungseinsatz in den Berchtesgadener Alpen, den es je gegeben hat. Und womöglich auch der längste. „Der Weg zurück wird voraussichtlich sechs Tage dauern“, sagt Bergwacht-Pressesprecher Roland Ampenberger in der tz.

Ist Johann W. fit genug, beginnt seine Rettung am Mittwoch. Dann wäre er höchstwahrscheinlich am Montag wieder draußen.

Die Retter an der Riesending-Schlachthöhle am Untersberg sind gerüstet für den wohl größten und schwierigsten Einsatz. Am Dienstag waren sechs Rettungsleute bei dem verletzten Höhlenforscher. Nach ersten Erkenntnissen ging es Johann W. besser als erwartet, er war ansprechbar und konnte zeitweise mit Hilfe seiner Begleiter laufen. Eine medizinsche Diagnose war da noch nicht gefällt. Deswegen machte sich am Nachmittag ein zweites Team aus der Schweiz mit einem österreichischen Arzt auf den Weg in die dunkle Schlucht. Sie sollten in den späten Abendstunden des Dienstags bei dem Verletzten eintreffen.

„Im Vordergrund steht jetzt die medizinische Versorgung und Stabilisierung“, so Ampenberger. Der erste hinabgestiegene Arzt hatte am Montag aufgeben müssen. „Der Abstieg ist eine extreme körperliche und psychische Herausforderung.“ Die gute Nachricht: Seit gestern haben die Retter am Untersberg über Funk Kontakt zu dem Team in der Höhle.

Vier solcher Biwaks sind für die Rettung vorbereitet. Hier können Johann W. und seine Retter ausruhen.

Je nach Johann W.s Verfassung beginnt heute die Rettung. Zuvor werden jedoch die sechs Rettungskräfte die Höhle verlassen. „Das ist wichtig, denn sind zu viele Menschen in der Höhle, steigt die Gefahr für alle.“ Steinschläge, Enge und Unachtsamkeiten könnten dann für Probleme sorgen. Maximal fünf bis sieben Leute sollten sich in der Riesending-Höhle aufhalten. Für die fünf Schweizer, den Arzt und Johann W. geht es zuerst in Richtung Biwak Nummer 4. Dieses liegt in 900 Metern Tiefe.

Für die Rettung wurden alle vier Biwaks, die auf dem Weg nach oben liegen, mit Trinkwasser, Verpflegung und Schlafsäcken eingerichtet. Läuft alles glatt, soll täglich ein Biwak angesteuert werden.

Um die Retter abzuwechseln, bereitet sich seit gestern ein 16-köpfiges, auf Höhlenbergung spezialisiertes Rettungsteam aus Triest/Norditalien auf den Abstieg vor. „Wir werden immer wieder Retter auswechseln, vor allem, wenn das Ganze noch länger dauert“, sagt der Bergwacht-Sprecher. Im besten Falle dauert die Rettung maximal bis Montag. Ist Johann W. nicht fit genug, kann sich der Aufstieg noch hinziehen. „Wir alle bleiben da, bis Johann W. wieder oben ist“, so Ampenberger.

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

Bilder von der Rettungsaktion an der Riesending-Schachthöhle am Untersberg

Das Leben im Bauch des Berges

Höhlen gehören zu den großen Mythen der Menschheit. Die tz hat mit Axel Bystrzinski, dem Vorsitzenden der Höhlenrettung Baden-Württemberg, über die wahren Bedingungen unter der Erde gesprochen.

Temperatur und Luft: In den Höhlen ist es zwischen 1 und 5 Grad über Null zwar kühl, aber nicht frostig. Auch die Luftversorgung ist ausreichend und der Luftdruck – anders als in Höhen-Berg­lagen – kein Problem. „Die Retter müssen den Verunglückten warmhalten“, sagt Bystrzinski. „Das geschieht mit Isomatten oder einem Zelt aus Planen.“

Wasser: In den Höhlen gibt es viele Wasserstellen. Oft geht es nur mir Schlauchboten voran. „Wenn der Wasserspiegel steigt, muss das Opfer an eine höhere Stelle gebracht werden.“

Wie lange kann man unterirdisch überleben? Wenn es zu keinem Koller kommt und die Versorgung ausreicht, geht das zur Not auch über mehrere Wochen. Gibt es da unten Tiere? Tatsächlich kann es auch 1000 Meter unter der Erde Organismen geben. „Das sind aber nur Kleinst-lebewesen, die ohne Tageslicht auskommen: Asseln, Krebse, Schnecken“, so der Experte. Rechtliche Lage: Grundsätzlich darf jeder in ein Erdloch steigen, allerdings auf eigene Gefahr. Der Eingang am Untersberg ist jedoch geheim, bislang waren nur rund zwölf Menschen drin.

Markus Christandl, Antonia Wille, Nina Bautz, Christina Meyer, Andreas Beez

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